Das Eisenbahnnetz in der Ukraine ist am Sonntag nach Angaben seines Betreibers "systematisch" von Russland angegriffen worden. Die Angriffe hielten im ganzen Land an, teilte die ukrainische Bahngesellschaft mit. Der polnische Bahnbetreiber PKP Intercity meldete, ein Passagierzug sei auf der Strecke Kiew–Warschau von einer Drohne getroffen worden.
Russland greift Zug nahe der polnischen Grenze an
Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ereignete sich der russische Drohnenangriff auf den Zug sowie auf eine Tankstelle in der Region Wolyn – zwei Kilometer von der Grenze zum Nato-Mitgliedstaat Polen entfernt. Dabei sei die Lokomotive getroffen worden. Laut PKP Intercity waren 206 Passagiere an Bord. Nach Angaben aus Warschau und Kiew wurde niemand verletzt. Offenbar war der Zug bereits evakuiert worden, als sich der Drohnenangriff anbahnte. Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte am Morgen unter anderem Angriffe auf Objekte der Eisenbahninfrastruktur in der Westukraine. Sie würden den Transport von Militärgütern aus europäischen Ländern gewährleisten, hieß es. Russland hat in der Vergangenheit immer wieder Züge angegriffen.
Kanzlerberater auf gleicher Strecke unterwegs
Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt) war von dem Vorfall auch ein Sonderzug betroffen, in dem sich einer der engsten Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) befand. Laut dem "Spiegel" musste wegen des Angriffs ein privat gecharterter Sonderzug teilweise evakuiert werden. An Bord dieses Zuges waren demnach einer der engsten Berater des Kanzlers, der außen- und sicherheitspolitische Berater im Kanzleramt, Günter Sautter, und der ehemalige britische Premier Boris Johnson, die in Kiew gewesen waren.
Grünen-Politiker teilt Video von Drohnenangriff
Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Robin Wagener, der laut "Spiegel" ebenfalls mit dem gecharterten Zug reiste, schrieb im Onlinedienst X, Russland eskaliere immer weiter und zündele. Er teilte ein Video von dem Drohnenangriff auf den Zug Kiew–Warschau und erklärte: "Heute Morgen bin ich mit dem Zug auf der gleichen Strecke gefahren, auf der dieser Angriff war." Manchmal entscheide der Zufall, "ob man sicher durchkommt". "Russland sei "eine immense Gefahr für die Sicherheit Europas. Das haben zu viele bei uns noch nicht realisiert", schrieb Wagener weiter.
Polens Regierungschef Tusk beruft Krisenstab ein
Die polnische Regierung warf Moskau eine Verschärfung des Konflikts vor. "Putin eskaliert", schrieb Außenminister Radoslaw Sikorski auf X. Regierungschef Donald Tusk rief für den Nachmittag einen Krisenstab zusammen. Auch westliche Politiker sind bei ihren Reisen nach Kiew auf die Bahnverbindung von Polen in die Ukraine angewiesen – der Luftraum über dem Land ist gesperrt.
Nach Angaben von Polens Verteidigungsminister Radoslaw Kosiniak-Kamysz schlug im Westen der Ukraine außerdem eine Drohne einen Kilometer von Polens Grenze entfernt ein, eine weitere mit einem Abstand von fünf Kilometern. Polnische Kampfjets vom Typ F-16 sowie ein Aufklärungsflugzeug hätten die Situation kontrolliert. Der Luftraum über Polen wurde demnach nicht verletzt.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha forderte härtere Konsequenzen für Moskau. Russische Angriffe an der polnisch-ukrainischen Grenze seien nicht einfach eine Fortführung der Attacken auf die ukrainischen Staatsgrenzen, schrieb er auf der Plattform X. "Das ist Putins Terror, der direkt an die Türen der EU und der Nato 'klopft'."
Auch in der Ostukraine gingen die russischen Angriffe am Wochenende weiter. Bei mehreren Attacken auf die Stadt Kramatorsk wurden nach ukrainischen Angaben mindestens zwei Menschen getötet. Weitere zehn Bewohner seien verletzt worden, teilte die regionale Staatsanwaltschaft mit. Der erste Angriff habe einem Kleinwagen gegolten, später sei die Stadt von vier Fliegerbomben getroffen worden.
Mit Informationen von dpa, AFP, Reuters
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