Der Verlauf der ersten Stunden der amerikanischen und israelischen Militärschläge gegen die iranische Führungsspitze und zahlreiche Stützpunkte von Armee und Revolutionsgarden sowie die massiven Gegenschläge des Iran lässt erkennen: Es könnte sich um den Beginn eines der folgenreichsten Kriege im Nahen und Mittleren Osten handeln.
Aufruf zum Sturz der Regierung
Niemals zuvor seit ihrer Machtübernahme vor 47 Jahren sieht sich das Regime in seiner unmittelbaren Existenz und Herrschaftsausübung so sehr bedroht wie jetzt. Denn US-Präsident Donald Trump kündigte noch in der Nacht an, dass die "massive und andauernde" Kampagne nicht allein auf das iranische Nuklearprogramm abzielen würde, das die USA im Juni vergangenen Jahres bombardiert hatte. Stattdessen würden die Vereinigten Staaten die iranische "Raketenindustrie dem Erdboden gleichmachen" und die iranische Marine "vernichten".
Der entscheidende Satz des US-Präsidenten lautete allerdings: Die Angriffe gäben der iranischen Bevölkerung die Gelegenheit, nach Einstellung der Bombardierungen das Regime zu stürzen. "Es liegt an Ihnen, die Macht zu übernehmen", sagte Trump in seiner Videobotschaft. Dies werde "wahrscheinlich Ihre einzige Chance seit Generationen sein". Unmissverständlich fügte Trump hinzu: "Wenn wir fertig sind, übernehmen Sie die Regierung. Sie wird Ihnen gehören."
Schwäche des Regimes als Angriffsgrund
Die offenkundige Schwächung der iranischen Führung, bewirkt durch die skrupellose Niederschlagung der Massenproteste im Januar sowie durch die weitgehende Ausschaltung des iranischen Einflusses im Libanon, in Syrien, Jemen und dem Gazastreifen durch Israels Streitkräfte, dürfte für den US-Präsidenten und für Israels Premierminister Benjamin Netanjahu signalisiert haben: Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, um das iranische Herrschaftsregime durch anhaltende und massive Luftangriffe zum Einsturz bringen zu können.
Zwischen der Bombardierung der iranischen Atomanlagen im Juni 2025, die nach Worten des US-Präsidenten "vollkommen zerstört" worden waren, und den heutigen Angriffen lagen nicht mehr als acht Monate. Bei der Abschätzung der Risiken, die ein militärischer und politischer Frontalangriff auf das iranische Regime auslösen könnte, habe der amerikanische Generalstabschef Dan Caine vor den Folgen gewarnt: Wie das "Wall Street Journal" und das Nachrichtenportal "Axios" vor wenigen Tagen berichteten, hätten Caine und weitere Pentagon-Offizielle auf die Gefahr von erheblichen Verlusten bei den US-Streitkräften und denen der Verbündeten hingewiesen. Amerika könnte in einen "langwierigen Konflikt" hineingezogen werden. Zudem sei nicht auszuschließen, dass die Bestände der amerikanischen Luftabwehr bei einem längeren Angriff auf den Iran zur Neige gehen könnten.
Iranische Gegenangriffe auf Israel und US-Stützpunkte
Im Gegensatz zu den militärischen Reaktionen des Iran auf die US-Bombardierungen der Atomanlagen im vergangenen Sommer – damals verständigte Teheran die amerikanische Seite vorab vom einzigen Angriff auf den US-Stützpunkt in Katar – sind jetzt die iranischen Gegenangriffe weitaus massiver. Alle amerikanischen Stützpunkte in der Region seien "legitime Ziele", erklärten die iranischen Revolutionsgarden. Die Angriffe auf Israel und die US-Einrichtungen würden fortgesetzt werden bis "die Feinde besiegt" worden seien.
Bis zu den Mittagsstunden habe der Iran mehr als 30 Raketen auf Israel abgefeuert, meldeten israelische Medien unter Berufung auf Militärkreise. Iranische Angriffe auf den Marinestützpunkt der 5. US-Flotte in Bahrain, auf amerikanische Stützpunkte in Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuweit lassen erkennen, dass es für die iranische Führung dieses Mal um ihr schieres politisches und militärische Überleben geht. Die Gefahr eines verhängnisvollen Flächenbrands mit bislang nicht abschätzbaren Folgen wächst.
Im Video: USA und Israel greifen Iran an
Im Video: USA und Israel greifen Iran an
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