22.06.2026, Schweiz, Emmen: Der US-Vizepräsident JD Vance spricht auf dem Militärflugplatz Emmen mit Medienvertretern, bevor er an Bord der «Air Force Two» geht, nachdem die USA und der Iran auf dem Gipfel am Vierwaldstättersee Gespräche auf hoher Ebene geführt hatten. Foto: Nathan Howard/Pool Reuters/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
22.06.2026, Schweiz, Emmen: Der US-Vizepräsident JD Vance spricht auf dem Militärflugplatz Emmen mit Medienvertretern, bevor er an Bord der «Air Force Two» geht, nachdem die USA und der Iran auf dem Gipfel am Vierwaldstättersee Gespräche auf hoher Ebene geführt hatten. Foto: Nathan Howard/Pool Reuters/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Bild
US-Vizepräsident JD Vance
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Nathan Howard
Schlagwörter
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Nathan Howard
Audiobeitrag

US-Vizepräsident JD Vance

Audiobeitrag
>

Wie sich JD Vance als Trump-Nachfolger positioniert

Wie sich JD Vance als Trump-Nachfolger positioniert

Er ist schon Vizepräsident. Er führt die Iran-Verhandlungen. Und er hat ein Buch veröffentlicht, das als Startschuss für eine Präsidentschaftskandidatur 2028 gilt. Hat JD Vance die Trump-Nachfolge schon in der Tasche? Keineswegs. Eine Analyse.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Als Donald Trump begründete, warum er seinen Vizepräsidenten mit den so wichtigen Iran-Gesprächen beauftragt hat, sagte Trump mit einem Lächeln: "Wenn es klappt, werde ich den Erfolg für mich beanspruchen. Wenn es nicht klappt, gebe ich JD die Schuld. Du solltest aufpassen, JD!"

Undankbare Rolle für Vance

Tatsächlich ist die Rolle des Iran-Chefverhandlers für Vance eher undankbar. Er hatte vor Kriegsbeginn deutliche Skepsis geäußert, um dann Trumps Kurs loyal zu folgen. Nun soll er in 60 Tagen drei äußerst schwierige Probleme lösen: die Straße von Hormus gebührenfrei offen halten, Israel zum Einlenken im Libanon bewegen und das iranische Atomprogramm dauerhaft entschärfen.

Schon beim Verhandlungsauftakt in der Schweiz funkte Trump seinem Vize noch dazu dazwischen. Während sich Vance um diplomatische Töne bemühte und davon sprach, "dem iranischen Volk die Hand zu reichen", stieß Trump auf seiner Online-Plattform Truth Social neue Drohungen aus.

"Communion": Vance will einen zweiten Buch-Bestseller landen

Eigentlich hatte Vance in diesen Tagen ganz anderes vor: Er wollte in Interviews und Talkshows für sein neues Buch "Communion" werben, Untertitel: "Finding My Way Back to Faith" ("Wie ich meinen Weg zurück zum Glauben fand"). Vance beschreibt auf knapp 300 Seiten, wie er sich zunächst vom freikirchlichen Protestantismus seiner Kindheit entfernt hat und zum Atheisten wurde, um dann zum Katholizismus zu konvertieren.

Das Buch knüpft an den Bestseller "Hillbilly Elegy" von 2016 an, der James David Vance bekannt gemacht hat. Darin hatte er am Beispiel seiner Familiengeschichte den wirtschaftlichen und sozialen Niedergang der weißen Arbeiterschaft in den USA beschrieben. Damals war Vance noch scharfer Kritiker von Donald Trump.

In "Communion" skizziert er die zweite und vor allem dritte Phase seines religiösen Lebenslaufs: Als US-Soldat im Irak und Jura-Student an der Elite-Universität Yale wurde er zum Atheisten, durch das Vorbild katholischer Freunde und das Schlüsselerlebnis der Geburt des ersten Kindes fand er zum Katholizismus. Glaube und Familie sind für den heute 41-Jährigen Grundlage seiner politischen Überzeugungen, etwa zu den Themen Einwanderung oder Abtreibung.

Wenig Selbstkritik und bleibende Widersprüche

In einem Punkt gibt sich Vance im Buch selbstkritisch: von "kinderlosen Katzenladys" in der Demokratischen Partei gesprochen zu haben, sei eines seiner "dümmsten Dinge", die er "je gesagt" habe. Doch viele andere Widersprüche bleiben. Wenn er etwa seine Frau Usha Vance, Kind indischer Einwanderer und hinduistischen Glaubens, als seine "Retterin" beschreibt – warum dann seine so unerbittliche Haltung beim Thema Migration? Wenn er ausführlich seine Begegnung mit Papst Franziskus kurz vor dessen Tod beschreibt – warum dann fast kein Wort zu Nachfolger Leo, dem ersten US-amerikanischen Papst, der nicht nur die Abschiebepolitik der Regierung Trump/Vance, sondern auch den Iran-Krieg scharf kritisiert hat?

Die Rezensionen in US-Medien fallen überwiegend kritisch aus. Das beginnt mit viel Spott, dass das Buchcover von "Communion" keine katholische, sondern eine methodistische Kirche zeigt. CNN hält Vance noch zugute, dass es ihm ein Buch über den Glauben ermöglicht, aus Trumps Schatten zu treten, ohne eine Spaltung mit dem Präsidenten zu riskieren. In einem Video der New York Times heißt es, Vance wisse heute "noch nicht wirklich, wer er ist und erst recht nicht, was die Leute von ihm denken sollen". Das Wall Street Journal kritisiert das Buch als "schludrig" und nennt es "halb religiöse Autobiographie, halb Wahlkampfbuch".

Die Trump-Nachfolge könnte zum Zweikampf werden

In einem sind sich die Kommentatoren einig: Das Buch ist ein Startschuss – mit dem Ziel der Präsidentschaftskandidatur. Offiziell will sich Vance dazu erst nach den Zwischenwahlen im November äußern. Doch auch demokratische Aspiranten auf eine Kandidatur 2028 haben persönliche Bücher geschrieben oder angekündigt – etwa Ex-Vizepräsidentin Kamala Harris, der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom oder der Gouverneur von Kentucky, Andy Beshear.

Bleibt die Frage, was Donald Trump über eine Vance-Kandidatur denkt. Der Präsident hat offenbar Zweifel. Trump hat zwar im August vergangenen Jahres Vance als eine Art "natürlichen Nachfolger" benannt. Doch seitdem hat er immer mehr ein anderes Kabinettsmitglied aufgewertet: Außenminister Marco Rubio. Die New York Times berichtet, Trump frage seit Monaten Gäste und Berater, wer besser sei, "JD oder Marco"? Dabei stichelt Trump – siehe Iran-Verhandlungen – aktuell deutlich mehr gegen Vance.

Jedenfalls will Trump über die republikanische Kandidatur 2028 – wenn er selbst überhaupt freiwillig weicht – das entscheidende Wörtchen mitreden. Das Rennen um die Nachfolge ist noch längst nicht entschieden.

Im Video: Wieso US-Rechte "Der Herr der Ringe" lieben

Der Kampf um "Herr der Ringe"
Bildrechte: picture alliance / Zoonar | Valerio Rosati/New Line Cinema/Montage:BR;
Videobeitrag

Der Kampf um "Herr der Ringe"

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!