Die Lage für die Schokoladenhersteller war zuletzt ernst. Weil die Preise so stark angehoben wurden, sahen sich viele Kunden genötigt, auf andere Süßigkeiten umzusteigen. Deshalb stieg unter anderem der Konsum von Gummibärchen an, während der von Schokolade sank. Laut einer im Februar durchgeführten YouGov-Umfrage kauft jeder Zweite (52 Prozent) deutlich oder etwas weniger Schokolade als vor zwei Jahren, 39 Prozent etwa gleich viel, 5 Prozent mehr.
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Der Umsatz geht zurück
Was Haribo & Co. freut, hat für die Schokoladenhersteller spürbare Folgen: Nach Angaben des Marktforschers NIQ sank die Zahl der verkauften Packungen bei Schokoladenwaren 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent, bei Weihnachtsschokolade sogar um 12 Prozent. Knapp drei Viertel der Ware wurde im Sonderangebot gekauft – mehr als im vorherigen Weihnachtsgeschäft.
Auch im Ostergeschäft wurden Schoko-Osterhasen zuletzt auffallend oft in Aktionen und deutlich unter dem Normalpreis angeboten. Trotz der gesunkenen Rohstoffpreise wurden die Preise der Produkte von Marken wie Lindt, Milka, Kinder und Ferrero erneut erhöht. Die Osterhasen aus Schokolade kosteten bis zu 29 Prozent mehr als vor Ostern 2025. Bereits im Vorjahr waren sie teurer geworden.
Hersteller müssen reagieren
Bei den Herstellern reagiert man jetzt auf die Zurückhaltung der Kunden. Nachdem bereits Eigenmarken von Discountern und Supermärkten die Preise für Schokolade gesenkt hatten, ziehen nun auch die Markenhersteller nach. Der Schweizer Schokoladenkonzern Lindt & Sprüngli senkt die Preise einzelner Produkte, wie das Unternehmen auf Nachfrage der dpa bestätigte.
Die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) für 100-Gramm-Tafeln der Produktlinie Classics wurde demnach von 2,69 auf 2,19 Euro reduziert. Dazu zählen Sorten wie Vollmilch und Haselnuss. Der 200-Gramm-Weihnachtsmann soll von 8,99 auf 7,99 Euro herabgesetzt werden. Auch einige Produkte des Süßwarenherstellers Bahlsen, etwa Schokoladenkekse, sind jüngst günstiger geworden.
Verbraucherzentrale: "Wir haben darauf gewartet"
Bei der Verbraucherzentrale Bayern hätte man die Preissenkung gerne früher gesehen. "Wir haben darauf gewartet", so Daniela Krehl, stellvertretende Referatsleiterin für Lebensmittel und Ernährung. Es habe bereits 2025 einen Preisverfall für den Rohstoff Kakao gegeben, der aber bisher noch nicht an die Kunden weitergegeben worden sei.
Das habe mit guten Kakaoernten in vielen Anbauländern zu tun. "Wir haben also ein großes Kakao-Angebot, aber eine geringere Nachfrage bei den Kunden durch die höheren Preise", sagt Krehl. Das habe nun den Druck auf die Hersteller erhöht, die Preise zu senken.
Perspektivisch wird Schokolade wieder teurer
Was für die Kunden erst einmal eine gute Nachricht ist, bereitet Daniela Krehl auch Sorgen. "Ich glaube, die niedrigen Kakaopreise werden auf dem Rücken der Bauern in den Anbauländern ausgetragen." Für sie seien Schwankungen der Weltmarktpreise ein großes Problem. Und die Bauern werden es auch in Zukunft nicht leichter haben. "Der Klimawandel macht den Anbau immer unberechenbarer und damit auch Missernten wahrscheinlicher."
Aber auch der Krieg gegen den Iran und die gestiegenen Ölpreise könnten die Schokolade mittelfristig wieder teurer machen. "Der Kakao muss nach Europa transportiert und dort geröstet werden. Das passiert wahrscheinlich mit fossilen Energieträgern, die teurer geworden sind", so Krehl. Im Weihnachtsgeschäft wird die Schokolade aber erst einmal wieder günstiger sein.
Mit Informationen von dpa
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