(Archivbild) Georg Baselitz
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Ein Klassiker: Der Maler Georg Baselitz ist gestorben

Ein Klassiker: Der Maler Georg Baselitz ist gestorben

Georg Baselitz war einer der wichtigsten deutschen Künstler der Gegenwart, ein Malerfürst, der seinen Ruhm auch seiner Provokationslust verdankte. Noch zu Lebzeiten wurde er zu einem Klassiker. Jetzt ist Baselitz im Alter von 88 Jahren verstorben.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Abend am .

Georg Baselitz ist im Alter von 88 Jahren verstorben, wie am Donnerstag die "Welt" aus seinem Umfeld, der "Spiegel" unter Berufung auf sein Atelier und weitere Medien berichteten. Baselitz zählte zu den weltweit bedeutendsten deutschen Künstlern.

Baselitz drehte die Bilder um

Georg Baselitz war ein ikonischer Künstler, ein Maler, dessen Werke man schon aus großer Entfernung in vielen Museen der Welt ganz klar erkennen kann. Die Baselitz-Pranke, wild malend, Holz spaltend, Farben verreibend, hat auf ihnen unverwechselbare Spuren hinterlassen. Und nicht nur, weil auf manchen Arbeiten das Sujet um 180 Grad gedreht wurde, ein Trick, mit dem Baselitz verhindern wollte, dass man zum Beispiel in einem stürzenden Adler nur einen fallenden Vogel sah und nicht vor allem ein Bild.

Georg Baselitz ist immer auch ein temperamentvoller Gesprächspartner gewesen, ein öffentlicher Sachwalter seiner Kunst. Es ist selten, dass das ein bildender Künstler dieses Metier so gut beherrscht.

Im Video: Einer der wichtigsten deutschen Künstler der Gegenwart

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Georg Baselitz

Auf Kriegsfuß mit dem sozialistischen Realismus

Außerdem machte er keine Kompromisse. Weil er sich beim Kunststudium in der DDR nicht mit dem verordneten "sozialistischen Realismus" anfreunden wollte, legte er sich so lange mit dem Kunstregime an, bis er wegen "gesellschaftlicher Unreife" in den Westen Berlins wechseln konnte.

Dort stand er dann gleich wieder quer zum Trend und zu allen Moden. Es war die Zeit, in der sich nur abstrakte Malerei modern nennen durfte. Georg Baselitz aber schuf fast ausschließlich Figuratives. Er stellte sich damit in eine in den 60er Jahren nur noch von dem Engländer Francis Bacon gepflegte Tradition.

Immer expressiv

Und dann die Motive: Soldaten mit offenen Hosen. Tiefbraun-hässliche Wälder. Und: Ein kleines Männchen, das in einen Eimer onaniert. "Die große Nacht im Eimer" heißt dieses Gemälde, das 1963 einen Kunstskandal provozierte. Langfristig sollte diese erfolgreiche Provokation der Bekanntheit von Georg Baselitz zuträglich sein. Kurzfristig brachte sie ihn an den Rand der Privatinsolvenz.

Typisch für Baselitz ist auch sein expressiver Farbeinsatz. Baselitz malte gern mit der Leinwand auf dem Fußboden. Spuren seiner Finger und sogar seiner Füße sind die logische Folge. Seine Holzskulpturen schuf der Sammler afrikanischer Plastiken und von Alt-Meister-Graphik mit der Kettensäge.

Bis ins hohe Alter veränderungsbereit

Bis ins hohe Alter blieb Georg Baselitz also ein junger, wilder Künstler. Immer wieder verstand er es, durch neue Werkideen seinen Kunstgenerator anzuwerfen. Einmal entstanden acht Jahre lang "Russenbilder", Werke des Sozialistischen Realismus seiner Jugend, nachgemalt mit der Baselitz-Pranke. Danach "Remix": Sein eigenes Frühwerk noch einmal neu interpretiert – sehr viel bunter, weniger dunkeldeutsch.

Schon zu Lebzeiten war Baselitz ein Klassiker. Und auch ein Künstlerfürst, irgendwie.

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