Zen-Meister betend mit Augen im ausgefüllten Kopf. Mit Maus auf Schulter.
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Seelenfänger, Staffel 8, Meister und Mausi
Bildrechte: Montage: BR/Lena Wöbcke
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Seelenfänger, Staffel 8, Meister und Mausi

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Wohnzimmer-Gurus: Zwischen Angst und Achtsamkeit

Wohnzimmer-Gurus: Zwischen Angst und Achtsamkeit

Macht, Geld, Kontrolle – darum kann es hinter der Fassade buddhistischer Gruppen gehen. Der BR-Podcast "Seelenfänger" erzählt die Geschichte einer Zen-Gruppe. Ex-Mitglieder berichten von Angst und Manipulation. Der Meister bestreitet die Vorwürfe.

Über dieses Thema berichtet: Seelenfänger am .

Steffi erinnert sich noch genau daran, wie sie in ihrer Küche steht, vor sich ein Schwangerschaftstest. Dann verfärben sich zwei Striche. Damals, vor rund 20 Jahren, denkt sie: "Das Kind muss weg. Ich habe nicht weitergedacht, nur: Das geht nicht, das ist nicht möglich."

Steffi war damals Schülerin eines hessischen Zen-Meisters. Ihr voller Name soll zu ihrem Schutz nicht genannt werden. Kinder, erzählt Steffi, gelten in der Gruppe als "Daseins-Fesseln", die den "geistigen Weg" erschweren. Man hat zu viele weltliche Verpflichtungen und es fehlt die Zeit zum Meditieren und für Aktivitäten in der Gruppe, so die Haltung.

Steffi sagt im BR-Podcast "Seelenfänger": "Du bist da so brainwashed. Das ist, wie wenn man einen Zug auf die Schiene setzt und der fährt einfach diesen Schienenweg lang." Steffi hat sich für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden. Heute, mit Anfang 50, bereut sie das.

"Meine lieben Kinder" – Geborgenheit und Unterordnung

In ihrem eigenen Zuhause, sagt Steffi, hatte sie eine "total gestörte Familiensituation". Der Meister spricht die Zen-Schüler in seinen Vorträgen teilweise an mit "Meine lieben Kinder". Steffi beschreibt, wie sehr sie sich geborgen und zugehörig gefühlt hat: "Das war eine unglaubliche Liebe, die von diesem Mann ausgegangen ist. Du bist umhüllt vom Schutzmandala, es kann dir nichts passieren."

Rund ein Dutzend ehemalige Zen-Schülerinnen und -Schüler des Meisters haben mit dem BR gesprochen. Sie beschreiben ein ähnliches Muster: Die Gruppe ordne sich bedingungslos dem Meister unter – unter anderem aus Hoffnung auf eine gute Wiedergeburt, mit seiner Hilfe. Wer sich allerdings vom geistigen Weg mit dem Meister abwendet, für den sehe es "schlecht aus, sehr schlecht". So sagt der Meister das in einem Video von 2023: "Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, dass es noch ganz andere, tiefere, leidvollere Bewusstseins-Daseinsebenen gibt, in die ihr hineinfallen könnt." Ex-Schüler berichten, solche Aussagen hätten ihnen Angst gemacht, die Gruppe zu verlassen, und gleichzeitig das Gefühl verstärkt, ohne Meister verloren zu sein.

Aus Unterlagen, die BR-Recherche vorliegen, gehen große Geld-Sammelaktionen der Gruppe hervor: Für den Zen-Verein, aber auch für Luxus-Urlaube und den Mercedes des Meisters. Anhänger berichten zudem, stundenlang ohne Bezahlung die Privatwohnung des Meisters geputzt zu haben. Im Gespräch mit BR-Reporterinnen bestätigen aktive Zen-Schüler die Putz-Aktionen und bezeichnen dies als "freiwilligen Freundschaftsdienst". Ein aktiver Schüler erklärt, er erlaube dem Meister sogar, ihm Druck zu machen: "Ich brauche jemanden, der mir einen Schubs gibt und sagt: Guck mal hier hin."

Der Meister weist die Vorwürfe zurück

Auf eine BR-Anfrage antwortet er schriftlich: "Systematische körperliche, geistige und finanzielle Ausbeutung meiner Schüler weise ich zurück." Die Geldgeschenke seien "ausschließlich freiwillig". Angst habe in seiner Lehre und Praxis keinen Platz. Er bestreitet zudem, Druck auszuüben.

Zu den Putzdiensten heißt es, sie seien "freiwillige freundschaftliche Tätigkeiten ohne Gegenleistung". Weiter heißt es: "Dass einzelne Menschen ihre Zeit hier im Nachhinein mit unangenehmen Gefühlen verbinden, nehme ich ernst." Er habe sich "in die Entscheidung für oder gegen Kinder nicht eingemischt", sondern seine Rolle als spiritueller Begleiter erfüllt.

"Wohnzimmer-Gurus" unterm Radar

Steffi hat sich von Andreas Delis vom Münchner Polizeipräsidium beraten lassen. Er ist Experte für sektenartige Gruppierungen. Delis sagt, man sollte kleine Gruppen um sogenannte "Wohnzimmer-Gurus" nicht unterschätzen. "Die arbeiten mehr unterm Radar. Natürlich ist das Ganze dann noch ein bisschen intimer, man ist noch ein bisschen näher dran."

Typische Vorwürfe ehemaliger Mitglieder seien: Manipulation und Ausbeutung, finanziell und durch unbezahlte Arbeit. Allerdings sagt er: "Wenn die Leute zu dem Zeitpunkt freiwillig ehrenamtlich arbeiten, Spendenbeträge geben, Kurse buchen, dann ist da kein Straftatbestand da." Dennoch betont er, dass es auch schon Gerichtsurteile zugunsten von Geschädigten sogenannter "Wohnzimmer-Gurus" gab, etwa wenn Wucher (§ 291 StGB) vorliegt: Der entsprechende Paragraf greift unter anderem, wenn eine verzweifelte Lage ausgenutzt wird, Druck auf die Opfer ausgeübt wird und die Dienstleistung des Gurus unverhältnismäßig teuer war, so Delis.

Heute, nach ihrem Ausstieg aus der Gruppe, fühlen sich Steffi und andere ehemalige Zen-Schüler wie befreit. Sie sagt: "Der Meister hat keine Macht mehr über mich."

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Mehr im Podcast "Seelenfänger – Meister und Mausi"

Die Geschichte von Steffi und den anderen Aussteigerinnen und Aussteigern ist Teil der 8. Staffel des Podcasts "Seelenfänger – Meister und Mausi", eine Kooperation der Redaktionen Religion und Orientierung und BR Recherche. Die ganze Staffel gibt es ab heute (23. Juli 2026) in ARD Sounds.

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