Die vergangenen sieben Tage haben zu den bislang heftigsten Verwerfungen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj geführt. In rascher Folge erhöhte Trump den Druck auf Selenskyj, auf keinen Fall mehr die russischen Erdöl-Raffinerien anzugreifen – eine Forderung, die der US-Präsident seit Wochen bereits mit zunehmender Intensität an die Ukraine gestellt hatte.
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Angefangen von Trumps Aufhebung der Import-Sanktionen von russischem Dieseltreibstoff vor einer Woche, über seine Forderung, die Ukraine solle einen neuen Präsidenten wählen und Trumps Ausrufung einer "Energie-Waffenruhe", an die sich Selenskyj bis Mitte der Woche hielt und die von Moskau komplett ignoriert wurde, bis hin zur vorübergehenden Drosselung der Reichweite der Starlink-Satelliten - wobei US-Regierungskreise verlautbaren ließen, Trump habe keine Starlink-Drosselung für die Ukraine angeordnet - schaukelten sich die gegenseitigen Animositäten zwischen Washington und Kiew täglich höher.
Verbaler Rundumschlag gegen Trump
Als schließlich der ukrainische Präsident in einem Interview mit der "Financial Times" am Donnerstag – erstmals – zu einem verbalen Rundumschlag gegen Trump ausholte, beließ es Selenskyj nicht dabei, die Wiederaufnahme von Angriffen auf russische Raffinerien anzukündigen. Vielmehr warf er Trump vor, Putin zu bewundern und mit ihm Geschäftsabschlüsse anzustreben. Trump habe eine Affinität zu Autokraten und ganz reichen Leuten: "Er (Trump) spricht offen und laut darüber, dass er solche Menschen liebt, die 20, 30 oder 40 Jahre lang Führungspositionen bekleiden können, dass sie sehr stark sein können."
Welche Folgen hat Selenskyjs massive Kritik an Trump?
Es war abzusehen, dass der US-Präsident weniger als drei Wochen vor den Zwischenwahlen zum Kongress auf die harsche Kritik Selenskyjs mit einer neuen verbalen Salve reagieren würde: "Alles, was er (Selenskyj) macht, ist dafür zu sorgen, dass der weltweite Ölpreis steigt", sagte Trump dem rechtskonservativen US-Medium "Newsmax" am Donnerstag. Und Trump weiter: "Ich halte das für eine Schande."
Mit einer Mischung aus Entsetzen über die Folgen der deutlichen Worte Selenskyjs an die Adresse Trumps und Verständnis für den emotionalen Ausbruch des ukrainischen Präsidenten reagierten die EU-Staats- und Regierungschefs auf ihrem Gipfeltreffen in Brüssel. "Das mag ja richtig sein, muss aber nicht immer laut ausgesprochen werden", wie die "Financial Times" eine EU-Quelle zitiert. Selenskyj möge seinen Ton gegen Trump abmildern.
Die Abhängigkeit der Ukraine von US-Geheimdienstinformationen, etwa über das Abfeuern russischer ballistischer Raketen auf die Ukraine, sowie von Starlink-Satelliten für die Gefechtsfeldkommunikation der ukrainischen Streitkräfte ist zu groß, als dass sich Selenskyj einen Bruch mit Trump leisten könnte. "Diese Woche war ein Fehltritt (Selenskyjs)", analysiert der amerikanische Sicherheitsexperte Ian Bremmer auf "X".
Angesichts des "Drucks, unter dem er steht, und dem Wunsch Trumps, die Beziehungen zu Putin auszubauen" sei die verbale Breitseite des ukrainischen Präsidenten zwar verständlich. Aber jetzt müssten die Europäer versuchen, die Wogen zwischen Trump und Selenskyj wieder zu glätten.
Gibt es einen neuen "Starlink-Deal"?
Obgleich der Schock über die vorübergehende Drosselung der Starlink-Reichweite in dieser Woche in der Ukraine tief sitzt, suchen Selenskyj und einige US-Senatoren nach einem Ausweg, um zwei Ziele zu erreichen: Einerseits Trumps Drängen nachzugeben und die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien für einen befristeten Zeitraum einzustellen. Und andererseits von Trump die Genehmigung zu bekommen, die Reichweite der Starlink-Satelliten für die ukrainischen Streitkräfte auf 300 Kilometer des russischen Staatsgebiets auszuweiten, um die Abschussvorrichtungen der russischen Raketen zu zerstören.
Bei einem Besuch hätten die republikanischen US-Senatoren Roger Wicker und Kevin Cramer dem ukrainischen Präsidenten diesen Weg vorgeschlagen. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, würde dieser Vorschlag der Ukraine helfen, "die Abschussrampen auszuschalten, wenn von dort aus Raketen auf Männer, Frauen und Kinder in der gesamten Ukraine abgefeuert werden".
Selenskyj habe dem Vorschlag der beiden US-Senatoren zugestimmt, "im Rahmen einer solchen Vereinbarung 100 Tage lang auf Angriffe auf Energieanlagen in Russland zu verzichten". Sollte es zu einer "diskreten Vereinbarung bezüglich Starlink kommen", wäre dies zumindest ein erster Schritt, um die ins Stocken geratenen Gespräche über eine Beendigung des Angriffskriegs "wieder in Gang zu bringen".
Trump im Panikmodus: Alles für den Machterhalt? Possoch klärt!
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