Dass sein Plan, 50.000 neue Wohnungen bauen zu lassen, ambitioniert ist, weiß Münchens designierter Oberbürgermeister. Davon abrücken will Dominik Krause aber keinesfalls, wie er beim "Sonntags-Stammtisch“ im BR Fernsehen erklärte: "Mal angefangen bei den 50.000, woher kommt die Zahl? Die haben nicht wir uns auf der grünen Wiese ausgedacht, sondern wir haben uns verschiedene Studien angeschaut und Beschlüsse, was es schon gibt, was da möglich ist." Wohnen sei das entscheidende Thema im Wahlkampf gewesen: "Darauf wird auch das allererste Augenmerk liegen, dass wir da deutlich mehr liefern müssen als bisher.“
Krause über leer stehende Büroflächen: Bürger haben dafür "kein Verständnis"
Als erste konkrete Maßnahme nannte der 35-Jährige die Nachverdichtung und Aufstockung an Stellen, wo das möglich sei: "Das Paradebeispiel ist im Vorstadt-Bereich der einstöckige Supermarkt, wo der Platz nicht effizient genutzt ist." Die zweite Maßnahme sei die Umwandlung von leerstehenden Büroflächen: In München würden aktuell 1,8 Millionen Quadratmeter leerstehen, ohne anderweitig genutzt zu werden. Viele Bürger hätten dafür kein Verständnis, so Krause: "Auch im Wahlkampf kamen so viele Menschen und haben gesagt: Wir verstehen überhaupt nicht, hier neben uns sind riesige leer stehende Büroflächen, und gleichzeitig suchen alle händeringend nach Wohnflächen."
Zweifel an Umsetzbarkeit von Krauses Plänen
Die Wirtschaftsjournalistin Anja Kohl war als Stammgast ebenfalls Teil der Diskussionsrunde. Sie äußerte Zweifel an Krauses Plänen: "Die Umsetzung ist extrem schwierig, sie ist extrem teuer, die Auflagen sind extrem hoch und es dauert einfach sehr, sehr lange, bis man – wenn überhaupt – ein paar Wohnungen rauskriegt." Sie bewundere Krauses Ambition, aber die Umwandlung leer stehender Büroflächen in Wohnraum sei ihrer Meinung nach "nicht der große Wumms", den München bräuchte.
Krause erklärte, dass die Umsetzung "nicht einfach“ werde, zeigte sich aber weiterhin optimistisch. Er verwies auch auf neue Beschlüsse auf Bundesebene, die ihn zuversichtlich stimmten: Nach dem Bau-Turbo habe die Regierung jetzt auch den "Umwandlungs-Turbo“ beschlossen – mit einem Förderprogramm und einer Vereinfachung bürokratischer Vorgaben. Gleichzeitig liege der Ball aber auch bei der Stadt: "Wir sind die Genehmigungsbehörde, die das ausführt, und wir müssen deutlich schneller werden." Politiker müssen sich an ihren Versprechen messen lassen – je ambitionierter diese sind, desto größer die Gefahr, Wähler am Ende zu enttäuschen.
Im Video: Dominik Krauses Pläne in Sachen Mobilität
Münchens künftiger OB Dominik Krause am Sonntags-Stammtisch
Krause: Kulturkampf um Mobilität ist "riesengroßes Problem“
Beim Thema Mobilität setzte Krause im Wahlkampf auf den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs und des Radverkehrs sowie auf fußgängerfreundliche Innenstädte. Auf die Frage, auf was sich Autofahrer in Zukunft einstellen müssten, entgegnete Krause: "Ich glaube, dass dieser Kulturkampf um die Mobilität ehrlich gesagt ein riesengroßes Problem ist und dass wir davon wegkommen müssen." Sein Fokus liege darauf, den ÖPNV angesichts der wachsenden Menschenmengen auszubauen. Gleichzeitig müsse es eine "vernünftige Verkehrsinfrastruktur für den Radverkehr“ geben. Häufig würden Klischees bemüht, so werde gefragt: "Warum brauchen wir denn diese breiten Fahrradwege – weil dann die Cappuccino-Mamas mit ihren Lastenrädern unterwegs sind?“ Doch auch "die Cargo-Bikes von Amazon, die die Pakete ausliefern", so Krause, seien auf gut ausgebaute Fahrradwege angewiesen.
Krause bedauert Scheitern der Sondierungsgespräche
Bevor sich Krause aber ans Regieren machen kann, braucht er eine tragfähige Koalition. Zuletzt hatte die Partei Volt die Verhandlungen mit Grünen, SPD und der Rosa Liste abgebrochen. Krause äußerte sein Bedauern über das Scheitern der Sondierungsgespräche, man habe eigentlich "ganz gute Gespräche" geführt. Gleichzeitig machte er kein Geheimnis daraus, wer seiner Meinung nach für das Scheitern verantwortlich war: "Jedes Mal, wenn man versucht hat, sich einen Schritt zu einigen, hat Volt an anderer Stelle wieder einen Schritt zurückgemacht." Volt habe "sehr breitbeinig“ Forderungen gestellt.
Seine Partei habe es "wirklich versucht", so Krause. Aber: "Wenn man am Ende nicht mitregieren will – so wie es ja scheint – kann man auch nichts machen." Die Tür sei aber nicht ganz zu, der Ball liege jetzt bei Volt. Er spreche weiterhin mit allen demokratischen Fraktionen, so Krause, das alles sei ein normaler Prozess. Nächste Woche seien Gespräche mit der FDP-Freie-Wähler-Fraktion und auch mit der CSU geplant.
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