Es ist der Nachmittag des 8. Mai 2025. Seit eineinhalb Tagen sind die Kardinäle im Konklave, um einen Nachfolger für Papst Franziskus zu wählen, der an Ostern gestorben ist. Um 18:07 Uhr zeigt weißer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle: Sie hatten Erfolg.
Der aus Chicago stammende Augustinermönch Robert Francis Prevost wird der erste US-amerikanische Pontifex: Er nennt sich Leo XIV. Erst zwei Jahre zuvor war er nach langjähriger Bischofszeit in Peru nach Rom zurückgekehrt, um dort das Dikasterium für die Bischöfe zu leiten.
Seine erste Botschaft ist ein Friedensgruß
Frieden macht der frischgewählte Papst zum Kernanliegen seiner ersten Ansprache auf der Loggia des Petersdoms und stellt klar: "Ich möchte, dass dieser Friedensgruß in euer Herz eingehe, eure Familien erreiche, alle Menschen, wo immer sie seien, alle Völker, die ganze Erde." Diese Friedensbotschaft wird zum Leitmotiv seines ersten Jahrs im Amt.
Und zum Anlass, dass sich sogar Donald Trump mit diesem Mann anlegt, der seit Beginn des Pontifikats seine Vision von einem "entwaffneten und entwaffnenden Frieden" predigt. Der Papst kämpft für das, was früher einmal als christlicher Pazifismus Markenkern der Kirchen war. Und das heute selten zu hören ist.
Präsidiale Provokationen scheitern an päpstlicher Gelassenheit
Er sei "kein Fan" von Leo, der sei zu liberal, schimpft Trump, nachdem der Papst mehrfach den US-amerikanischen und israelischen Krieg gegen den Iran kritisiert hatte. Christen, so stellt er fest, kennen nur die Sprache des Friedens. Und müssen damit rechnen, dafür verlacht zu werden.
In dieser Woche hat der amerikanische Präsident noch einmal nachgelegt. Leo würde es wohl in Ordnung finden, wenn der Iran über eine Atomwaffe verfüge. Den Papst beeindruckt solche Kritik nicht oder nicht mehr. Auf die jüngsten Einlassungen Trumps sagte er am Dienstag: "Wenn mich jemand dafür kritisieren will, dass ich das Evangelium verkünde, möge er bei der Wahrheit bleiben." Und betonte weiter, dass die Kirche seit Jahren gegen jede Form von Nuklearwaffen sei.
Trotz Trump-Attacken: Annäherung zwischen Leo und USA
Und während Trump weiter gegen den Papst austeilt, gab es am Donnerstag ein Zeichen der Entspannung: Leo traf sich mit dem US-Außenminister Marco Rubio. Der Vatikan sprach nach der Audienz von herzlichen Gesprächen, "das gemeinsame Engagement zur Pflege guter bilateraler Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und den Vereinigten Staaten" sei dabei erneuert worden.
Leo jedenfalls zeigt kein Interesse an einer Fortsetzung des Wortgefechts mit Donald Trump. Er will offenbar kein Anti-Trump sein. Als wäre das etwas Persönliches. Ihm geht es um das Thema: Krieg und Frieden.
Friedensbotschafter mit vorsichtigem Reformkurs
Auch wenn viele Leo im ersten Jahr seines Pontifikats als sehr ruhig und zurückhaltend wahrgenommen haben, eins ist deutlich geworden: In der Welt ist Leo ein Friedensbotschafter und in der Kirche versucht er, den vorsichtigen Reformkurs seines Vorgängers Franziskus fortzusetzen. Er agiert dabei diplomatischer, weckt keine großen Hoffnungen auf Reformen.
So wie neulich, beim Rückflug von seiner Afrikareise, als er gefragt wurde, was er denn davon halte, dass nun im Erzbistum München und Freising offiziell Segensfeiern für homosexuelle Paare möglich sind und darauf antwortete, aktuell würden sie "mehr Uneinigkeit als Einheit stiften". Doch auch wenn er sich von der Vorgehensweise der deutschen Bischöfe distanzierte, sprach er kein definitives Urteil, blieb eben diplomatisch. In dem "Heute ist das nicht möglich" könnte auch ein "Vielleicht morgen" stecken.
Marx: "Stimme der ganzen Menschheit"
Münchens Kardinal Reinhard Marx würdigt Papst Leo XIV. indes anlässlich des ersten Jahrestages seiner Wahl als "Stimme der ganzen Menschheit". Gerade in turbulenten Zeiten werde eine neue Aufmerksamkeit für den Dienst des Petrus sichtbar, so Marx. Der Papst handle ohne nationale und ökonomische Interessen.
In der Kirche scheint Leo bisher zugunsten der Einheit Reformen hinauszuzögern. In der Weltpolitik geht er seinen Weg, und fordert zugleich Einsatz und Verantwortung von jedem Einzelnen.
Im Video: Ein Jahr Papst Leo XIV.
Ein Jahr Papst Leo XIV.
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