Marc-Uwe Kling
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Autor Marc-Uwe Kling: "Viele Menschen sind wie Avocados! Von außen sehen sie okay aus, aber innen sind sie braun."
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Autor Marc-Uwe Kling: "Viele Menschen sind wie Avocados! Von außen sehen sie okay aus, aber innen sind sie braun."

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Ding-Dong: Marc-Uwe Kling und sein Känguru sind wieder da

Ding-Dong: Marc-Uwe Kling und sein Känguru sind wieder da

Acht Jahre sind seit dem letzten Band der Känguru-Reihe vergangen. Schöpfer Marc-Uwe Kling hat zuletzt viel anderes gemacht, u.a. hat er einen Thriller geschrieben und das Känguru ins Kino gebracht. Nun aber ist sie da "Die Känguru-Rebellion".

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"Da bist du ja wieder", sage ich. "Ja", sagt das Känguru. "Aber mach nicht gleich ’nen Film draus."

Gleich im ersten Dialog erfahren wir, warum Marc-Uwe Kling geschlagene acht Jahre gebraucht hat, bis er nun endlich den fünften Känguru-Band vorlegen kann: Kling war extrem beschäftigt, unter anderem mit zwei Känguru-Filmen. Denkbar wären auch Schreibhemmungen angesichts immer krasserer Kriegs- und Katastrophenszenarien. Wie soll man da den Humor bewahren. Aber nein, versichert der Autor, das Gegenteil sei der Fall gewesen: "Die Welt liefert aktuell sehr viel Material, das man als Satiriker dankbar aufnehmen kann. Wir dürfen nie an den Punkt kommen, wo wir nicht mehr drüber lachen, wie absurd das ganze ist. Weil das Lachen auch hilft gegen die Ohnmacht."

Kein Humor ist auch keine Lösung

Der rote Faden im neuen Band: Rebellion. Gegen die Zustände. Kling und Känguru versuchen, möglichst viele Mitstreiter für die Rebellion zu gewinnen, und zwar nach dem Kettenbriefsystem: Jeder muss zwei Menschen überzeugen, die wiederum zwei weitere überzeugen. Und immer so weiter. Herta schließt sich natürlich umstandslos an und macht ihre Eckkneipe zum Epizentrum des Widerstands – mit Rebellionsstammtisch und Rebellionspodcast. Als deutlich kniffliger erweist es sich, Passanten auf der Straße zu gewinnen: "Ich rebelliere!", sage ich. "Gegen die Zustände! Wollen Sie mitmachen?" "Ich bin in der CDU."

Aller Anfang ist schwer, aber auch aberwitzig komisch. In der Sache aber ist es Kling absolut ernst. Der wiedererstarkte Faschismus, die Rolle der Tech-Milliardäre dabei sowie die himmelschreiend ungerechte Ungleichverteilung von Wohlstand entfachen seinen gerechten Zorn. Das Buch enthält daher zum Beispiel ein flammendes Plädoyer für ein Steuersystem, das nicht weiter die Reichen und Superreichen begünstigt, und ist auch eine Abrechnung mit den Parteien, die sich zum Steigbügelhalter des Kapitalismus gemacht und so den Aufstieg der extremen Rechten befördert haben.

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Marc-Uwe Kling: "Die Känguru-Rebellion"

Marc-Uwe Kling positioniert sich klar links. Insofern ist "Die Känguru-Rebellion" auch wieder ein "Känguru-Manifest", durchaus mit Appell-Charakter. "Ich glaube, alle müssen noch ein bisschen politischer werden. Wenn alle ein bisschen mehr machen, dann kippt das nicht in den Faschismus. Und man darf sich eben auch nicht unter der Decke verstecken und denken, ich kann eh nichts tun, und ist das schlimm... Sondern einfach machen! Machen, machen, machen!"

Und auch: den Mund aufmachen. So wie das Känguru im neuen Buch. Als einer der Gäste in Hertas Kneipe Sympathien für die AfD bekundet, hält ihm das Beuteltier eine Standpauke, die so furios ist, dass man sie sofort auswendig lernen sollte – um sie parat zu haben, wenn man selbst rechte Parolen parieren muss.

Wir müssen alle politischer werden

Die titelgebende Rebellion geht aber noch weiter: Das Känguru rebelliert gegen die Autorschaft des Erzählers. Wozu es unter anderem das Einstiegskapitel aus dem ersten Band der Känguru-Reihe umschreibt - in die Känguru-Perspektive: "Ding Dong. Ich klingele. Nichts passiert. Es dauert ziemlich lange, dann öffnet ein verpennter Typ. "Hallo", sage ich. Der Typ guckt noch mal nach links, nach rechts, auf die Uhr und dann wieder auf mich. Meine Herren. Was alles frei rumlaufen darf. Der hat doch ernsthaft "Kling" auf seine Klingel geschrieben."

Selten hat die Beschäftigung mit dem Elend der Welt so gute Laune gemacht. Für Kling ist das ganz entscheidend: "Spaß haben ist ein Wert an sich. Und ist etwas, was man bei den Faschisten nicht so sieht. Und ich finde es super wichtig, dass man auch im Kampf für die Freiheit und gegen den Faschismus Spaß hat. Weil Spaß ist ansteckend. Und die Leute wollen ja auf der Seite sein, die Spaß hat. Und nicht auf der, die immer nur rumgrummelt. Jedenfalls hoffe ich das."

Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Rebellion. Ab 12. März im Ullstein Verlag.

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