Als der Olympiapark im Juli 2025 den Termin für ein Xavier-Naidoo-Konzert in München bekanntgibt, veröffentlicht die Pressestelle zugleich eine Distanzierung: "Die Olympiapark München GmbH (OMG) distanziert sich ausdrücklich von den Äußerungen des Künstlers. Die OMG bekennt sich zu Vielfalt und Toleranz und verurteilt Antisemitismus, Rassismus und Homophobie."
Auf Nachfrage bei der OMG betont Pressesprecher Tobias Kohler, dass das Unternehmen nach eigener Darstellung in bestimmten Fällen rechtlich gebunden sei und Auftritte nicht ohne Weiteres absagen könne. Zugleich würde der Auftritt nicht zum Leitbild der OMG passen.
Wie sich Xavier Naidoo über die Jahre radikalisierte
Im Laufe der vergangenen Jahre gab es wiederholt öffentliche Kritik an Äußerungen und Auftritten von Xavier Naidoo. "Wenn ich's richtig verstehe, werden gerade in verschiedenen Ländern Kinder aus den Händen pädophiler Netzwerke befreit", sagt Xavier Naidoo etwa 2020 in seine Kamera [externer Link], "und ich weiß schon seit mindestens 15 Jahren, was abgeht". Er sagt es selbst: Die Causa Naidoo beginnt schon etwa 15 bis 20 Jahre zuvor:
Juni 1999: In einem Interview mit dem "Musikexpress" [externer Link; möglicherweise Bezahl-Inhalt] sagt Naidoo, er sei Rassist, ergänzt jedoch, er sehe "keine Farben".
Mai 2011: Im ARD Morgenmagazin erklärt Naidoo [externer Link]: "Wir sind nicht frei. Wir sind immer noch ein besetztes Land. Deutschland hat keinen Friedensvertrag und dementsprechend ist Deutschland auch kein echtes Land und nicht frei." Eine gängige Verschwörungserzählung aus der Reichsbürger-Szene.
November 2015: Der NDR will Naidoo als Vertreter für Deutschland zum Eurovision Song Contest schicken. Es folgen Proteste und die Absage der ARD. Damals hält die bundesdeutsche Kulturprominenz noch fest zu Naidoo und veröffentlicht eine Solidaritätsanzeige in der "FAZ".
2020 bis 2022: In der Corona-Pandemie verbreitet Naidoo in sozialen Medien teils antisemitisch verankerte Verschwörungstheorien, tritt vor 300 Reichsbürgern auf, singt mit bekannten Rechtsextremen und bezeichnet den Holocaust als "Märchen". Ende 2021 entscheidet das Bundesverfassungsgericht in einem Fall, dass der Sänger als Antisemit bezeichnet werden darf.
Ein dreiminütiges Entschuldigungsvideo
Trotz der Kontroversen ist das Interesse an den angekündigten Konzerten groß – beide Konzerte in der Olympiahalle sind ausverkauft. Vielleicht hat seine Fans auch das überzeugt: 2022 erscheint auf Naidoos YouTube-Account ein Video mit dem Titel "#OneLove" [externer Link]. Darin verliest er ein Entschuldigungsstatement: "Bei der Wahrheitssuche war ich wie in einer Blase und habe mich vom Bezug zur Realität entfernt. Das habe ich leider jetzt erst erkannt. Ich habe Dinge gesagt und getan, die ich heute bereue."
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!
