Trotz der Regenzeit in großen Teilen Mittelamerikas, ist es dort gerade ungewöhnlich trocken – ausgelöst durch das Klimaphänomen El Niño. Der Schiffsverkehr durch den Panamakanal wird deswegen vorsorglich reduziert: Die Zahl der maximalen, täglichen Durchfahrten sinkt ab September. Eine spürbare Einschränkung, die auch deutsche Reeder betrifft.
El Niño-Saison sorgt für niedrige Wasserstände
Noch im Mai hatte die Panamakanal-Behörde zugesichert, den Verkehr nicht zu begrenzen. Am Donnerstag sah sie sich nun aber zur Kursänderung gezwungen. Kanalbetreiber ACP erklärte, für den Betrieb der Schleusen des Kanals seien große Wassermengen nötig, die aus einem von zwei Seen gespeisten Wassereinzugsgebiet entnommen werden. Wegen der fehlenden Niederschläge sind die Wasserpegel in den Seen deutlich gesunken. Problematisch ist dabei auch, dass jedes Mal wenn ein Schiff die Wasserstraße passiert, das Süßwasser aus den Seen unwiederbringlich ins Meer fließt.
El Niño tritt üblicherweise alle zwei bis sieben Jahre auf und dauert zwischen neun und zwölf Monate an. Die britische Wetterbehörde Met geht davon aus, dass das diesjährige El-Niño-Wetterphänomen das am stärksten ausgeprägteste seit über einem Jahrhundert sein wird. Die Meeresoberflächentemperaturen dürften auf ein "beispielloses" Niveau ansteigen. Dies werde in den Tropen besonders starke Auswirkungen haben, "wo wir in Regionen wie Südamerika und im Westpazifik mit wirklich schweren Dürren rechnen", sagte Met-Metereologe Adam Scaife.
Kapazität der Durchfahrten sinkt ab Anfang September – auch deutsche Schiffe betroffen
Ab dem 3. September dürfen deshalb statt 36 nur noch 34 Schiffe pro Tag die Wasserstraße passieren, ab dem 15. September nur noch 32, so die Behörde. Die Kapazität liegt bei etwa 40 Passagen täglich. Bis Juni 2026 gab es entsprechend des Bedarfs durchschnittlich 35 Durchfahrten pro Tag.
"Verschiedene deutsche Unternehmen nutzen den Kanal regelmäßig mit Container-, Massengut- und Tankschiffen sowie Gas- und Autotransportern", teilte der Verband Deutscher Reeder (VDR) mit. Wie viele Schiffe deutscher Reedereien aktuell konkret betroffen seien, lasse sich allerdings nicht beziffern. Die angekündigte Reduzierung sei "noch kein dramatischer Einbruch, aber eine spürbare Einschränkung", erklärte der Reederverband in Hamburg.
Wartezeiten vor den Schleusen steigen
Als unmittelbare Folge der reduzierten Durchfahrten dürften sich die Wartezeiten für Schiffe ohne Reservierung verlängern, wie ACP mitteilte. Neun von zehn Schiffen, die den Kanal passieren, haben dafür einen Slot vorab reserviert, die übrigen Slots werden versteigert. Vor dem Irankrieg lag der Durchschnittserlös dieser Auktionen bei 135.000 Dollar pro Slot.
Der Kanalbetreiber erklärte weiter, dass in Abhängigkeit von den Niederschlagsmengen weitere Restriktionen verhängt werden könnten. Im Jahr 2023 war der Wasserstand in den Seen, aus denen der Kanal gespeist wird, so niedrig, dass die tägliche Anzahl der Schiffsdurchfahrten auf 22 reduziert wurde.
Panama-Kanal: Wichtig für Transporte zwischen Asien und der US-Ostküste
Der rund 80 Kilometer lange Panama-Kanal verbindet den Atlantik und den Pazifik. Fünf Prozent des weltweiten Seehandels passieren die Wasserstraße. Vor allem Schiffe aus den USA, China, Japan, Chile und Südkorea nutzen den Kanal. Die aktuellen Einschränkungen dort treffen laut VDR auf eine ohnehin hohe Nachfrage, weil sich wegen der angespannten Lage in der Straße von Hormus Energieverkehre teilweise verlagert haben.
Für die Versorgung Europas mit Gütern aus aller Welt sei der Panamakanal zwar nicht so zentral wie der Suezkanal, so der Verband. Für bestimmte Waren und Verbindungen sei er aber von herausragender Bedeutung, insbesondere für Containertransporte zwischen Asien und der US-Ostküste. Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd verbindet auf einer Route durch den Panamakanal unter anderem Shanghai mit New York.
Mit Informationen von dpa, AFP und Reuters
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
