Traudl Bohlen vermittelt mit ihrer Agentur MAP von München-Schwabing aus Schülern Aufenthalte in alle möglichen Länder der Welt. Auf Platz 1 der Wunschzielorte standen dabei bisher immer die Vereinigten Staaten. Nun, da Donald Trump seit einem Jahr Präsident ist, schlägt sich das in der Zahl der Vermittlungen nieder. "Normalerweise haben wir mindestens hundert Schüler für die USA oder sogar mehr. Aufgrund der politischen Situation hat sich das leider geändert. Wir haben gestern Statistik gemacht: Wir haben circa fünfzig Prozent weniger Bewerbungen für die USA", so Traudl Bohlen von der Agentur Munich Academic Program.
Auch andere Agenturen in Deutschland wie "Experiment" in Bonn oder die "Deutsche Stiftung Völkerverständigung" in Schleswig-Holstein bestätigen den Trend weg von den Vereinigten Staaten. Der Vermittler "AbroadConnection" in Landsberg am Lech hat den Schüleraustausch in die USA bereits ganz aus seinem Programm gestrichen.
Besorgte Eltern, ablehnende Schüler
Auf Branchenmessen wie der "Auf-in-die-Welt"-Messe am vergangenen Wochenende in Fürstenried werben die Agenturen jetzt verstärkt für USA-Aufenthalte. Jedoch mit begrenztem Erfolg. Denn die Unsicherheit bei Schülern und Eltern ist groß: "Ich bin sehr skeptisch, was die politische Entwicklung dieses Landes im Moment durchmacht. Es wirkt alles sehr unberechenbar im Moment dort. Und ich würde nicht ruhig schlafen, wenn ich mein Kind dorthin gehen würde", meint Verena Schurz, die mit ihrer Tochter Julina die Messe besucht.
Noch deutlicher wird der 16-jährige Erik Stangl, der mit seiner Mutter aus dem Bayerischen Wald auf die Messe gekommen ist: "Seit der Präsidentschaftswahl sind die Staaten keine Option mehr für mich, wo ich ein Jahr verbringen möchte."
Alternativziel Kanada boomt
Viele Schüler und Eltern suchen nun Alternativen zum einjährigen Aufenthalt in den USA. Dabei ist Kanada besonders beliebt, da das Bildungssystem dort als gut und das Land insgesamt als sicher gilt. Das allerdings hat seinen Preis: "Die USA-Klassikprogramme fangen bei dreizehntausend Euro an, Kanada kostet dann mindestens achtzehntausend Euro.
Das ist für Familien, die nicht so gut betucht sind, schon ein ordentlicher Unterschied", erläutert Finn-Marvin Lau von der Stiftung Deutsche Stiftung Völkerverständigung, die die "Auf-in-die-Welt"-Messen organisiert. Dennoch seien einige bereit, das in Kauf zu nehmen – eben, weil sie wirklich nicht in die USA wollten.
Was also tun, wenn der Sprössling auf ein Jahr im Ausland trotzdem nicht verzichten möchte? Entweder in Europa bleiben oder gleich ganz weit weg – wie nach Australien oder Neuseeland. Auch das ist schon aufgrund des langen Flugs nicht günstig. Aber die Erfahrungen, die man als junger Mensch in einem Jahr fern von zu Hause macht, die sind mit Geld dann doch nicht aufzuwiegen.
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