Überfüllte Mülleimer am Isarufer in München nach einem Party-Wochenende
Live nachschauen
Bildrechte: picture alliance / SZ Photo | Wolfgang Filser
Livebeitrag

Verpackungsmüll

Livebeitrag
>

Weniger Müll, weniger Schadstoffe: Das sind die neuen EU-Regeln

Weniger Müll, weniger Schadstoffe: Das sind die neuen EU-Regeln

Neue EU-Regeln sollen Verpackungsmüll reduzieren: weniger Plastik, kleinere Kartons, mehr Pfand. Was ändert sich für Verbraucherinnen und Verbraucher - und ab wann gelten die neuen Vorschriften?

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Seit dem heutigen Mittwoch gelten für Verpackungsmüll neue EU-Regeln - festgehalten in der EU-Verpackungsrichtline PPWR, einem 124-seitigen Dokument mit 71 Artikeln. Das Ziel: Die Müllmenge in Europa soll deutlich reduziert werden. Dazu soll der Verpackungskreislauf verlängert und besser kontrolliert werden. Außerdem muss zukünftig für jede Verpackung gewährleistet sein, dass sie schadstofffrei ist.

Was wird sich konkret ändern? Darüber sprach BR24 mit ARD-Brüssel-Korrespondent Andreas Meyer-Feist und mit Hanna Hillnhütter, Verbraucherschutzexpertin vom Händlerbund. Das Video finden Sie oben eingebettet über diesem Artikel.

Warum gibt es neue Verpackungsregeln?

Laut EU-Statistikamt Eurostat fielen im Jahr 2023 innerhalb der EU knapp 178 Kilogramm Verpackungsabfälle pro Einwohner an, in Deutschland sind es sogar 215 Kilogramm. Ziel der neuen Vorschriften ist, diese Abfälle bis 2030 um 5 Prozent und bis 2040 um mindestens 15 Prozent zu reduzieren. Vergleichsjahr ist dabei 2018, in dem 174 Kilogramm pro Einwohner anfielen.

Gleichzeitig soll die Verordnung dazu führen, dass die Verpackungen schadstofffrei werden. Dazu gibt es neue Grenzwerte für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, kurz PFAS. Dabei handelt es sich um einer Gruppe von künstlich hergestellten Chemikalien. Sie können in der Umwelt nicht abgebaut werden und stellen ein höheres Risiko für Krebs und Leberschäden dar.

Was gilt für Lebensmittelverpackungen und Essen to go?

Damit Pappe und Papierverpackungen wasser- und fettabweisend sind, wird für solche Verpackungen häufig PFAS eingesetzt. Das soll etwas das Durchweichen des Pizza-Kartons oder der Döner-Tüte verhindern.

Ab jetzt müssen sich Hersteller und Importeure an die neuen Grenzwerte halten, die deutlich abgesenkt wurden. Eine Verwendung als fettabweisende Schicht sei damit quasi ausgeschlossen, sagt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gegenüber der dpa.

Warum könnten Kleinbetriebe ihren Versand ins Ausland einstellen?

Nach der neuen Verordnung müssen sich Unternehmer ab jetzt auch um die Entsorgung ihrer Verpackungen kümmern. Dazu müssen sich die Betriebe in jedem einzelnen Zielland in ein Register eintragen, das von nationalen Behörden kontrolliert wird.

Wer im Exportland keine Niederlassung betreibt, muss dafür einen Bevollmächtigen ernennen. Diese Ansprechperson kann dann behördlich belangt werden. Insbesondere klein- und mittelständische Unternehmen rechnen mit neuen Kosten.

Welche Regeln kommen noch?

Ab 12. Februar 2027 sollen Gastronomen selbst mitgebrachte Dosen von Kundinnen und Kunden akzeptieren. Ab Februar 2028 sind Restaurants und Cafés in der EU verpflichtet, Essen zum Mitnehmen in wiederverwendbaren Verpackungen anzubieten. Diese dürfen nicht teurer sein als Einwegverpackungen. Kleine Betriebe sind von der Vorschrift ausgeschlossen.

Bis 2029 müssen alle EU-Länder ein Pfand- und Rücknahmesystem für Plastik-Einwegflaschen eingeführt haben. Ab Februar 2029 müssen zudem wiederverwendbare Verkaufsverpackungen klar gekennzeichnet werden.

Welche Vorschriften gibt es für Verpackungsgrößen?

Ab 1. Januar 2030 folgen neue Regeln für die Größe der Verpackungen selbst. Falsche Böden oder unnötige Schichten, die das Produkt größer wirken lassen, werden verboten. Verpackungen für den Transport dürfen maximal 50 Prozent Leerraum enthalten.

Dazu zählt auch der Platz, der etwa mit Papier oder Luftpolsterfolie gefüllt wird. Außerdem sind bestimmte Einwegplastikverpackungen für unverarbeitetes Obst und Gemüse untersagt. Das Verbot betrifft auch weitere kleine Plastikverpackungen, etwa Mini-Hotelkosmetik und kleine Marmeladenpackungen.

Was sagen Umweltschützer?

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) spricht von einem "Meilenstein in der Verpackungsgesetzgebung" - trotz Schwachstellen und noch ausstehenden Detailentscheidungen. "An den recycelten Mengen wird sich in Deutschland vielleicht gar nicht so viel ändern", heißt es von der Umweltorganisation. "Aber alle Verpackungen müssen bis 2030 auf den Prüfstand, ob sie recyclingfähig sind, und in allen neuen Kunststoffverpackungen muss ab 2030 Recyclingmaterial eingesetzt werden - das ist auch für Deutschland ein Novum und kurbelt hoffentlich die schwächelnde Recyclingbranche an."

Wie reagieren die Händler?

"Die Ziele an sich sind löblich. Doch für kleine und mittelständische Unternehmen sind die Kosten für Bevollmächtigte sehr hoch, es wird eher komplizierter für alle, statt dass Bürokratie abgebaut wird", sagt Hanna Hillnhütter vom Händlerbund. Ihre Kritik: Die Vorschriften seien nicht an die Praxis angepasst.

Mit Informationen von dpa

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!