Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren Nachrichtendienst-Mitarbeiter Egisto Ott unter anderem Spionage für Russland vor. Verbindungen gibt es nach Überzeugung der Ermittlungsbehörden zu dem Ex-Wirecard-Manager Jan Marsalek.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren Nachrichtendienst-Mitarbeiter Egisto Ott unter anderem Spionage für Russland vor. Verbindungen gibt es nach Überzeugung der Ermittlungsbehörden zu dem Ex-Wirecard-Manager Jan Marsalek.
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In Wien startet einer der größten Spionageprozess in der Geschichte Österreichs.
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Prozess in Wien startet: Spionage für Marsalek und Russland?

Prozess in Wien startet: Spionage für Marsalek und Russland?

Am Landesgericht Wien startet einer der größten Spionageprozesse in der Geschichte Österreichs: Die Staatsanwaltschaft wirft dem Ex-Nachrichtendienstler Egisto Ott Spionage für Russland vor – wohl in Verbindung mit dem Ex-Wirecard-Manager Marsalek.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Wien – seit Jahrzehnten gilt Österreichs Hauptstadt als Spionage-Hochburg. 172 Seiten umfasst die Anklageschrift in einem jetzt beginnenden Verfahren. Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren Nachrichtendienstler Egisto Ott darin nachrichtendienstliche Tätigkeiten, Amtsmissbrauch und Verletzung des Amtsgeheimnisses vor – zum Nachteil Österreichs und zu Gunsten Russlands.

Demnach soll Ott unter anderem in Behördendatenbanken nach Personen gesucht haben, die später in den Fokus von Geheimdiensten gerieten. Der mutmaßliche Mann dahinter: Jan Marsalek.

Erst Wirecard-Vorstand dann Spion? Marsaleks Wandlung

Der Ex-Wirecard-Vorstand hatte sich am 19. Juni 2020 parallel zum Kollaps des Zahlungsdienstleisters abgesetzt. Er soll inzwischen in Russland sein und für den Inlandsgeheimdienst FSB arbeiten. Wegen Marsaleks Verwicklung in den Wirecard-Skandal gibt es einen internationalen Haftbefehl.

2025 hatten die britischen Behörden Erkenntnisse veröffentlicht, wonach Marsalek einen aus sechs bulgarischen Staatbürgern bestehenden und für Russland tätigen Spionage-Ring angeleitet hatte. Ein Londoner Gericht verurteilte die Bulgaren deswegen zu langjährigen Haftstrafen.

Marsalek-Spionage-Ring nahm Journalistin in den Fokus

Chat-Protokolle aus dem Londoner Verfahren hatten zudem gezeigt, dass der Spionage-Ring unter anderem die Journalistin und Chefredakteurin des investigativen österreichischen Nachrichtenmagazins "profil", Anna Thalhammer, bespitzelt hatte. Sie recherchiert seit Jahren zu russischer Spionage in Österreich und zum Fall Egisto Ott. Von dem Wiener Prozess erhofft sich Thalhammer einen tieferen Einblick in das Netzwerk rund um Marsalek und den österreichischen Ex-Verfassungsschützer Ott.

Ott bestreitet die Vorwürfe

Ott, der Jahrzehnte lang im Sicherheitsapparat gearbeitet hat, sei offiziell nicht für Russland zuständig gewesen, betont Thalhammer. So steht es auch in der Anklage. Ott hat in der Vergangenheit sämtliche gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestritten. Es gilt die Unschuldsvermutung. Auf eine schriftliche Anfrage des BR antwortete sein Anwalt: vor der gerichtlichen Einvernahme vorerst nicht für eine Stellungnahme zur Verfügung zu stehen.

Spionage-Ring: Mordkomplott gegen Journalisten

Ebenfalls im Fokus des Spionage-Rings: Christo Grozev. Wegen seiner jahrelangen Recherchen zu Geheimdienstoperationen gilt der bulgarische Investigativ-Journalist in Russland als Staatsfeind. Über Monate soll Grozev von Marsaleks Spionage-Ring massiv bespitzelt worden sein.

Danach habe Marsalek mit dem Anführer des Rings unter anderem in Chatnachrichten darüber diskutiert, Grozev zu kidnappen oder zu töten. Zudem sollen sich einzelne Mitglieder gegenüber der einstigen Wohnung von Grozev in Wien eingemietet haben, um ihn zu bespitzeln.

Im Interview mit dem ARD-Studio Wien beschreibt Grozev, wie seine Verfolger in seine Wohnung eingebrochen seien – während sein Sohn zu Hause war. Und Grozev berichtet, überwacht und verfolgt worden zu sein: "Sie observierten die Wohnung meiner Eltern außerhalb von Wien. Sie hatten wirklich beängstigende Pläne." Am Ende sah sich Grozev gezwungen, in die USA auszuwandern.

Otts Datenzugriff und offene Fragen

Verdächtig findet die Staatsanwaltschaft, dass Ott Grozevs Adressdaten zuvor abgerufen habe. Allerdings verweist Ott darauf, dass er die Daten auf Bitte seines Vorgesetzten abgerufen habe, sei nicht illegal gewesen. Von dem jetzt beginnenden Prozess erwartet Grozev, "dass die österreichische Justiz endlich die Gefahr erkennt, die von jemandem wie Egisto [Ott] ausgeht".

Handy- und Laptop-Sendung nach Moskau?

Ein weiterer in der Anklage erhobener Vorwurf: Ott soll die Diensthandys eines ehemaligen Kabinettschefs im Innenministerium und zweier früherer Kabinettsmitarbeiter an die Marsalek-Agenten übergeben haben, um sie nach Moskau zu bringen. Und schließlich soll Ott im November 2022 für einen speziell gesicherten SINA-Laptop 20.000 Euro kassiert haben. Dieser sei in Marsaleks Auftrag in die Moskauer FSB-Zentrale ("Lubyanka") transportiert worden.

Für den Dienst habe Ott zudem eine Fehleranalyse über den sogenannten "Berliner Tiergartenmord" erstellt, Schwachstellen aufgezeigt und eine Handlungsanleitung verfasst, wie Auftragsmorde durch den russischen Nachrichtendienst innerhalb der EU künftig reibungslos erledigt werden könnten.

Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung. Egisto Ott, der im Zuge der Ermittlungen bereits zwei Mal für mehrere Wochen und einige Monate in Untersuchungshaft gesessen hat, gab sich zuletzt selbstsicher. Gegenüber der österreichischen Presseagentur zeigte er sich überzeugt, vor Gericht seine Unschuld beweisen zu können.

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