Nach der Ankündigung einer zweiwöchigen Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran blickt die Welt nach Islamabad. In der pakistanischen Hauptstadt werden in den kommenden Tagen Gespräche zwischen den beiden Kriegsparteien über eine mögliche Friedenslösung erwartet.
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Doch schon vor dem Beginn der Verhandlungen deutet sich an, dass das kein Selbstläufer wird. Israelische Angriffe im Libanon werfen die Frage auf, ob die vorläufige Waffenruhe halten wird, die überhaupt erst den Raum für die Suche nach einer langfristigen Lösung des Konflikts geöffnet hat.
Heftige israelische Angriffe auf den Libanon: Mehr als 200 Tote
Libanons Hauptstadt Beirut wurde am Tag der Waffenruhe-Einigung zwischen den USA und dem Iran von den heftigsten israelischen Angriffen seit dem Kriegseintritt der pro-iranischen Hisbollah erschüttert. Das libanesische Gesundheitsministerium meldete am Donnerstag mindestens 203 Tote und mehr als 1.000 Verletzte. Libanons Regierungschef Nawaf Salam erklärte den Donnerstag nach den Angriffen zum nationalen Trauertag.
Laut US-Präsident Donald Trump erstreckt sich die mit Teheran ausgehandelte Feuerpause nicht auf den Libanon. International wurden die Angriffe scharf verurteilt, die Hisbollah feuerte derweil erneut Raketen auf Israel.
Karte: Aktuelle militärische Lage im Nahen Osten
Ist Iran am Verhandlungstisch? Botschafter stiftet Verwirrung
Im Vorfeld der Verhandlungen in Islamabad löschte der iranische Botschafter in Pakistan, Resa Amiri Moghadam, nach wenigen Stunden einen Beitrag auf X, in dem er die Ankunft eines iranischen Verhandlungsteams in Islamabad am Donnerstagabend angekündigt hatte. Einen Kommentar, warum er das tat, lieferte er zunächst nicht.
In seinem ursprünglichen Beitrag hatte Moghadam nicht offengelegt, wer der iranischen Delegation angehören sollte. Er hatte jedoch angekündigt, es werde um ernste Gespräche über zehn vom Iran vorgeschlagene Punkte gehen. Dazu gehören die weitere Anreicherung von Uran, die Beibehaltung der Kontrolle über die Straße von Hormus und weitere Aspekte, die US-Präsident Donald Trump in der Vergangenheit ausgeschlossen hat.
Moghadam schrieb weiter, die iranische Delegation komme trotz der Skepsis in der iranischen Öffentlichkeit wegen wiederholter Verstöße gegen die Waffenruhe durch Israel, mit denen das Land die diplomatische Initiative sabotieren wolle. Das Weiße Haus bestätigte derweil, dass die US-Delegation von Vizepräsident JD Vance angeführt werden soll.
Iran fordert Gebühren für Durchfahrt durch Straße von Hormus
Mit Blick auf die anstehenden Verhandlungen mit den USA im Rahmen der vereinbarten Waffenruhe schlug Teheran vor, für eine sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus Gebühren für Schiffe zu erheben. Laut eines Berichts der "New York Times" soll Iran eine Gebühr von rund zwei Millionen Dollar (rund 1,7 Millionen Euro) pro Schiff erheben wollen. Die Einnahmen würden demnach mit Oman geteilt, das an die Wasserstraße angrenzt.
Mehrere Staats- und Regierungschefs drängen dagegen auf ein Ende der Blockade der Straße von Hormus. Die Bundesregierung forderte eine gebührenfreie Passage durch die Meerenge. Sie sei nicht nur iranisches Seegebiet, sondern es gelte das UN-Seerechtsübereinkommen, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. "Und deswegen ist es erforderlich, dass bei der Wiederaufnahme ein freier, sicherer und auch gebührenfreier Seeschiffsverkehr sichergestellt wird", sagte er.
Teherans Forderungen: "Völlig inakzeptabel"
Auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni drängte auf die uneingeschränkte Wiederherstellung der freien Schifffahrt in der Straße von Hormus. Einschränkungen dürften nicht akzeptiert werden, sagte Meloni im italienischen Parlament. "Denn sollte der Iran die Möglichkeit erhalten, zusätzliche Zölle auf den Transit durch die Meerenge zu erheben, könnte dies weiterhin zu unabsehbaren wirtschaftlichen Folgen führen".
Auch der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis lehnte Teherans Forderung entschieden ab. "Ich glaube nicht, dass die internationale Gemeinschaft bereit wäre zu akzeptieren, dass der Iran für jedes Schiff, das die Straße von Hormus durchquert, eine Mautstelle einrichtet", sagte er dem US-Fernsehsender CNN. "Das erscheint mir völlig inakzeptabel."
"Das ist nicht akzeptabel", sagte auch Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot zu einer möglichen Gebühr für die Durchfahrt durch die Meeresenge. "Denn die freie Schifffahrt in internationalen Gewässern ist ein Gemeingut, ein Gemeingut der Menschheit, das nicht von irgendeiner Behinderung oder einem Durchfahrtszoll gestört werden darf."
Mit Informationen von AP, AFP und dpa
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