(Symbolbild) Team Deutschland: Olympiasieger bei der Siegerehrung Bob Finale 4er
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(Symbolbild) Die Olympischen Winterspiele 2026 in Italien sind zu Ende gegangen – nun hat eine Diskussion über das deutsche Abschneiden begonnen.
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(Symbolbild) Die Olympischen Winterspiele 2026 in Italien sind zu Ende gegangen – nun hat eine Diskussion über das deutsche Abschneiden begonnen.

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Trainermangel? Diskussion um Sportförderung nach Olympia

Trainermangel? Diskussion um Sportförderung nach Olympia

Zum Ende der Olympischen Winterspiele hat eine Diskussion über das deutsche Abschneiden begonnen. Der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes sieht als Hauptproblem, dass es zu wenige Trainer gibt. Die Gründe und was helfen würde.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-2-Nachrichten am .

Die XXV. Olympischen Winterspiele 2026 in Italien sind zu Ende gegangen. Deutschland konnte acht Gold-, zehn Silber- und acht Bronzemedaillen erringen und so den fünften Platz im Medaillenspiegel belegen.

Der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes, Otto Fricke, bewertet die Bilanz des deutschen Teams als durchwachsen. Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk sagte Fricke, es sei keine "Katastrophe", aber auch "keine Glanzleistung". Neben finanziellem Druck, unter dem die Athletinnen und Athleten stünden, sei das Hauptproblem ein Mangel an Trainern und Trainerinnen.

Platz 5 im Medaillenspiegel – wie schafft es Deutschland aufs Treppchen?

Das bestätigt auch Lothar Linz, Direktor der Trainerakademie Köln des DOSB (Deutschen Olympischen Sportbundes). "Das ist tatsächlich ein großes Problem. Ich würde mich freuen, wenn ich sagen könnte, es betrifft nur einzelne Sportarten – aber eigentlich zieht sich das Thema sehr weitreichend durch ganz viele Sportarten", erklärt er. Man merke aber, dass das Problem eher nicht bei den unteren, sondern bei den höheren Leistungsniveaus besteht.

Warum fehlt es in Deutschland an Trainern?

Die Ursachen seien wohl vielfältig. Doch man müsste klar sagen, "dass die Arbeitsbedingungen von Trainerinnen und Trainern insgesamt nicht sehr attraktiv sind." Er nennt ein Beispiel aus dem Alltag als Fechttrainer: Man sitze am Donnerstag im Bus, fahre zehn Stunden zum Turnier. Dann sei man Freitag, Samstag, Sonntag in der Halle und fahre danach wieder zehn Stunden zurück. Rodel-Bundestrainer Patric Leitner habe beispielsweise berichtet, rund 140 Tage im Jahr unterwegs zu sein.

"Das ist doch eine Wahnsinnsbelastung für eine völlig überschaubare Bezahlung", sagt Linz. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei schwierig. "Der Trainerberuf ist ein toller Beruf, aber das sind eben die Schattenseiten", betont er.

Zu wenig Anerkennung, zu wenig Geld?

"Wir müssen den Trainerberuf gesellschaftlich deutlich mehr wertschätzen", fordert Linz. "Wenn uns Sport wichtig ist, dann müssen wir das auch deutlich sagen und entsprechend handeln." Dazu gehöre auch, über bessere Bezahlung nachzudenken.

Nordrhein-Westfalen wird als erstes größeres Bundesland einen eigenen Trainertarif einführen, in Sachsen-Anhalt zum Beispiel gibt es diesen bereits. Doch die Maßnahme reiche nicht aus, betont Holger Hasse, Präsident des Berufsverbandes der Trainerinnen und Trainer im deutschen Sport. Ein Teil des Problems sei, dass bei den sogenannten Trainertarifen die Trainerinnen und Trainer bei den Verhandlungen kein Mitspracherecht hätten, im Gegensatz zu echten Tarifverträgen, wo Gewerkschaften mit am Tisch sitzen.

Berufsverband: Gelder vom Bund kommen nicht bei Trainerinnen und Trainern an

Der Berufsverband fordere auch auf Bundesebene eine deutliche Anpassung und Steigerung der Gehälter. "Auf Länderebene gibt es deutlich mehr Initiativen als auf Bundesebene. Der Bund scheint in einer Art Tiefschlaf zu sein", kritisiert Hasse. "Es fehlt aus meiner Sicht am politischen Willen, das Thema auf Bundesebene wirklich anzupacken."

Interessant seien auch der Blick in den Bundeshaushalt und die Frage: Wo bleiben eigentlich die Gelder, die der Bund für das Leistungssportpersonal bereitstellt? Im Bundeshaushalt standen 2024 zum Beispiel 39 Millionen Euro, 2025 waren es 58,46 Millionen, 2026 sind es 57,4 Millionen. "Soweit mir bekannt, ist davon bei den Trainerinnen und Trainern bislang nichts angekommen", berichtet Hasse.

Viele Trainer kehren dem System den Rücken

Zwar streben junge Leute und Athleten aufgrund der Arbeitsbedingungen oft andere Berufe an, erklärt Hasse. Doch betrachte man die Zahlen, etwa wie viele Trainerlizenzen erworben werden, zeige sich: Es gibt durchaus Nachwuchs. Aber viele qualifizierte Trainer und Trainerinnen orientieren sich um.

Ein prominentes Beispiel: Georg Hackl aus Berchtesgarden, der 2022 von Deutschland nach Österreich ging. Vor einigen Jahren untersuchte eine Studie, die der Bund in Auftrag gegeben hatte (externer Link), derartige "Migrationen" von Trainerinnen und Trainern. Es zeigte sich: Die meisten Wechsel finden gar nicht in andere Länder statt, sondern in andere Berufe. "Viele potenziell sehr gute Trainerinnen und Trainer gehen in andere Branchen und sagen: 'Das tue ich mir nicht mehr an'", erklärt Hasse. Die Arbeitszeiten, die Verantwortung, die nicht angemessene Bezahlung – in unsicheren Arbeitsverhältnissen.

Denn auch heuer nach den Olympischen Spielen würden, erinnert Hasse, wieder Bundestrainer zum Arbeitsamt gehen müssen, weil sie nur befristete Verträge haben.

Mit Informationen von dpa

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