Demonstration gegen den Iran-Krieg in Washington am 7.4.26 (Symbolbild)
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Waffenruhe im Iran-Krieg: Eine Atempause – mehr nicht

Waffenruhe im Iran-Krieg: Eine Atempause – mehr nicht

Kurz vor Ablauf seines schon mehrfach verschobenen Ultimatums hat US-Präsident Trump eine zweiwöchige Feuerpause im Iran-Krieg angekündigt. Doch viele Details bleiben offen. Entscheidende Verhandlungen stehen noch bevor. Eine Analyse.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Donald Trump selbst feiert die Ankündigung der "beidseitigen Waffenruhe" bereits als großen Sieg. Und macht auf seiner Plattform Truth Social deutlich, worum es ihm persönlich geht: "Es wird viel Geld verdient werden", so Trump mit Blick auf die erhoffte Öffnung der Straße von Hormus für Öltanker.

Mit Ausrufezeichen fügt der US-Präsident an: "Ein großer Tag für den Weltfrieden!" Der Iran könne jetzt mit dem Wiederaufbauprozess beginnen, schreibt Trump. Die USA würden vor Ort bleiben, um sicherzustellen, "dass alles gut geht".

"Keine grundlegende Frage ist gelöst"

Die New York Times bleibt in einer ersten Analyse skeptisch. "Zweifellos war es ein taktischer Sieg in letzter Minute, der zumindest vorübergehend den Öl-, Düngemittel- und Heliumtransport durch die Straße von Hormus wieder in Gang bringen und die Märkte beruhigen dürfte", schreibt die Trump-kritische Zeitung.

"Doch keine der grundlegenden Fragen, die zum Krieg geführt hatten, wurde dadurch gelöst", heißt es weiter. Eine "eingeschüchterte Bevölkerung" im Iran stehe weiter "unter der Knute eines bekannten Regimes", wenn auch unter neuer Führung. Irans Atomwaffen-Arsenal bleibe ebenfalls bestehen, einschließlich der vermuteten mehr als 400 Kilogramm "nahezu waffenfähigen Materials", so die New York Times.

Selbst der Trump-freundliche TV-Sender Fox News bleibt in seinen Formulierungen vorsichtig. Donald Trump habe nach Gesprächen mit dem pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif angekündigt, die Bombardierungen und Angriffe auf den Iran um zwei Wochen "zu verschieben", hieß es vergangene Nacht auf der Website des Senders.

Iran-Krieg: Pakistan lädt zu Verhandlungen ein

Was die verkündete Waffenruhe genau beinhaltet, welche Bedingungen beide Seiten stellen – und ob die Feuerpause Grundlage einer dauerhaften Einigung sein kann: Das alles muss offenbar noch verhandelt werden. Pakistan hat für kommenden Freitag zu Gesprächen eingeladen. Sollte die iranische Seite bei ihren bisher formulierten Maximalforderungen bleiben – Abzug aller US-Truppen aus der Golf-Region, Reparationszahlungen für entstandene Schäden, keine Einschränkung des Atomprogramms – erscheint eine dauerhafte Einigung äußerst schwierig.

Wie kompliziert die Lage in der gesamten Kriegsregion ist, machte auch der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu umgehend deutlich. Er unterstütze die Feuerpause zwischen den USA und dem Iran, diese umfasse jedoch "nicht den Libanon", heißt es in einer schriftlichen Erklärung.

Trump steht innenpolitisch unter Druck

Viele US-Experten verweisen darauf, dass Donald Trump aus innenpolitischen Gründen so schnell wie möglich ein Ende des Iran-Kriegs erreichen will. Der Krieg ist in der amerikanischen Bevölkerung unbeliebt, auch in den USA ist der Benzinpreis deutlich gestiegen, Anfang November stehen die Kongress-Zwischenwahlen an. Doch Trump stehe weiter vor der Herausforderung, "zu beweisen, dass dieser Konflikt es überhaupt wert war, ausgetragen zu werden", betont die New York Times.

Trump ist nur "von Ja-Sagern umgeben"

Die deutsch-amerikanische Politikwissenschaftlerin Cathryn Clüver Ashbrook betonte im ARD-Interview, Trump habe nach wie vor keinen realistischen Blick auf den Iran und sei im Weißen Haus "nur noch von Ja-Sagern umgeben".

Generäle und Iran-Kenner, die noch bis vor Kurzem im Nationalen Sicherheitsrat gesessen hätten, seien "alle vor die Tür gesetzt" worden, so Clüver Ashbrook, die an der Universität Harvard forscht und die Bertelsmann Stiftung berät. Personen, die gegenläufige Meinungen zu der des Präsidenten vertreten, seien systematisch "stummgeschaltet" worden. Umgekehrt würden nur noch Loyalisten an den Präsidenten herangelassen. "Das zeugt auch wieder davon, dass der autokratische Umbau in den USA viel schneller fortgeschritten ist, als wir es vielleicht bislang in dieser Klarheit haben sehen wollen."

Erst einmal geht es nur um eine Atempause

Auch wenn Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) die Ankündigung der zweiwöchigen Waffenruhe als "frohe Botschaft" begrüßt, die Börsenkurse nach oben gehen und der Ölpreis vorerst sinkt – unter dem Strich handelt es sich zunächst um eine Atempause – mehr nicht.

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