Kiwi, Kohlrabi, Brokkoli: An diese Speisen denkt Gabi Michl, wenn heute, am Aschermittwoch, für Christen die Fastenzeit beginnt. Denn bald startet ihre "Grüne Fastenwoche", bedeutet: Sie isst dann nur noch grüne Lebensmittel. Sie ist überzeugt, dass das darin enthaltene Chlorophyll ihrem Körper hilft.
Fasten, Yoga und viel Ruhe
"Ich freue mich auf das Fasten, weil es mir so guttut", sagt die 62-Jährige. Ihre Haut werde dadurch reiner, sie fühle sich wohler. Begleitend zum Fasten macht sie täglich mehrere Stunden Yoga, meditiert und gönnt sich viel Ruhe.
Das erste Mal entschied sich Gabi Michl für das Fasten, als sich bei ihr die Hormone veränderten, bedingt durch die Wechseljahre. Plötzlich kam sie aus dem Gleichgewicht, körperlich und seelisch.
Fasten hat sich zum Lifestyle entwickelt
Ihr Beispiel zeigt: Fasten ist längst kein rein religiöses Ereignis mehr, das etwa auf die 40 Tage vor Ostern oder auf den Ramadan beschränkt ist. Es hat sich zu einem Gesundheitstrend und Lifestyle entwickelt, der auf körperliche Regeneration, Gewichtsmanagement und gesteigertes Wohlbefinden abzielt.
Viele Christen fasten ab heute 40 Tage lang bis Ostern. Das Besondere in diesem Jahr: Auch die Muslime tun das ab morgen früh - beim Ramadan.
Sehr beliebt ist zum Beispiel der "Dry January", auf Deutsch "trockener Januar". Menschen, die sich diesem Trend aus Großbritannien anschließen, trinken im Januar keinen Alkohol. Auch das Intervallfasten ist sehr bekannt, mit der 16/8-Stunden-Regel. Das bedeutet, dass 16 Stunden lang auf Nahrung verzichtet wird, also entweder Frühstück oder Abendessen ausgelassen wird.
DAK-Umfrage: Bayern verzichten in erster Linie auf Süßes
Vor allem junge Menschen in Deutschland halten Fasten für sinnvoll. Das legt eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK nahe. Demnach finden es 85 Prozent der unter 30-Jährigen sinnvoll, auf Genussmittel und Konsumgüter zu verzichten. Allgemein hat jeder zweite Befragte schon mehrmals gefastet. In Bayern verzichten die Menschen laut Umfrage der DAK am häufigsten auf Süßigkeiten, außerdem auf Alkohol und Fleisch. Zwei von fünf, die fasten, versuchen das Rauchen aufzugeben, jeder Vierte will auf Smartphone und Internet verzichten.
Religionswissenschaftler: Jedes Fasten öffnet Blick für das Wesentliche
Ganz egal, ob man aus religiösen Gründen fastet oder eher für das gesundheitliche Wohlbefinden: Fasten könne immer ein persönlicher Gewinn sein, weil es Blick für das Wesentliche öffne, sagt der Theologe Andreas Renz. Er leitet den Fachbereich Dialog der Religionen im Erzbistum München und Freising. "Ein Mensch, der fastet, konzentriert sich mehr auf sich selbst", so Andreas Renz, "und wird so vielleicht dann auch wieder offener für seine Mitmenschen".
Darüber hinaus könne er wieder stärker seine Beziehung zu Gott oder zum Transzendenten entdecken, je nachdem, welche Vorstellungen der Einzelne habe. Übrigens: Der Theologe fastet selbst ab Aschermittwoch, er verzichtet dann auf Schokolade – was ihm schwerfällt.
Bei Gabi Michl indessen wirkt die "Grüne Woche" mittlerweile auch außerhalb der Fastenzeit nach: Sie startet inzwischen jeden Tag mit einer Kiwi auf dem Teller.
Auf TikTok: Side-Facts zum Fastenmonat Ramadan
Außerdem auf TikTok: Bier trinken, um zu Fasten?
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