Nach der Sturzflut in Nepal steigt die Zahl der Toten, viele hundert Menschen werden vermisst.
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Nach der Sturzflut in Nepal steigt die Zahl der Toten, viele hundert Menschen werden vermisst.
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Nepal: Zahl der Toten steigt auf über 500 – neue Flut droht

Nepal: Zahl der Toten steigt auf über 500 – neue Flut droht

Nach der Sturzflut in Nepal ist die Zahl der bestätigten Toten auf deutlich mehr als 500 gestiegen. Knapp 2.000 Menschen werden noch vermisst. Glück hatte eine vierköpfige deutsche Familie: Sie wurde aus dem Katastrophengebiet gerettet.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Nach der verheerenden Sturzflut in Nepal ist die Zahl der bestätigten Todesopfer weiter gestiegen. Nach Angaben der Behörden vor Ort gibt es inzwischen 579 Tote. Etwa 1.924 Menschen werden demnach vermisst, unter ihnen hunderte Ausländer.

Jenseits der Grenze, in der autonomen Region Tibet, wurden laut chinesischen Staatsmedien bislang fünf Tote bestätigt. Auch in Tibet werden noch mehr als 500 Menschen vermisst. In Indien wurden sieben Tote aus Flüssen geborgen.

Zu den vermissten Ausländern zählten nach Angaben der nepalesischen Tourismusbehörde auch mindestens acht Deutsche. Das Auswärtige Amt in Berlin hatte am Donnerstag zunächst erklärt, die deutschen Stellen vor Ort seien noch dabei, "belastbare Informationen zum Verbleib deutscher Staatsangehöriger" zu sammeln. Am Abend erklärte das Auswärtige Amt, dass nach Erkenntnissen der Bundesregierung eine hohe einstellige Zahl deutscher Staatsangehöriger vermisst werde. Das Ministerium bemühe sich unter Hochdruck um Aufklärung, sagte ein Sprecher.

Vierköpfige deutsche Familie in Nepal gerettet

Es gibt aber auch noch Hoffnung: Eine vierköpfige deutsche Familie wurde im Katastrophengebiet in Nepal gerettet. Sie sei zusammen mit anderen Geretteten per Hubschrauber zu einem Armeecamp in Battar Bazar gebracht worden, sagte ein Armeesprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Meterhoher Schlamm bedeckt ganze Dörfer

Rettungskräfte suchen im Schlamm und Geröll derweil weiter nach Überlebenden und Toten. Ganze Dörfer sind meterhoch von undurchdringlichem Schlamm bedeckt. Da viele Straßen und Brücken weggerissen wurden, kommen Einsatzkräfte nur schwer voran. Wie die nepalesische Polizei mitteilte, wurden bisher 4.451 Menschen gerettet, darunter viele Verletzte. Dutzende wurden in der Hauptstadt Kathmandu medizinisch behandelt.

"Es wird noch einige Zeit dauern, bis wir einen vollständigen Überblick über die Vermissten haben, da wir derzeit noch kein klares Bild haben", sagte Polizeisprecher Abi Narayan Kafle der Deutschen Presse-Agentur. Es könne noch Tage dauern. Laut Polizeiangaben wurden Dutzende Leichen noch nicht identifiziert, auch weil viele Körper von der gewaltigen Wucht der Sturzflut völlig entstellt wurden.

Gletscherabbruch verursachte Sturzflut

Nach Angaben des deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) in Potsdam war höchstwahrscheinlich das Abbrechen eines großen, an einer steilen Wand hängenden Gletschers und des darunterliegenden Felsens an der Nordflanke des Langtang-Massivs im Himalaya-Gebirge der Auslöser der Sturzflut. Die Sturzflut aus Wasser und Schlamm war am Mittwoch fast 170 Kilometer weit entlang zweier Flüsse durch Nepal gerast und hatte ganze Ortschaften mitgerissen. Auch Tibet ist betroffen.

Der chinesische Staatssender CCTV berichtete am Freitag, 499 Einwohner sowie 555 Touristen, die in dem Katastrophengebiet festsaßen, seien in Sicherheit gebracht worden. Zur Nationalität der Geretteten machte der Sender keine Angaben.

"Hohes Risiko" für neue Überflutung

In China wurde in der Nacht zu Freitag gewarnt, es bestehe ein "hohes Risiko" für erneute Überflutungen. Der See, der sich durch die Sturzflut gebildet habe, könne angesichts anhaltenden Regens in den kommenden drei Tagen auf ein Volumen von rund drei Millionen Kubikmetern anwachsen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf das Wasserministerium. 

Rettungseinsatz in Tibet unterbrochen

Wenn der See über seine Ufer trete, könnten die Wassermassen weitere Schäden anrichten, hieß es. Flussnahe Bereiche werden vorsorglich evakuiert. Im Zentrum des Katastrophengebiets in Tibet wurde der Einsatz deshalb unterbrochen. Alle Teams seien angewiesen worden, sich einen Kilometer weit zurückzuziehen. Aus Sorge flüchteten auch Anwohner des nepalesischen Grenzdistrikts Rasuwa auf umliegende Hänge. Unterdessen meldete die Polizei in Nepal am Vormittag, dass in Tibet erneut ein Damm gebrochen sei. Details wurden nicht genannt.

Hintergrund: Das sagen die Geologen

Nach Angaben von Niels Hovius vom GFZ lagen zwischen dem Gletscherabbruch und dem Eintreffen der Flutwelle an der tibetisch-nepalesischen Grenzstation Gyirong keine zehn Minuten.

Im Jahr 2023 hatte ein Forschungsteam im Fachjournal "Nature Communications" berichtet, dass allein mögliche Ausbrüche von Gletscherseen weltweit rund 15 Millionen Menschen gefährden. Am stärksten sei vom Risiko solcher Überschwemmungen die Bevölkerung in asiatischen Hochgebirgen (Indien, Pakistan, China) und in den Anden (Peru und Bolivien) betroffen. Mehr als die Hälfte der weltweit gefährdeten Bevölkerung sei in nur vier Ländern zu finden: Indien, Pakistan, Peru und China.

Schmelzen Gletscher im Zuge der Erderwärmung, kann sich das ablaufende Schmelzwasser zu neuen Seen sammeln oder bestehende immens vergrößern. Versagt ein natürlicher Damm an einem solchen Gewässer, kann es talabwärts ohne jegliche Vorwarnung zu Überschwemmungen kommen.

Mit Informationen von AFP, dpa und AP

27.08.2026: Menschen stehen vor der zerstörten Region in Nuwakot in Nepal
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