Bis 2023 stand in Bayreuth ein wunderschönes altes Fachwerkhaus, ein Bauernhaus aus dem Jahr 1802. Seit zwei Jahren ist es verschwunden: Die Eigentümer hatten es verfallen lassen, bis sie es irgendwann abreißen durften. Der Verein für Heimatpflege nannte das 2023 den Abriss des Jahres. Den gab es auch ein Jahr später, 2024. Da war es ein 400 Jahre altes Handwerkerhaus in Landshut, das plattgemacht wurde. Ein Abriss sei immer die fantasieloseste Lösung, hieß es damals von den Heimatpflegern.
Jetzt geht das Jahr 2025 zu Ende. Und wieder sind in Bayern einige zerstörte historische Bauten zu beklagen. Und wieder wird ein "Abriss des Jahres" gewählt. Auf der Website des Bayerischen Vereins für Heimatpflege kann man noch einige Tage abstimmen. Der Preis ist dabei natürlich kein erfreulicher, sondern soll auf den Verlust durch willkürliche Abrissvorhaben hinweisen.
Prägende Gebäude
"Ich glaube, solche Häuser haben sowas wie eine Seele. Die haben nicht nur die Geschichte, die sie erzählen, die haben auch eine Seele. Und leider verlieren dann auch die Orte dieses Stück Geschichte und diese Seele und teilweise auch ein bisschen ihr Gesicht. Das ist das Bedauerliche daran", sagt Rudolf Neumaier vom Bayerischen Verein für Heimatpflege im Gespräch mit dem BR.
In diesem Jahr stehen unter anderem ein Gasthof in Rosenheim, der "Alte Wirt" aus dem 19. Jahrhundert, oder die charakteristische Kirche "Zu den Acht Seligkeiten" in Füssen zur Auswahl. "Ich als alter Wirtshausgänger bedauere am meisten die Verluste von traditionsreichen großen Häusern in teilweise kleinen Orten", sagt Neumaier, "der Gasthof in Rosenheim Aising war ein das Ortsbild prägendes Gebäude."
Einige Kandidaten für die Wahl zum "Abriss des Jahres":
Oft werde vorschnell der Abriss beschlossen, ohne auch nur einen Gedanken an die Erhaltung der historischen Bausubstanz und kreative Möglichkeiten zu deren Erhaltung zu verschwenden. Aber kann durch einen Abriss nicht auch etwas Neues entstehen, das ebenfalls ortsprägend werden kann? Neumaier sagt: "Gebäude sollten immer erst abgerissen werden, wenn ein Architekt oder eine Architektin drin war, die schon die schon vier oder fünf Gebäude gerettet hat. Die können abschätzen, ob sich noch was machen lässt oder nicht."
Nicht nur historisch bedeutsam
Das lohnt sich nicht nur für die Erhaltung des Ortsbildes, sondern hilft auch dem Klima: "2,4 oder 2,5 Tonnen pro Person pro Jahr in Deutschland werden durch Bauschutt verursacht. Dagegen sind die 250 Kilogramm vom Hausabfall Kinkerlitzchen. Wir könnten wirklich extrem viel Energie sparen", sagt Neumaier. Die Abstimmung über den "Abriss des Jahres" läuft noch bis zum 11. Januar.
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