Nadine Großmann ist 35 Jahre alt, kerngesund und trotzdem fest entschlossen: Sie möchte ihre Bestattung planen. Bei einem Termin zur Bestattungsvorsorge im Institut von Nicole Dürnberger in Treuchtlingen will sie alles besprechen – von Blumenschmuck bis Urne.
Erd- oder Feuerbestattung?
Bei der Bestattungsvorsorge wird nicht lange um den heißen Brei herumgeredet. Erdbestattung oder möchte sie verbrannt werden? Pfarrer oder freie Trauerrednerin? Nadine Großmann kann sich nicht vorstellen, ewig in einem Sarg zu liegen, wählt daher eine Feuerbestattung, die Trauerfeier soll ein Pfarrer durchführen. Die Blumen dürfen ihre Kinder einmal aussuchen, auch die Musik. Nur ein Lied hätte sie gerne: "Sound of Silence" – wie schon ihr Vater.
"Man geht ja zum heutigen Zeitpunkt nicht davon aus, dass sie heute oder morgen sterben", so Bestatterin Dürnberger beim Abarbeiten ihrer Liste. Aber nur, weil man jung sei, sei das Thema Tod nicht weniger relevant. Das Gespräch zwischen den beiden ist sachlich, aber nicht schwer, als ginge es nicht um den Tod. Bei der Frage, ob ein Foto von Nadine gezeigt werden soll, wird es sogar lustig: "Ja schon, aber eins, wo ich vielleicht noch gut ausschaue", scherzt die 35-Jährige.
Kinder soll Beerdigung nicht belasten
Vor wenigen Jahren ist ihr Vater nach einer schweren Krebserkrankung verstorben. Zwar konnte er noch einiges selbst entscheiden, doch ein paar schwere Entscheidungen musste Nadine treffen. Da sie selbst Mutter von zwei kleinen Kindern ist, steht fest: Sie will rechtzeitig alles regeln. So etwas wie die Auswahl der passenden Urne – das hat sie sehr belastet – soll ihre Kinder einmal nicht beschäftigen müssen.
Urne aussuchen kostet Überwindung
Die Auswahl im Ausstellungsraum wird jetzt konkreter: Nadine Großmann kann zwischen drei Särgen für die Feuerbestattung wählen und in welcher Deckengarnitur sie einmal liegt. Viel Input in kurzer Zeit, den die 35-jährige nachdenklich werden lässt. Und dann kommt es zum Thema Urne: der Moment, den sie bei ihrem Vater so belastend empfand.
Nicole Dürnberger überreicht ihr eine Urne, damit sie es sich vorstellen kann. "Die sind ja voll leicht. Es fühlt sich eigentlich an wie so ‘ne Verpackung", lächelt Nadine. Doch welche passt zu ihr? Ihr Blick fällt auf eine Urne mit Ginko-Blatt und Nadine wird plötzlich sentimental: Zur Taufe ihrer Kinder wurde für jedes ein Ginko-Baum gepflanzt. "Das würde mich jetzt am meisten ansprechen, weil es schon eine Verbindung gibt."
Gründe für eine Bestattungsvorsorge
Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Bestattungsvorsorge, bestätigt auch der Verband Deutscher Bestatter, der sich auch auf den Forsa Sterbereport 2022 bezieht. Gründe dafür sind, dass immer weniger Kinder geboren werden, diese im Erwachsenenalter oft weit weg wohnen und, dass man seine Angehörigen nicht mit der Bestattung oder den Kosten dafür belasten möchte.
Bei einer Vorsorge werden diese im Voraus bezahlt und zum Beispiel auf ein Treuhandkonto angelegt. Laut dem Forsa Sterbereport von 2022 liegen die Kosten für eine Feuerbestattung im Durchschnitt bei 6.515 Euro.
Nadine mit ihrer Urne
Urnenmauer, Stele oder eine Baumbestattung?
Bei einem zweiten Treffen auf dem Friedhof in Treuchtlingen zeigen Nicole Dürnberger und ihr Mann Jens, der für den Friedhof zuständig ist, Nadine Großmann zahlreiche Bestattungsmöglichkeiten. Angefangen von der klassischen Urnenmauer, in die die Urne gestellt wird, über ein kleines Grab mit Grabstein, eine Stele oder eine Baumbestattung. Ersteres gefällt Nicole nicht, sie will lieber einmal mit der Erde eins werden. Sie geht noch einmal in sich, bis sie alle Entscheidungen trifft, die sie trotzdem immer wieder anpassen könnte.
Doch sie scheint schon jetzt erleichtert: "Es nimmt auch die Angst. Also es ist jetzt nicht mehr so: 'da spricht man nicht drüber', sondern man ist aufgeklärt."
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