Fotomontage: der damalige Kronprinz und heutige Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Mohammed bin Sajid (l), und Benjamin Netanjahu, Ministerpräsident von Israel.
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War Ministerpräsident Netanjahu vor dem Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 gewarnt? Hat er die Warnung ignoriert? Er dementiert solche Berichte.
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War Ministerpräsident Netanjahu vor dem Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 gewarnt? Hat er die Warnung ignoriert? Er dementiert solche Berichte.

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Warnung vor Hamas-Überfall ignoriert? Netanjahu dementiert

Warnung vor Hamas-Überfall ignoriert? Netanjahu dementiert

Der Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 hat einen jahrelangen Krieg eingeleitet. War Ministerpräsident Netanjahu vorher gewarnt? Und hat er die Warnung ignoriert? Er selbst weist entsprechende Berichte zurück. In Israel wird heiß diskutiert.

Über dieses Thema berichtet: 11KM - der tagesschau Podcast am .

Israels Ministerpräsident soll Tage vor dem Hamas-Überfall vom Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate persönlich gewarnt worden sein – aber keine Konsequenzen daraus gezogen haben. Netanyahus Büro hat das umgehend bestritten. Die Angelegenheit könnte den laufenden Wahlkampf beeinflussen.

Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate persönlich soll Netanyahu gewarnt haben

"Netanyahu erhielt wenige Tage vor dem 7. Oktober eine ausdrückliche Warnung, und er hat Israels Sicherheitschefs nicht informiert": so titelte die linksliberale Tageszeitung "Haaretz" am Morgen. Am Abend berichtete auch die moderatere "Times of Israel", dass der damalige Kronprinz und heutige Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate Netanjahu nur Tage vor dem Hamas-Massaker telefonisch vor einem großangelegten Angriff der Terrororganisation auf Israel gewarnt haben. Die "Times" beruft sich dabei auf eine nicht näher beschriebene Quelle aus den Emiraten.

Laut Haaretz telefonierte der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Zayed al-Nahjan, Ende September 2023 eine Dreiviertelstunde lang mit Israels Premierminister Benjamin Netanyahu. Er habe Netanyahu in dem Gespräch eindringlich vor einem bevorstehenden Großangriff der Hamas gewarnt nur anderthalb Wochen vor dem 7. Oktober 2023, also vor dem Tag, an dem die Hamas Israel überfiel, fast 1.200 Menschen tötete und rund 250 als Geiseln nahm. "Haaretz" zufolge wurden drei hochrangige ausländische Regierungsvertreter über den Inhalt des Telefonats zwischen Netanjahu und Mohammed informiert. Als Quelle wird ein Berater des emiratischen Präsidenten genannt, der mit dem Gespräch vertraut gewesen sei. 

Immer wieder Gespräche über spezielles Telefon

Gespräche zwischen Netanyahu und bin Zayed hätten immer wieder stattgefunden, heißt es in dem Bericht. Für sie sei ein spezielles Telefon verwendet worden, das ein Vertreter der emiratischen Botschaft eigens dafür in Netanyahus Büro brachte. Präsident Al-Nahjan habe Netanjahu immer wieder gedrängt, seine Warnung ernst zu nehmen. Al-Nahjan habe auch die Sorge geäußert, dass das bevorstehende Ereignis zu einem Blutvergießen führen würde, die gesamte Region destabilisieren und die sogenannten Abraham-Abkommen Israels mit mehreren arabischen Staaten untergraben könnte.

Die Information stammte laut "Haaretz" vom später von Israel getöteten Hamas-Chef Jahja Sinwar. Der habe einen früheren palästinensischen Regierungsvertreter davon informiert, dass seine Organisation eine "schreckenerregende Operation" vorbereite. Er beschrieb den bevorstehenden Angriff demnach als "Erdbeben". Der frühere palästinensische Offizielle habe die Informationen dann an den Staatschef der Emirate weitergegeben, schrieb "Haaretz".

Doch Israels Ministerpräsident habe, so schildert es der Zeitungsbericht, relativ gelassen reagiert und und versichert, Israel sei "auf jegliches Szenario vorbereitet". Die Sicherheitschefs des Landes habe er nicht informiert. Er habe angenommen, Gefahr drohe eher aus dem besetzten Westjordanland als aus dem Gaza-Streifen.

Netanyahus Büro dementiert

Die Emirate erklärten, sie wollten sich nicht zu Medienberichten und Spekulationen über Gespräche zwischen Regierungschefs äußern. Ministerpräsident Netanyahu ließ die Zeitungsberichte umgehend dementieren: Zunächst sprach Netanyahus Büro von einer "absoluten Lüge" und dementierte, dass Netanjahu im genannten Zeitraum überhaupt mit dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, al-Nahjan, gesprochen habe. Am Abend präzisierte es: "Die Presseberichte sind falsch". Der Ministerpräsident habe keine Warnung von den Vereinigten Arabischen Emiraten erhalten. Es sei aber möglich, dass die beiden Länder auf Geheimdienstkanälen Nachrichten ausgetauscht hätten.

Opposition fordert Aufklärung

Israels Opposition forderte "eine sofortige und gründliche Untersuchung" angesichts der "schockierenden Enthüllung". In seltener Einmütigkeit haben die Vorsitzenden der vier wichtigsten Parteien eine gemeinsame Erklärung verfasst. Die israelische Öffentlichkeit habe ein Recht zu erfahren, was am 7. Oktober geschehen ist, heißt es darin. Und sollten sie gewählt werden, dann würden sie unverzüglich eine staatliche Untersuchungskommission einsetzen. Die gibt es fast drei Jahre nach dem Massaker vom 7. Oktober nicht. Laut Umfragen können bisher weder das Lager Netanjahus noch das seiner Gegner auf eine Mehrheit zählen.

Mit Material von dpa und afp

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