Am Küchentisch besprechen Jemima und ihre Mutter das Unterrichtsmaterial.
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Die AfD fordert Heimunterricht nach dem Vorbild Österreichs: Jemima und ihre Mutter besprechen Unterrichtsmaterial in ihrer Küche.
Bildrechte: Bayerischer Rundfunk 2026
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Die AfD fordert Heimunterricht nach dem Vorbild Österreichs: Jemima und ihre Mutter besprechen Unterrichtsmaterial in ihrer Küche.

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Vorbild Österreich: AfD fordert Heimunterricht

Vorbild Österreich: AfD fordert Heimunterricht

Statt im Klassenzimmer hat Jemima das ganze Jahr im Wohnzimmer gelernt. Nach dem Willen der AfD soll so etwas künftig auch in Sachsen-Anhalt möglich sein – nach österreichischem Vorbild. Wie funktioniert dort der "häusliche Unterricht"?

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

Die Mama streicht Jemima aufmunternd über den Rücken. Gleich muss die 14-Jährige zur staatlichen Externistenprüfung. Der jährliche Test für Kinder in Österreich, die zuhause unterrichtet werden. Der komplette Jahresstoff wird geprüft, immer vor den Sommerferien. Etwa jeder fünfte Prüfling fällt durch oder tritt erst gar nicht an.

"Ich stehe meistens um sechs Uhr auf. Dann mache ich Sport oder ich lese in der Bibel. Dann machen wir als Familie Frühstück. Und dann kommt eigentlich ein ganz normaler Schultag", sagt Jemima. Sich selbst organisieren, in ihrem Tempo lernen – das gefällt ihr am häuslichen Unterricht. Zudem ermöglicht der Heimunterricht, flexibel zu verreisen. Ein Grund, warum die Familie von Deutschland nach Österreich gezogen ist, wo Heimunterricht erlaubt ist.

Heimunterricht in vielen Ländern grundsätzlich möglich

Das Unterrichtsmaterial muss die Familie allerdings selbst besorgen. Auf Messenger-Diensten tauschen sich Familien, die sich für den häuslichen Unterricht entschieden haben, darüber aus. "Das ist ja in England, in den USA das Normalste der Welt", sagt Jemimas Mutter. "Da ist Deutschland vielleicht ein bisschen ein Nachzügler."

Tatsächlich ist häuslicher Unterricht in vielen Ländern grundsätzlich möglich, anders als in Deutschland. Und für manche Kinder würde dieses Modell durchaus Sinn machen, glauben Bildungsforscherinnen wie Barbara Schulte von der Universität Wien – etwa für Mobbingopfer. Oder bei schwerem ADHS oder Autismus.

Bildungsforscherin sieht Heimunterricht kritisch

Darüber hinaus sieht sie Heimunterricht aber eher kritisch: "Wir wissen ja, Kinder können sich eigentlich nur in Gemeinschaft entwickeln. Wir sind soziale Wesen als Menschen und all diese Dinge würden ihnen ja dann weggenommen, zum Beispiel mit wem sie befreundet sein wollen. Und das ist auch eine Erfahrung, die wichtig ist in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen."

Jemima sagt, dass ihr Klassenkameraden nicht fehlen würden: "Weil ich mich ja auch in meiner Freizeit mit anderen treffen kann. Ich gehe auch in den Chor und zum Reiten, also habe ich einen sozialen Ausgleich."

Rund 4.000 Kinder im häuslichen Unterricht

In Österreich wurden zuletzt rund 4.000 Kinder für den häuslichen Unterricht angemeldet. Wer durchfällt, muss das Jahr wiederholen. Im Einzelfall kann der häusliche Unterricht sogar untersagt werden. Wie oft dies zuletzt der Fall war, kann das Bildungsministerium jedoch nicht sagen. Dazu gebe es keine Zahlen.

Heute würden sich Familien vor allem aus pragmatischen Gründen für den häuslichen Unterricht entscheiden, sagt Forscherin Schulte, etwa weil sich der häusliche Unterricht besser mit dem Beruf der Eltern vereinbaren lasse. Oder wegen spezieller Bedürfnisse der Kinder, beispielsweise bei Diagnosen wie ADHS.

Wissenschaftsfeindlichkeit als Beweggrund

In letzter Zeit hätten sich die Beweggründe jedoch teilweise verschoben, sagt Forscherin Schulte. "Was stärker geworden ist in der letzten Zeit, sind vor allem Bewegungen gegen die Schule als Institution. Wissenschaftsfeindlichkeit ist da etwas, was da, glaube ich, ganz wichtig ist."

Auch Sexualkunde, religiöse Gründe oder der Vorwurf, dass in Schulen "Gender-Ideologie" verbreitet würde, seien Beweggründe, um Kinder zuhause beschulen zu wollen. "So die Vorstellung, dass da Dinge unterrichtet werden, mit denen die Kinder nichts zu tun haben sollen." Vorbehalte, die von rechtspopulistischen Parteien wie der FPÖ "dankbar aufgegriffen" würden, sagt Schulte weiter.

Jemima besteht alle Prüfungen

Nichts von alldem sei bei ihnen der Fall, betont Jemimas Mutter. Ihre Familie wolle sich aus politischen Debatten heraushalten. Am häuslichen Unterricht wollen sie jedoch festhalten. Jemima hat alle Prüfungen der Externistenprüfung bestanden.

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