Drei Jahre nach dem Abschluss des Synodalen Weges treffen sich die Teilnehmer noch einmal: Was wurde in der Praxis tatsächlich umgesetzt?
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Drei Jahre nach dem Abschluss des Synodalen Weges treffen sich die Teilnehmer noch einmal: Was wurde in der Praxis tatsächlich umgesetzt?
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Synodaler Weg: Schweigen aus Rom bremst Reformen aus

Synodaler Weg: Schweigen aus Rom bremst Reformen aus

Vor drei Jahren endete der Synodale Weg, der Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland, mit Beschlüssen zu Macht, Sexualmoral, Zölibat und Rolle der Frau. In Stuttgart wird drei Tage bilanziert: Was davon ist tatsächlich umgesetzt worden?

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Rund 50 Demonstranten stehen vor dem Eingang des Tagungshotels in Stuttgart. Die Mitglieder verschiedener katholischer Reformgruppen haben symbolisch eine "lange Bank" aufgebaut. Darauf zu lesen ist "Priesterin & Diakonin" "Aufklärung des Missbrauchs" und "Erneuerung der Liturgie". Nichts von diesen Themen solle mehr auf die "lange Bank" geschoben werden, sagt Martin Schockenhoff, Sprecher der kirchlichen Reformgruppe Pro Consilio.

Wird es de facto aber. Das wissen auch die offiziellen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 6. Synodalversammlung, dem bilanzierenden Abschlusstreffen des Synodalen Wegs. Nicht alles liegt in ihrer Hand, vieles braucht Zustimmung aus Rom.

Synodaler Weg: Beschlüsse sind nun drei Jahre alt

Von 2019 bis 2023 hatte der Reformprozess der katholischen Kirche in fünf Runden getagt, beraten und schließlich umfassende Reformen für Deutschland beschlossen. Es geht um Reformen in den vier Bereichen "Macht und Gewaltenteilung", "Sexualmoral", "Priestersein heute" und "Frauen in Diensten und Ämtern". Neu daran war: Laien und Bischöfe gemeinsam stimmten über die Themen und Vorschläge ab. Jedes Bistum kann aber eigene Wege einschlagen, nichts davon ist bindend. In Stuttgart nun, bei der Evaluation, kommt heraus: Kein Bistum hat bislang alle Beschlüsse umgesetzt.

Im Prozess bis 2023 beschlossen die Synodalen eine ganze Reihe von Reformvorschlägen: Etwa die Öffnung der Kirche für queere Personen oder die Beteiligung von Laien bei Vorschlägen für die Bestellung von neuen Bischöfen. Die Mehrheit des Synodalen Weges, der aus den deutschen Bischöfen, Ordensleuten, Pastoralreferenten und Laienvertretern bestand, stimmte auch dafür, dass es ein Frauendiakonat geben sollte und mehr Frauen in Führungsposition der Kirche gehörten.

Leiter des Synodalen Weges ziehen vorsichtig ein positives Fazit

Die beiden Leiter des Synodalen Wegs, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing und die Präsidentin des Zentralkomitees der Katholiken Irme Stetter-Karp, ziehen vorsichtig ein positives Fazit: "Ich bin froh, um alles was wir erreicht haben. Wir haben einen Kulturwandel im Miteinander", sagt Irme Stetter-Karp. "Wir nehmen queere Personen nach den Handlungsbeschlüssen des Synodalen Weges ganz anders war in der katholischen Kirche und das spüren viele Menschen als ein Aufatmen. Das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange, aber es ist der Beginn eines Weges", sagt Bischof Georg Bätzing.

Trotzdem stellt Bätzing mit Blick auf den ursprünglichen Auftrag des Synodalen Wegs, nämlich die Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal zu ziehen und diesen selbstkritisch aufzuarbeiten, kritisch in Frage, ob die systemischen Faktoren für Missbrauch vom Synodalen Weg wirklich angegangen wurden.

Drei bayerische Bistümer übernehmen Beschlüsse nicht

Vier Bistümer in Deutschland haben die Übernahme der Beschlüsse des Synodalen Wegs rundweg abgelehnt, darunter mit Regensburg, Passau und Eichstätt drei aus Bayern. Und in einigen Punkten habe der Synodalen Weg auch kaum Veränderungen gebracht, beklagt die Vorsitzende des Zentralkomitees der Katholiken Stetter-Karp. Trotzdem soll der Synodale Weg künftig mit der sogenannten Synodalkonferenz verstetigt werden. Eine Satzung gibt es, noch braucht es aber eine Zustimmung durch die Bischofskonferenz und durch den Vatikan.

Der Vatikan hatte den deutschen Sonderweg zu Reformen stets kritisch verfolgt und musste mehrfach beruhigt werden. Denn parallel zum Synodalen Weg in Deutschland initiierte der damalige Papst Franziskus die "Weltsynode", ein vergleichbares Format, nur auf die ganze Welt bezogen.

Schweigen aus Rom

Im Augenblick schaut man seitens des "Synodalen Wegs" ungeduldig auf Papst Leo XIV.. Damit in Deutschland ein beratendes Folgegremium - wieder aus Laien und Bischöfen - endlich seine Arbeit beginnen kann, braucht es die Zustimmung aus Rom.

Die beiden Leiter des Synodalen Weges, Irme Stetter-Karp und Bischof Gerog Bätzing, kritisieren in Stuttgart auch das lange Schweigen aus Rom, dass bisher erschwert, die Arbeit fortzusetzen. "In der Regel bekommt jeder Gläubige, der an den Heiligen Vater schreibt, eine Eingangsbestätigung. Wenn man also keine bekommt, liegt die Vermutung nahe, dass ein Politikum dahintersteckt. Deshalb habe ich bei jedem Treffen angemahnt: Wir haben geschrieben, wir haben keine Antwort bekommen", kritisiert Georg Bätzing, Vorsitzender der Bischofskonferenz.

Im Video: Rufe nach Erneuerung bei Synodalversammlung

Laien und Kirchenvertreter sitzen bei der Synodalversammlung in Stuttgart zusammen.
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Die Hoffnungen auf Reformen in der katholischen Kirche waren groß. Ist das auch gelungen? Heute war die letzte Synodalversammlung in Stuttgart.

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