Noch ist das Oktoberfest nicht ganz zu Ende, aber bereits jetzt steht fest: Es war eine Rekord-Wiesn. Noch nie haben so viele Menschen das Fest besucht wie heuer. Dazu hat wohl auch das Wetter beigetragen: Viele strahlend sonnige und spätsommerlich warme Wiesn-Tage boten beste Voraussetzungen für den neuen Besucherrekord.
"Was für eine Bilderbuch-Wiesn", sagte Dominik Krause (Grüne) über sein erstes Oktoberfest als Münchner Oberbürgermeister. "Friedlich, entspannt und gut gelaunt. Die Wiesn 2026 war eine der schönsten aller Zeiten."
Rekorde zur Halbzeit, zum Kindertag, auf der Oidn Wiesn
An 16 Tagen haben 7,4 Millionen Menschen das Oktoberfest besucht. 447.000 Gäste kamen auf die Oide Wiesn - 360.000 waren es im Vorjahr. Im bisherigen Rekordjahr 2023 kamen 7,2 Millionen Menschen auf die Wiesn. Allerdings hatte sie da wegen einer Feiertagsverlängerung 18 Tage gedauert.
Schon nach einer Woche hatten in diesem Jahr 3,8 Millionen Menschen das Volksfest auf der Theresienwiese besucht. Zum Kindertag in der zweiten Woche kamen heuer 57 Prozent mehr Gäste auf die Wiesn als im Vorjahr. Die meisten Besucherinnen und Besucher kamen nach wie vor aus München selbst oder dem Umland. Die meisten internationalen Gäste reisten aus den USA, Italien und Österreich an.
Essen und Trinken: "Saures Radler" und mehr Hendl
Der Festbierkonsum stieg nach Angaben des Vereins der Münchner Brauereien um 2,7 Prozent und lag bei rund 6,7 Millionen Maß. Im vergangenen Jahr wurden etwa 6,5 Millionen Maß Bier ausgeschenkt. Der Absatz von alkoholfreien Getränken stieg um zehn Prozent. Besonders gern getrunken wurde heuer das "saure Radler", also Bier mit Wasser. Beim Essen melden die großen Wiesn-Wirte ein Plus von zwei bis drei Prozent. Das klassische Hendl erfreute sich heuer wieder größerer Beliebtheit, nachdem der Konsum in den vergangenen Jahren rückläufig gewesen war.
Festleitung, Schaustellerinnen und Schausteller, Marktkaufleute sowie Wirtinnen und Wirte sind mit dem Verlauf des Festes zufrieden.
Böllerschüsse zur Mittagszeit
Um Punkt zwölf Uhr haben es die Böllerschützen krachen lassen. 60 Männer und Frauen hatten sich dazu auf den Treppenstufen unterhalb der Bavaria aufgestellt. Statt Kugeln wird Schwarzpulver verwendet, deshalb stieg weißer Rauch auf. Umrahmt wurde das Spektakel von Blasmusik. Zum Abschluss wurde die Bayernhymne gesungen. Mit dem Böllerschießen wird das Oktoberfest traditionell beendet.
Bedienungen feiern mit Wunderkerzen beim Kehraus im Hofbräuzelt auf der Theresienwiese.
Voll, aber nicht überfüllt - Sicherheitskonzept angewandt
Speziell die Wochenenden waren sehr gut besucht. Am gestrigen Samstag kamen so viele Gäste, dass der Veranstalter darum bat, der Theresienwiese bis auf Weiteres fernzubleiben. Die Eingänge zum Gelände mussten zeitweise geschlossen werden. Eine ähnliche Situation hatte es bereits am mittleren Wiesn-Samstag vor einer Woche gegeben.
Wiesn-Chef Christian Scharpf zeigte sich zufrieden: Das nachgeschärfte Sicherheitskonzept habe funktioniert. "Die neue Sicherheitszentrale, die verbesserte Videoüberwachung und das Crowd Spotting haben es ermöglicht, die Besucherströme noch genauer zu beobachten und bei Menschenansammlungen frühzeitig gegenzusteuern", so Scharpf. Die neu installierten Kameras und die eingesetzte KI-Technik sowie die optimierten Kommunikationswege zwischen Veranstalter, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Sicherheitsdiensten hätten sich als wichtige Bausteine erwiesen.
Unfälle überschatteten die Stimmung
Zwei mutmaßliche Betriebsunfälle überschatteten die Feststimmung. Am 21. September war ein Mitarbeiter des Freefall-Towers Hangover von einer Gondel getroffen worden. Der Mann überlebte den Unfall nicht. Am heutigen Sonntag wurde ein Mitarbeiter eines Fahrgeschäfts auf der "Oidn Wiesn" schwer verletzt. Ein 47-jähriger rumänischer Mitarbeiter wurde nach derzeitigen Informationen von einer Schiffschaukel getroffen. Er habe sich in einem Bereich aufgehalten, wo er nicht hingehen dürfe, sagte der Münchner Polizeisprecher Thomas Schelshorn.
Anstieg bei Kokain-Delikten - 80 Sexualdelikte angezeigt
Jenseits dieser Unglücksfälle war die Stimmung nach Angaben von Polizeisprecher Schelshorn "friedlich und überwiegend entspannt". Die im Vergleich zu 2025 mit 1.851 etwas höhere Zahl der Einsätze und festgestellten Straftaten (854 waren es diesmal, 748 im vergangenen Jahr) führt er auf die höhere Besucherzahl zurück - und auch auf mehr Betäubungsmitteldelikte, vor allem mit Kokain. Hier hatte die Polizei auf der diesjährigen Wiesn besonders kontrolliert.
80 Sexualdelikte wurden nach Angaben von Schelshorn angezeigt, acht mehr als 2025. Bei einem Großteil (52 Fällen) habe es sich um sexuelle Belästigung gehandelt, in fünf Fällen werde wegen des Verdachts der Vergewaltigung ermittelt. 2025 waren es seinen Angaben zufolge ebenfalls fünf Fälle.
Aicher Ambulanz meldet Rekordzahlen
Rund 8.400 Patienten wurden bis Sonntagmittag in der Wiesn-Sanitätsstation versorgt - knapp 300 mehr als im bisherigen Rekordeinsatz-Jahr 2023. Der Rettungsdienst führte dies vor allem auf die hohe Besucherzahl zurück. 40 Prozent der Patienten waren ausschließlich wegen einer Alkoholvergiftung auf Hilfe angewiesen. Der gemessene Rekordwert dabei: 3,8 Promille. Allerdings sei das nicht unbedingt tatsächlich der höchste Wert. Schließlich müsse der Patient, um den Alkoholwert feststellen zu können, noch in der Lage sein, in das Testgerät zu pusten.
Feiern bis zur Sperrstunde
Weitergefeiert wird am heutigen Sonntag noch bis kurz vor Mitternacht. Kurz vor Schankschluss werden in den Zelten Wunderkerzen für die letzten Wiesnlieder des Jahres verteilt.
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