Der 74-jährige russische Präsident am Schreibtisch
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Arbeit am Geburtstag: Wladimir Putin bei einer Online-Konferenz im Kreml
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Arbeit am Geburtstag: Wladimir Putin bei einer Online-Konferenz im Kreml

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"Er ist vorsichtiger geworden": Verändert das Alter Putin?

"Er ist vorsichtiger geworden": Verändert das Alter Putin?

Zu seinem 74. Geburtstag bekam Putin viele Huldigungen systemtreuer Landsleute, während Exilanten und Kritiker darüber spekulieren, wie lange er wohl noch an der Staatsspitze stehen werde. Mancher hat errechnet, dass Putin noch zehn Jahre bleiben.

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"Putin ist im vergangenen Jahr noch vorsichtiger geworden. Dieses Jahr reiste er immer häufiger nach Sibirien oder hielt sich im Kreml auf. Vorsicht prägt sowohl sein Verhalten bei politischen Entscheidungen als auch bei deren Geschwindigkeit", so einer der russischen Beobachter in einer Analyse zum 74. Geburtstag von Putin am 7. Oktober [externer Link]. Weil der Aufenthaltsort Putins jeweils geheim gehalten werde, habe sich die Zahl seiner persönlichen Kontakte weiter verringert.

"Emotionen sind zulässig geworden"

Auch angebliche Wesensveränderungen sind dem Kommentator aufgefallen: "Er hat zunehmend begonnen, sich zu öffnen und seine innersten Gefühle öffentlich zu zeigen. Was einst die 'Maske eines Agenten' war, wird nun durch die Gefühlswelt eines älteren Mannes ersetzt. Emotionen und Stimmungen sind bei Entscheidungen zulässig geworden."

Zum Geburtstag bekam Wladimir Putin Glückwünsche von Landsleuten aus der Raumstation ISS und einer Forschungsstation in der Arktis, sowie zahlreiche Lobeshymnen von Kindergarten-Kindern, russischen Politikern und systemtreuen Bloggern. Allerdings fiel dem Exil-Nachrichtenportal "Meduza" auf [externer Link], dass kaum einer der behördlichen Gratulanten das Alter des Präsidenten erwähnte.

Die staatliche Nachrichtenagentur TASS versicherte, Putin habe seinen Geburtstag der Arbeit gewidmet. In einem Innenhof des St. Petersburger Anwesens, wo er seine Kindheit verbrachte, wurde eine pompöse Wandmalerei mit einem Putin-Zitat angebracht [externer Link]: "Das Geheimnis des Familienglücks ist Liebe."

Forschungsgelder für Langlebigkeit

Kremlkritische Beobachter beschäftigen sich vor allem mit der Frage, wie rüstig Putin noch ist und wie lange er mutmaßlich an der Macht bleiben wird. Exil-Blogger Dmitri Kolesew machte sich in seinem Youtube-Kanal sogar die Mühe [externer Link], US-Studien über die durchschnittliche Lebenserwartung von medizinisch gut versorgten, aber auch viel gestressten Staatschefs auszuwerten und kam zum Ergebnis, dass Putin vermutlich noch ungefähr zehn Jahre vor sich hat.

Blogger Stanislaw Belkowski verwies allerdings darauf [externer Link], dass Putin erklärter Fan der Langlebigkeit sei und gerade ein umgerechnet 26 Milliarden US-Dollar teures Programm zu deren Erforschung auf den Weg gebracht habe.

Putins Erfolgsrezept sei "maximale Macht bei minimaler Verantwortung", so Belkowski: "Wird es jemals einen Zeitpunkt geben, an dem Putin auch für Dinge zur Rechenschaft gezogen wird, mit denen er gar nichts zu tun hatte? Natürlich. Das ist in der Geschichte immer so. Daher ist seine Hauptaufgabe, alle Zeitgenossen zu überleben. Damit niemand, der etwas mit eigenen Augen gesehen hat, auch nur ein Wort sagen kann."

"Fitness als Führungsbotschaft"

Politologe Wadim Popow meinte [externer Link]: "Putin ist wohl der einzige Staatschef weltweit, für den körperliche Fitness nicht nur eine Imagefrage, sondern Teil seiner Führungsbotschaft geworden ist. Die Formel ist einfach: Ich habe die Ressourcen, also hat das System die Ressourcen."

Allerdings entdeckte einer der Kommentatoren dabei eine Schwachstelle [externer Link]: "Ein System, das auf dem Bild einer unersetzlichen Führungskraft basiert, ist gezwungen, dieses Bild ständig zu bestätigen. Und je länger diese Bestätigung anhält, desto teurer wird es, wenn die Wissenschaft nicht mehr in der Lage ist, das Hauptdefizit auszugleichen – Institutionen, die ohne diese eine Person nicht mehr funktionieren können."

"Alle sehen ihn ungefähr gleich"

Exil-Blogger Oleg Kaschin bilanzierte [externer Link]: "Die gesamte russische Politik, die gesamte russische Geschichte, ist derzeit in Erwartung seines Abgangs erstarrt. Das Einzige, wofür man ihm dankbar sein kann, ist, dass er durch seine Unveränderlichkeit und den Mangel an Alternativen dafür gesorgt hat, dass all seine Zeitgenossen, die ihn überleben werden, ihm getrost die Schuld für alles geben können, auch für Dinge, die außerhalb seiner Kontrolle liegen."

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Solange Putin regiere, werde sich in Russland nichts mehr verändern, argumentiert Kaschin: "Die Menschen um ihn herum, seine Untertanen, die Soldaten im Krieg, die einfachen Leute im Hinterland, die neuen Stillen, die aktiven Loyalisten, die Gefangenen und die Emigranten – sie alle sehen ihn ungefähr gleich: Jetzt ist er da, und das bedeutet, dass alles stillsteht, eingefroren ist, in einer Sackgasse steckt."

"Aufbau imperialer Größe"

In der in Amsterdam erscheinenden "Moscow Times" fragt sich Kolumnist Kirill Karatjan [externer Link], worin sich Putin eigentlich von Stalin unterscheidet. Seine Antwort: Stalin habe sich weniger an Konventionen gehalten, dafür sei Putin sehr viel zynischer bei "willkürlicher Rechtsprechung".

"Stalin verschwendete Menschenleben in Lagern, Deportationen und Terror", so Karatjan, "Putin verschwendet sie vor allem im Krieg in der Ukraine. Die Mechanismen sind nicht vergleichbar, doch in beiden Fällen wird das Leben der Bürger zur Ressource degradiert für die Erfüllung einer großen nationalen Aufgabe, zum Rohstoff für den Aufbau imperialer Größe."

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