Zum zweiten Mal lädt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Samstag zum "Munich Migration Meeting" – 17 seiner europäischen Amtskollegen werden im Hotel "Bayerischer Hof" erwartet, zudem Magnus Brunner, EU-Kommissar für Migration.
Vom 2. Munich Migration Meeting berichtet BR24live. Das Video finden Sie eingebettet über diesem Artikel.
Migrationspolitik: einschneidende Entwicklungen
Seit dem ersten Münchner Innenministertreffen vor knapp einem Jahr gab es in der Migrationspolitik einige Verschärfungen: Im Februar 2026 etwa beschloss das Europäische Parlament die Streichung des sogenannten Verbindungselements: Asylsuchende müssen nun keinerlei Verbindung in den jeweiligen Drittstaat haben, um dorthin abgeschoben werden zu können.
Die größte Reform dürften die neuen Regeln des gemeinsamen europäischen Asylsystems (GEAS) darstellen, die erst seit dem 12. Juni gelten. Konkret legen die neuen GEAS-Regeln unter anderem fest, wie Asylanträge EU-weit einheitlich registriert und schneller geprüft werden. Außerdem lösen GEAS-Zuständigkeitsbestimmungsverfahren die Dublin-Regeln ab. Und: Die Außengrenzen der EU werden intensiver kontrolliert.
Asylerstanträge: Neue Zählweise, aber Rückgang erkennbar
Bei der Zahl neuer Asylanträge zeigt sich eine deutliche Entwicklung. Laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) haben von Januar bis August 2026 insgesamt 68.271 Personen einen Asylantrag in Deutschland gestellt, 47.296 Erst- und 20.975 Folgeanträge. 8.346 der Erstanträge betrafen dabei in Deutschland geborene Kinder im Alter von unter einem Jahr. Seitdem die neuen GEAS-Regeln gelten, zählt das BAMF anders: Nun werden neben den Erstantragstellern noch Menschen, die in einem anderen Land einen Asylantrag gestellt haben, als "Neuzugänge" erfasst. Seit Juni waren das 2.437 Menschen, somit wurden im laufenden Jahr bis Ende August 49.733 Neuzugänge in das Asylsystem verzeichnet.
Im selben Zeitraum 2025 wurden noch 78.246 Asylerstanträge verzeichnet, das heißt, verkürzt gesagt, die Anzahl der neu ins Asylsystem gekommenen Menschen ging um etwas mehr als ein Drittel zurück. Das liege vor allem an einer globalen Entwicklung, sagt Migrationsforscher und Politikwissenschaftler Hannes Schammann von der Universität Hildesheim: "Mit politischen Entscheidungen in Europa haben diese Entwicklungen vermutlich wenig zu tun – die Gründe für den Rückgang liegen vor allem in den Herkunftsländern."
Pro Asyl: "Endspiel um das Asylrecht"
Nun soll es dennoch um eine "weitere Schärfung des europäischen Migrations-Paktes" gehen, wie das Bundesinnenministerium im Vorfeld des Treffens mitteilt.
Für Karl Kopp, Geschäftsführer von Pro Asyl, geraten durch die gemeinsame europäische Migrationspolitik schon jetzt Menschenrechte in Gefahr. Gegenüber BR24 befürchtet er: "GEAS ist nicht der Endpunkt der asylrechtlichen Verschärfungen, sondern der Auftakt einer zweiten Welle." Konkret erwähnt er etwa den Beschluss, Rückkehrzentren außerhalb der Europäischen Union zu ermöglichen, sogenannte "Return Hubs". Man befinde sich, so Kopp weiter, in einem "Endspiel um das Asylrecht – und letztlich auch um das Projekt Europa".
Ganz so dramatisch sieht Politikwissenschaftler Schammann die Lage nicht: "Ich glaube, da sind wir noch lange nicht – dennoch wird die Frage, ob man das individuelle Grundrecht auf Asyl abschafft, immer salonfähiger."
Constantin Hruschka, Sozialrechtler und Asylexperte von der Evangelischen Hochschule Freiburg, sieht diese Tendenz ebenfalls. Er hält die neuen gemeinsamen Regelungen aber grundsätzlich für ein Bekenntnis zum Asylrecht. So habe man nun "ein zwar hartes, aber immer noch anständiges und völkerrechtskonformes Migrationsrecht mit dem Kern, dass man Personen nicht ohne Prüfung eines Schutzbedarfs zurückschickt".
Sicherung der Außengrenzen "der kleinste gemeinsame Nenner"
Das Bundesinnenministerium kündigte im Vorfeld der Gespräche an, das Ziel sei, "wichtige Impulse zur Umsetzung der Migrationswende in Europa zu geben". Im Mittelpunkt stünden dabei auch "die konsequente Härtung der Außengrenzen der Europäischen Union sowie die Beschleunigung von Rückführungen aus Europa".
Gerade die verstärkte Sicherung der Außengrenzen sei so etwas wie "der kleinste gemeinsame Nenner", sagt Hannes Schammann. Er sieht im Innenministertreffen einen Versuch, möglichst viel Einigkeit unter den einzelnen Ländern herzustellen.
Jurist Hruschka erwartet hinter den Kulissen auch Streit, etwa über Finanzierungsfragen und darüber, wie man mit Push-Backs an den Außengrenzen umgehe. Nach außen hin dürfe man aber die Demonstration von großer Einigkeit erwarten, meint auch Hruschka. Ohne diese Einigkeit könne man in der Migrationspolitik keine Handlungsfähigkeit erreichen. "Den Staaten wird langsam klar, dass diese Streitigkeiten, die alle mitbekommen, weder nach innen noch nach außen hilfreich sind."
Hotel Bayerischer Hof in München.
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