Über 100 Jahre lang stand das "Lechnerhaus" in Prien. Erbaut wurde es Ende des 19. Jahrhunderts für die Unternehmerfamilie Lechner, die unter anderem ein Sägewerk am Chiemsee betrieb. Seit 2006 stand das herrschaftliche Wohnhaus jedoch leer. Letztes Jahr entschied sich die Gemeinde dann, den historischen Bau abzureißen. Nun kommt das Gebäude zu gewissermaßen posthumen Ehren. Das "Lechnerhaus" ist der "Abriss des Jahres 2025", wie der Landesverein für Heimatpflege [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt] am Montag (12. Janusr 2026) bekanntgab.
Mehr als 2.300 Stimmen für "Lechnerhaus"
Vergeben wird dieser Negativpreis seit 2022. Die Heimatpfleger wollen damit auf den fortschreitenden Verlust historischer Bausubstanz in Bayern aufmerksam machen. Alljährlich nominiert der Verein eine Liste mit besonders bedauerlichen Abrissen, etwa von Wohnhäusern, Kirchen oder historischen Gaststätten. Über den "Gewinner" abgestimmt wird danach auf der Website des Vereins. In diesem Jahr gingen bei der Aktion mehr als 2.300 Stimmen ein, deutlich mehr als im Vorjahr (1.700).
Hinter dem "Lechnerhaus" (471 Stimmen) landete der Alte Wirt in Aising (406 Stimmen), gefolgt von einem Fachwerkhaus im fränkischen Winkelhaid (318 Stimmen). Die drei Erstplatzierten stünden repräsentativ für die "breite Spanne verlorener Bausubstanz" in Bayern, teilte der Verein in seiner Pressemitteilung mit. Der Alte Wirt wurde im frühen 19. Jahrhundert gebaut, ein Traditionsgasthaus also mit 200-jähriger Geschichte. Das Fachwerkhaus in Winkelhaid war sogar noch älter. Errichtet wurde es um das Jahr 1600. Es habe sich dabei um ein "seltenes noch erhaltenes Zeugnis fränkischer Baukultur" gehandelt. Mittlerweile stehen auf dem Grundstück moderne Wohnhäuser.
Vorsitzender des Landesvereins fordert "Umbau-Turbo"
Olaf Heinrich, Vorsitzender des Landesvereins, wertete die diesjährige Aktion zum "Abriss des Jahres" als großen Erfolg. Die rege Abstimmung hätte gezeigt, dass sich viele Menschen für Baukultur interessierten. Ferner mache sie die Arbeit der Heimatpfleger noch sichtbarer. Immer wieder meldeten Eigentümer beim Landesverein, um sich Tipps für den Erhalt oder die Entwicklung historischer Gebäude zu holen. Und genau das tue not, so Heinrich, Bayern brauche einen "Umbau-Turbo".
So sieht das auch sein Kollege Rudolf Neumaier, Geschäftsführer des Landesvereins. Oft werde ein Abriss vorschnell beschlossen, ohne auch nur einen Gedanken an die Erhaltung der historischen Bausubstanz zu verschwenden, so Neumaier im BR. Dabei könne ein Umbau nicht nur das historische Ortsbild erhalten, er sei auch generell klimafreundlicher als ein Abriss. "2,4 oder 2,5 Tonnen pro Person pro Jahr in Deutschland werden durch Bauschutt verursacht", sagt der Denkmalpfleger. "Dagegen sind die 250 Kilogramm vom Hausabfall Kinkerlitzchen. Wir könnten wirklich extrem viel Energie sparen."
Dieser Artikel ist erstmals am 12. Janaur 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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