Seniorentreff: Beratung und Unterstützung beim Sozialdienst muslimischer Frauen in Kempten.
Seniorentreff: Beratung und Unterstützung beim Sozialdienst muslimischer Frauen in Kempten.
Bild
Seniorentreff: Beratung und Unterstützung beim Sozialdienst muslimischer Frauen in Kempten.
Bildrechte: BR
Schlagwörter
Bildrechte: BR
Audiobeitrag

Seniorentreff: Beratung und Unterstützung beim Sozialdienst muslimischer Frauen in Kempten.

Audiobeitrag
>

Studie: Religion wichtig für gesellschaftlichen Zusammenhalt

Studie: Religion wichtig für gesellschaftlichen Zusammenhalt

Die Gesellschaft ist weniger gespalten, als es die öffentlichen Debatten vermuten lassen: Das ist ein Ergebnis des aktuellen "Religionsmonitors" der Bertelsmann Stiftung. Und: Religion wirkt sich positiv auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt aus.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Senioren-Treff beim Sozialdienst muslimischer Frauen in Kempten: Eine Gruppe von Frauen sitzt beim "Mensch ärgere dich nicht" zusammen. Im Nebenraum gibt es ein Frühstück mit Beratung auf Türkisch. Rabia Mercimekoglu berät Menschen aus der Gastarbeiter-Generation zu den Themen Rente und Pflege. Anderen zu helfen gehört für die Muslimin fest zu ihrem Glauben. "Ein Muslim ist der, der anderen hilft", sagt sie. "Für mich ist das eine religiöse Motivation."

Eine Beobachtung, die sich mit den aktuellen Ergebnissen des Religionsmonitors der Bertelsmann Stiftung deckt. Religion tut der Gesellschaft gut, egal ob christlich, muslimisch, jüdisch oder eine andere. Der Religionsmonitor ist eine Studie, die regelmäßig untersucht, welche Rolle Religion und religiöse Vielfalt in einer modernen Gesellschaft spielen.

Laut Umfrage hat sich das freiwillige Engagement stabilisiert

Yasemin El-Menouar hat die Bertelsmann-Studie "Religionsmonitor" geleitet. Ihr Ergebnis: Religiöse Menschen bringen sich mehr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ein als nicht-religiöse Menschen. El-Menouar sagt: "Religion spielt in einer zunehmend säkularen Gesellschaft eine wichtige Rolle für den Zusammenhalt. Entscheidend ist dabei aber weniger die bloße Zugehörigkeit zu einer Religion, sondern vor allen Dingen die gelebte Praxis. Also, ob jemand gläubig ist und auch in eine Gemeinde eingebunden ist."

Kirchengemeinden oder Moscheegemeinden bringen Menschen regelmäßig zusammen, organisieren Hilfe. Und religiöse Überzeugungen können auch Menschen dazu motivieren, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen, so die Leiterin der Studie.

Nach Corona: Zusammenhalt wieder gewachsen

Ein wichtiges Ergebnis: Die Gesellschaft sei weit weniger gespalten, als die öffentlichen Debatten vermuten lassen. Der gesellschaftliche Zusammenhalt habe über die Corona-Zeit bis 2023 zwar abgenommen – sich aber bis heute wieder zu großen Teilen erholt. Die sozialen Beziehungen zwischen Menschen hätten sich laut Studie wieder verbessert sowie das freiwillige Engagement stabilisiert, so Yasemin El-Menouar.

Was beim Islam im Gegensatz zum Christentum auffällt: Bei sehr stark religiösen Muslimen sinkt laut Studie die Verbundenheit mit dem Gemeinwesen. Als Gründe dafür vermutet die Studie eine geringere Anerkennung und ein negatives Bild von Muslimen in der Gesellschaft.

Debatte um geringere Verbundenheit mit der Gesellschaft

Rabia Mercimekoglu, die Senioren in Kempten berät, kann nachvollziehen, dass sich sehr gläubige Muslime in nicht-muslimischen Institutionen nicht immer wohl fühlen: "In Deutschland ist es leider so, dass immer noch eine gewisse Skepsis gegenüber Muslimen besteht. Ein religiöser Mensch fastet im Ramadan – und obwohl am Arbeitsplatz die Menschen wissen, dass die Person fastet – wird oftmals Jahr immer wieder die gleiche Frage gestellt: 'Trinkst du auch nicht?' Mit der Zeit wird das anstrengend."

Die geringere Verbundenheit bei sehr gläubigen Muslimen mit der deutschen Gesellschaft findet der Soziologe und Islamtheologe Mouhanad Khorchide alarmierend: "Wir wissen, dass Islamisten versuchen, an diesem Punkt Lagerhaltung zu fördern im Sinne von: Die Gesellschaft, das Gemeinwesen sei ein Feindbild – so wird es in den sozialen Medien dargestellt." Man dürfe aber an dieser Stelle natürlich nicht pauschalisieren. Es beträfe nur sehr wenige Menschen in der muslimischen Community.

Der Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung ist seit 2007 in diesem Jahr zum fünften Mal erschienen und soll die Bedeutung von Religionen auf die gesellschaftliche Entwicklung beleuchten.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

Sie interessieren sich für Themen rund um Religion und Spiritualität? Dann abonnieren Sie hier den Newsletter der Redaktion Religion und Orientierung.