Der Iran und die USA haben sich kurz vor Ablauf eines Ultimatums von US-Präsident Donald Trump auf eine zweiwöchige Waffenruhe und die Öffnung der Straße von Hormus geeinigt. Am Freitag sollen in Pakistans Hauptstadt Islamabad Verhandlungen beginnen. Israel unterstützt die Aussetzung von Angriffen auf den Iran – Ministerpräsident Netanjahu nahm den Konflikt mit der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah aber davon aus.
Einigung kurz vor Ablauf des Ultimatums
Trump hatte mit heftigen Angriffen auf Irans Energiesektor gedroht, sollte es nicht bis Mittwoch um 2.00 Uhr deutscher Zeit zu einer Einigung und der Öffnung der Straße von Hormus kommen. Der US-Präsident hatte von der Auslöschung "einer ganzen Zivilisation" gesprochen und damit für Entsetzen gesorgt.
Kurz vor Ablauf der Frist verkündeten beide Seiten die Einigung auf die Feuerpause. Trump bezeichnete die Einigung als einen totalen und vollständigen Sieg für Washington. "100 Prozent, daran besteht kein Zweifel", sagte er am Dienstag (Ortszeit) in einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur AFP. Teheran erklärte sich im Gegenzug bereit, die Straße von Hormus vorerst wieder zu öffnen und Öltankern "sichere Durchfahrt" zu gewähren, wie Außenminister Abbas Araghtschi mitteilte.
Dem Vermittler Pakistan zufolge greift die Waffenruhe mit sofortiger Wirkung. Premierminister Sharif lud Delegationen der USA und des Irans für weitere Gespräche am Freitag in die Hauptstadt Islamabad ein, wo sie über ein endgültiges Abkommen zur Beilegung des Konflikts verhandeln sollen.
10-Punkte-Plan als Verhandlungsgrundlage
Der vom Iran vorgelegte Zehn-Punkte-Plan zur Beendigung des Krieges ist laut US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt die Grundlage für die anstehenden Verhandlungen. Offiziell hat Irans Regierung ihre darin aufgeführten Forderungen bislang nicht öffentlich gemacht.
Laut der Nachrichtenagentur Tasnim umfasst er ein Kriegsende an allen Fronten, die Kontrolle über die Straße von Hormus und das Recht, Uran anreichern zu dürfen. Internationale Sanktionen und Strafmaßnahmen des UN-Sicherheitsrats sollen aufgehoben werden und es würden Kriegsentschädigungen und ein Abzug der US-Streitkräfte aus der Region gefordert. Die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Fars berichtet darüber hinaus, dass sich der Iran verpflichten werde, niemals Atomwaffen herzustellen.
Israel: Iran darf keine Bedrohung mehr darstellen
Israel unterstütze Trumps Entscheidung, sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Die zweiwöchige Waffenruhe gelte aber nicht für den Libanon, erklärte er laut einer Mitteilung seines Büros und widersprach damit Pakistans Premier Sharif.
Israel stehe auch hinter den Bemühungen der USA, sicherzustellen, dass der Iran keine Atom-, Raketen- und Terrorbedrohung mehr für Amerika, Israel, die arabischen Nachbarn des Irans und die Welt darstellt, erklärte Netanjahu. Die USA hätten Israel mitgeteilt, dass sie sich in den anstehenden Verhandlungen für die Erreichung dieser gemeinsamen Ziele einsetzen werden, erklärte er.
UN-Generalsekretär Guterres: Bedingungen der Waffenruhe einhalten
UN-Generalsekretär António Guterres hat die zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg begrüßt. Sein Sprecher Stephane Dujarric sagte laut einer Mitteilung in der Nacht zum Mittwoch, Guterres rufe alle Parteien auf, sich an die Bedingungen der Waffenruhe zu halten, "um den Weg zu einem dauerhaften und umfassenden Frieden in der Region zu ebnen".
Der UN-Generalsekretär fordere die Konfliktparteien zudem auf, ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen nachzukommen. Dazu gehören der Schutz von Zivilisten und ziviler Infrastruktur.
Ölpreise an den Börsen eingebrochen
Finanzmärkte reagierten mit Erleichterung auf die Waffenruhe. Die Hoffnung auf eine Wiederaufnahme der Öl- und Gaslieferungen durch die Straße von Hormus ließ die Ölpreise einbrechen und beflügelte die Aktienmärkte. Ob und wie schnell sich das an den Zapfsäulen bei uns bemerkbar macht, ist aber noch unklar.
Nach Angaben des Weltverbands der Fluggesellschaften IATA werde es Monate dauern, bis die Versorgung mit Kerosin sich erholt. Er rechne zwar mit einem Rückgang der Rohölpreise, sagt IATA-Chef Willie Walsh in Singapur. Die Kosten für Flugbenzin blieben wegen der Auswirkungen auf die Raffinerien aber wahrscheinlich auf einem leicht erhöhten Niveau. Das treffe nicht nur auf Kerosin, sondern auch auf andere Produkte zu.
Mit Informationen von dpa, AFP, AP und Reuters
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