Szene mit ICE und Migrantinnen (Archivbild)
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In den USA machte die Einwanderungsbehörde ICE u. a. wegen Deportationen von Migranten Schlagzeilen (Archivbild).
Bildrechte: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Tom Hudson
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In den USA machte die Einwanderungsbehörde ICE u. a. wegen Deportationen von Migranten Schlagzeilen (Archivbild).

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Was über Faschismus gedacht wird – und was Faschismus ist

Was über Faschismus gedacht wird – und was Faschismus ist

Zum Faschismus fällt fast jedem etwas ein. Aber oft steckt das, was man damit verbindet, in einer bunten Kiste mit Vorstellungen, aus der man sich bei Bedarf bedient. Wir haben einen Experten gebeten, aufzuräumen und zu sortieren.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Tiktok am .

💬 "Dein Argument" greift Euren Input auf: Kommentare aus der BR24-Community sind Anlass für diesen Beitrag. 💬

BR24-User "Juergen_1968" hat kürzlich mit Blick auf die USA kommentiert: "(...) Menschen nur aufgrund von Aussehen und Denunziation zu verhaften und zu deportieren, ist nichts anderes als Faschismus!" Nutzer "HungryAudrey" zählte "Führerkult" dazu. Und "MrZylinder" schrieb: "(...) Denunzierung und Entmenschlichung, zwei klare Merkmale faschistischer Systeme." Zum Faschismus äußern sich unsere User häufiger – wie hier in den Kommentaren unter dem BR24-Interview mit Jason Stanley.

Stimmt alles, aber es reicht nicht aus für eine Definition oder ist zu allgemein. Führerkult, Denunziation und ethnische Deportationen zum Beispiel treffen auch auf die Stalin-Herrschaft zu, Entmenschlichung auch auf Maos China.

Faschismus-Begriff: Den Pudding an die Wand nageln

"Das ist der Versuch, über Assoziationen, die wir haben, wenn wir Fernsehbilder aus den USA sehen, zu sagen: Okay, das ist ja jetzt Faschismus." Das sagt der Historiker und Faschismus-Experte Arnd Bauerkämper. Er forscht und lehrt an der FU Berlin. Es würden einzelne Merkmale herausgepickt. "Da kann man eigentlich fast immer die Standardantwort geben: Okay, notwendig, aber nicht hinreichend." Assoziationen helfen also nicht weiter.

In der Wissenschaft mangelt es nicht an Versuchen, den Begriff einzufangen und auf einen Nenner zu bringen. So richtig einig ist man sich nicht. Die einen sagen übergriffig: Faschismus ist alles, was rechtsextrem (oder manchmal auch nur "rechts") ist. Andere beschränken sich asketisch auf Mussolinis Bewegung vor der Machtergreifung 1922. Schließlich hat der Italiener ja den Begriff geprägt: Fasci, das ist das Liktorenbündel, ein Zwischending aus Waffe und Zepter, das man bei den Etruskern abgeschaut und zum Symbol der Bewegung gemacht hatte.

Zwischen den beiden Polen liegt eine Vielzahl an Deutungen. Bauerkämper sagt: "Es gibt nicht die eine Definition". Aber es herrsche "breiter Konsens" darüber:

Faschismus bezeichnet radikal nationalistische, auf eine umfassende Integration, Erneuerung und Mobilisierung zielende Bewegungen, Gruppen und Regimes, die sich ebenso scharf gegen den marxistischen Sozialismus, Kommunismus und Liberalismus wandten wie gegen die Demokratie und parlamentarisch pluralistische Regierungssysteme.

Rassismus – nicht unbedingt ein Kriterium

BR24-User "HerrUnterberg" wird sich da wohl nicht wiederfinden. Er kommentierte: "(...) Die aktuelle US-Regierung ist offen rassistisch, unterdrückt Meinungsfreiheit". Das seien schon ziemlich eindeutige Hinweise auf Faschismus.

Der Rassismus taucht in Bauerkämpers Definition aber gar nicht auf – und er ist in der Tat kein ausreichendes Bestimmungsmerkmal. Zwar standen zum Beispiel beim Nationalsozialismus Rassismus und Antisemitismus von vornherein im Zentrum der Ideologie, im italienischen Faschismus aber lange Zeit nicht. Mussolini erließ nach dem Vorbild der Nazis erst 1938 Rassegesetze. Da war er schon 16 Jahre an der Macht.

Bauerkämper plädiert dafür, beim Faschismus immer die nationalen und historischen "Unterschiede zu betonen". Womit wir gewissermaßen wieder bei Amerika landen. Wir haben Jason Stanley und Magnus Brechtken, den stellvertretenden Direktor des Münchner Instituts für Zeitgeschichte, gefragt: Sind die USA unter Donald Trump faschistisch? Die Antworten fielen denkbar unterschiedlich aus. Was sagt nun Arnd Bauerkämper?

Sind die USA unter Trump faschistisch?

"Wenn man die oben genannten Kriterien zugrunde legt, sind die USA nicht faschistisch, mindestens noch nicht faschistisch." Man müsse, "wenn man den Begriff Faschismus verwendet, immer unterscheiden zwischen dem Anspruch einer totalen Herrschaft und der Realität". Solange es in den USA Checks and Balances gibt, mögen Trump und seine Leute wollen, was sie wollen. Das bedeute aber nicht, "dass ich nicht Tendenzen zum Faschismus in diesem Anspruch, in dieser Ideologie finden kann (…), einer Ideologie, die Fremde ausgrenzen und damit verbunden nach innen die Integration für die wahren 'Amerikaner' schaffen will".

Was ist Faschismus? Er gibt keine eindeutige Definition, aber es gibt einen Rahmen an Kriterien, über den weitgehend Konsens herrscht. Diese Kriterien haben aber oft wenig mit unseren Vorstellungen und Assoziationen zu tun. Die Diskussion geht weiter – gerne auch in den Kommentaren unter diesem Artikel.

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