(Symbolbild) Ein Mädchen sitzt auf der Couch und guckt in das Tablet ihrer Eltern.
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(Symbolbild) Das Tablet ist längst in vielen Haushalten angekommen – beispielsweise zum Streamen.
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Wenn Biene Maja streamt: Kinderfernsehen im Umbruch

Wenn Biene Maja streamt: Kinderfernsehen im Umbruch

Kinder schauen heute längst nicht mehr nur klassisch fern. Sie streamen, nutzen Apps und schauen auf verschiedenen Plattformen. Gleichzeitig bleibt der Wunsch nach Orientierung und Schutz. Was verändert sich und was bedeutet es für Eltern?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Medien am .

Die Aufregung war groß, als Ende vergangenen Jahres bekannt wurde, dass der Kindersender KiKA langfristig vom Fernsehen ins Digitale wechseln soll. Viele Eltern und ehemalige Zuschauerinnen und Zuschauer reagierten besorgt, gehört der gemeinsame Sender von ARD und ZDF für viele doch zur eigenen Kindheit.

KiKA wird bis 2033 Digitalangebot

Hintergrund ist der Reformstaatsvertrag der Bundesländer. Er legt Grundlagen für die Angebote von ARD und ZDF fest und sieht weniger klassische Fernsehkanäle vor. In diesem Rahmen wurde entschieden, dass der KiKA bis etwa 2033 schrittweise zum reinen Digitalangebot werden soll. Er wird also nicht eingestellt, aber das Angebot bekommt einen neuen Charakter.

Schon heute zeigt sich, dass sich Sehgewohnheiten verändern: Laut Sender greifen viele Kinder sowohl auf Fernsehen als auch auf digitale Angebote zu. Die Nutzung von Apps und Mediatheken wächst allerdings stark.

Fernsehen weiterhin relevant

"Fernsehen als klassisches Fernsehen ist immer noch das Medium, was die höchste Reichweite hat", sagt Medienforscherin Saskia Weisser vom KiKA. Gleichzeitig verliere es seine Rolle als Leitmedium. Kinder schauen Inhalte heute parallel auf Tablets, Smartphones oder Streamingplattformen wie Netflix oder YouTube.

Die Entwicklung zeigt sich auch in den Inhalten: Geschichten werden schneller erzählt, Folgen kürzer produziert, visuelle Reize intensiver gestaltet. Ein Beispiel ist die modernisierte Version der Serie "Die Biene Maja". Die Folgen heute sind deutlich kürzer und dynamischer als in der klassischen Zeichentrickvariante. Trotzdem bleibe eine Konstante, so Weisser. Kinder interessieren sich wie vor Beginn der Digitalisierung für Themen aus ihrem Alltag wie Freundschaft oder Konflikte in Schule und Familie.

Struktur wird zur neuen Herausforderung

Mit dem Umstieg ins Digitale fällt jedoch ein wichtiger Orientierungsrahmen weg: das feste Fernsehprogramm. Dort sind Inhalte an die Uhrzeit angepasst. Vor dem Schlafengehen laufen zum Beispiel ruhigere Programme, die Kinder entsprechend begleiten. Auf Mediatheken ist theoretisch alles rund um die Uhr verfügbar.

Die Psychologin Andrea Hahnefeld sieht darin eine neue Aufgabe für Eltern und Bezugspersonen. Sie arbeitet für das kbo-Kinderzentrum, einer Einrichtung des Bezirks Oberbayern in München. Eltern müssten häufiger Grenzen setzen, weil Inhalte endlos verfügbar sind. "Ich sehe da durchaus auch die Plattformen und damit zum Beispiel KiKA in der Verantwortung, wenn das Angebot geändert wird", so die Psychologin. Die Plattformen sollten insgesamt stärker dabei helfen, Medienzeiten zu strukturieren, etwa durch Kategorien für Tageszeiten oder automatische Pausenfunktionen.

Bildschirmzeiten: Warum Begrenzungen für Kinder wichtig sind

Die Initiative "Schau Hin" des Bundesfamilienministeriums (externer Link) empfiehlt im Alter bis drei Jahren keine Bildschirmzeit, zwischen vier und fünf Jahren bis zu einer halben Stunde pro Tag und zwischen sechs und neun Jahren bis zu einer Stunde pro Tag. Für Kinder ab zehn Jahren wird ein wöchentliches Kontingent von einer Stunde pro Lebensjahr empfohlen. So können Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen und ihren Medienkonsum selbst einschätzen.

Denn wenn Bildschirmzeit unreguliert und unüberwacht bleibe, habe das Folgen, so Kinderpsychologin Andrea Hahnefeld. Sie erzählt von einem Beispiel aus der Praxis. In Intelligenztests zur kognitiven Entwicklung sollten Kindergartenkinder auf dem Tisch mit bunten Plastikformen Muster nachbauen. "Da saß mir ein Kind gegenüber und hat immer die Formen angetippt. Und die haben sich halt nicht bewegt, weil das war ja kein Bildschirm."

Konkurrenz durch Plattformen wächst

Es gebe einen Zusammenhang zwischen hoher, unregulierter Bildschirmzeit und Problemen bei Sprache oder sozialer Interaktion, sagt die Psychologin. Vor Behandlungsbeginn frage sie deswegen immer nach der Bildschirmzeit der Kinder.

Für Kinder ist das Angebot heute größer denn je. Neben klassischen Sendern konkurrieren auch Streamingdienste um ihre Aufmerksamkeit. Laut Studien gehört YouTube inzwischen zu den wichtigsten Plattformen für Grundschulkinder, dicht gefolgt vom KiKA und Streamingdiensten.

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