Im November 2025 bei einer Veranstaltung im Moskauer Kreml
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Wenig begeistert von den Finanzaussichten: Der russische Finanzminister Anton Siluanow und Zentralbankchefin Nabiullina (rechts)
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Wenig begeistert von den Finanzaussichten: Der russische Finanzminister Anton Siluanow und Zentralbankchefin Nabiullina (rechts)

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"Besser anschnallen": Kann sich Putin den Krieg noch leisten?

"Besser anschnallen": Kann sich Putin den Krieg noch leisten?

Trotz eindringlicher Warnungen von Zentralbank und Finanzministerium vor einer Überforderung der russischen Wirtschaft durch die Kriegskosten will Putin nicht einlenken. Umso eifriger wird über eine "Krankmeldung" der Zentralbankchefin diskutiert.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Mastodon am .

"Wenn das passiert, sollten Sie sich besser anschnallen, denn die Dinge werden sich dann rasant überschlagen", heißt es in einem der russischen Polit-Blogs über einen möglichen Rücktritt von Zentralbankchefin Elwira Nabiullina [externer Link], deren Amtszeit regulär erst 2027 endet. Womöglich werde sie schon bald durch einen Nachfolger ersetzt, der den "militärisch-industriellen Komplex mit dringend benötigten Geldern versorgt, um den Sieg zu sichern". Dafür komme zum Beispiel Putins Berater Sergei Glasjew in Frage, der die Notenpresse anwerfen wolle, um die finanziellen Probleme zu beheben.

Grund für die brisante Spekulation: Nabiullina sollte eigentlich letzte Woche auf dem St. Petersburger Weltwirtschaftsforum sprechen, war dann jedoch sehr kurzfristig von der Rednerliste gestrichen worden. Erst hatte es geheißen, sie besuche eine Trauerfeier eines ehemaligen Mitarbeiters, dann verbreitete die staatliche Nachrichtenagentur TASS die Meldung, Nabiullina sei "krankgeschrieben", schließlich war nur noch von "triftigen Gründen" für ihre Abwesenheit die Rede.

"Plant sie etwa, vorzeitig zurückzutreten?"

Wirtschaftskolumnist Dmitri Drise kommentierte [externer Link] das mit der ironischen Bemerkung: "Ein schlechtes Zeichen. In einem System wie dem russischen ist es ungewöhnlich, dass hochrangige Beamte krank sind. Vor allem nicht bei Veranstaltungen, an denen der Spitzenbeamte beteiligt ist."

Politologe Georgi Bovt meinte [externer Link]: "Ihre Krankheit könnte diplomatischer Natur sein. Sie wollte sich nicht länger die endlosen Klagen anhören, der hohe Leitzins sei schuld an allen Problemen der russischen Wirtschaft. Und im Grunde hat sie recht: Der Zinssatz ist nicht das Problem. Die eigentliche Ursache liegt woanders. Man könnte vorsichtig spekulieren: Plant sie etwa, vorzeitig zurückzutreten?"

"Tektonische Verschiebungen"

Einer der anonymen Wirtschaftsblogger analysierte [externer Link]: "Im Grunde bleibt nur die Abwertung des Rubels und die Anheizung der Inflation, was Nabiullinas Politik diametral entgegensteht. Ich vermute, diese Entwicklung ist der Grund für ihre erstmalige Abwesenheit beim Wirtschaftsgipfel." Womöglich habe sich die Zentralbankchefin in die "innere Emigration" zurückgezogen und ausbedungen, nicht mehr öffentlich auftreten zu müssen, wenn sie dabei Meinungen vertreten müsse, die ihrer Ansicht zuwiderliefen.

Andere Beobachter sprachen von [externer Link] "tektonischen Verschiebungen" im russischen Finanzsystem, sowie einer "dramatischen Zuspitzung der Lage".

Putin: "Keine Sorge"

Wenige Tage vor dem Kongress, bei dem Präsident Putin zwar "Probleme mit der gesamtwirtschaftlichen Lage" und der Inflation einräumte, die Lage der Wirtschaft jedoch im gleichen Atemzug grotesk beschönigte ("keine Sorge"), hatte der US-Nachrichtendienst Bloomberg gemeldet [externer Link], Zentralbank und Finanzministerium hätten dem Kreml hinter den Kulissen sehr deutlich gemacht, dass sich Russland den Krieg nicht länger leisten könne.

Von einem der heftigsten Zerwürfnisse innerhalb des Regimes seit langem war dort die Rede. Der Sicherheitsapparat bestehe auf einer weiteren Steigerung der Kriegsausgaben, auch Putin wolle daran definitiv nicht sparen und fordere anderweitige Kürzungen.

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Infotafel

Vor Journalisten hatte der Präsident die (Zins-)Politik der Zentralbank bezeichnenderweise nicht verteidigt, sondern lediglich gesagt: "Dazu möchte ich mich jetzt nicht äußern. Darüber könnten wir lange diskutieren."

"Paniksignale aus dem Finanzsektor"

Militärblogger und Ultrapatrioten fordern seit langem den Rücktritt von Nabiullina, die sich kürzlich mit dem Hinweis unbeliebt gemacht hatte, die Ersparnisse der Russen seien mittlerweile die einzige verbliebene Finanzierungsquelle. Dazu Blogger Oleg Sarow (400.000 Fans) ziemlich unwirsch [externer Link]: "Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, warum der Finanzsektor Paniksignale aussendet. Es wäre fatal, wenn die Menschen nach solchen Aussagen massenhaft ihre Konten auflösen und ihr Geld abheben würden."

Politologe Ilja Graschtschenkow gab sich abwägend [externer Link]: "Bislang zeigt sich Russland widerstandsfähiger als erwartet. Doch Widerstandsfähigkeit kann nicht das Endziel sein, sondern die Ausgangsbasis. Die nächste Phase wird anspruchsvoller sein: Es gilt nicht nur zu beweisen, dass das Land dem Druck standhalten kann, sondern auch zu zeigen, dass es in der Lage ist zu wachsen, zu investieren, die Produktivität und die Lebensqualität zu verbessern, und zwar nicht nur in Statistiken, sondern auch im Alltag der Menschen."

Das Fazit des kremlkritischen Bloggers Ilja Remeslo [externer Link]: "Die Wahrscheinlichkeit, dass Putin den Krieg aus freiem Willen beendet, ist praktisch gleich null. Das heißt, andere werden ihn an seiner Stelle beenden."

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