Im Bühnenbild seiner aktuellen Welt-Tournee
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Rapper Kanye West, auch bekannt als Ye, bei einem Auftritt am 6. Juni in Arnheim
Bildrechte: Ramon van Flymen/Picture Alliance
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Rapper Kanye West, auch bekannt als Ye, bei einem Auftritt am 6. Juni in Arnheim

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"Hauch von Schizophrenie": Putin lässt Kanye West-Konzerte zu

"Hauch von Schizophrenie": Putin lässt Kanye West-Konzerte zu

Die Ankündigung bringt russische Propagandisten in Gewissensnöte: Ausgerechnet der mit rechtsextremistischen Äußerungen aufgefallene US-Rapper Kanye West soll in St. Petersburg auftreten. Kritiker sprechen von einer "leicht unheimlichen Atmosphäre".

Über dieses Thema berichtet: BR24 Mastodon am .

"Hauptsache, er vermeidet es, in Leningrad, das die Belagerung [durch die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg] überstanden hat, mit einem Hakenkreuz-T-Shirt aufzutreten", so die russische Propagandistin und Netz-Zensur-Aktivistin Ekaterina Misulina [externer Link] zur überraschenden Ankündigung zweier Konzerte des US-Rappers Ye, früher als Kanye West bekannt, im jetzigen St. Petersburg am 10. und 11. Oktober. Die Karten für die Auftritte kosten zwischen umgerechnet 90 und 1.600 Euro und waren in wenigen Stunden ausverkauft.

Russische Politiker und Meinungsmacher sehen sich in diesem Fall einem ideologischen "Härtetest" ausgesetzt, denn Kanye West, einer der weltweit bekanntesten und umstrittensten Rapper, fiel in den vergangenen Jahren immer wieder mit wüsten rechtsextremistischen Wortmeldungen auf. So bekannte er 2022, er "liebe" Hitler, wofür er sich später entschuldigte, nur um danach abermals zu betonen, er sei ein "Nazi".

Die russische Propaganda bezeichnet allerdings konsequent die ukrainische Regierung als "Nazi-Regime" und will den Eindruck erwecken, das Land kämpfe, wie einst im Zweiten Weltkrieg, gegen "Nazis" im In- und Ausland.

"Moralische Standards verlieren an Bedeutung"

Entsprechend wild tobt der Streit unter russischen Beobachtern um Kanye Wests Tournee-Station in St. Petersburg. So sprach die auflagenstarke Zeitung "Moskowski Komsomolez" von einer "leicht unheimlichen Atmosphäre" und kommentierte bemerkenswert ironisch [externer Link]: "In dieser Situation ist Kanye West, als Künstler mit einer offensichtlich paranormalen Ader, genau am richtigen Ort. Ein Hauch von Schizophrenie, der dem Charisma eines Stars nie schadet, wird (wenn alles gut geht) in einem vollkommen harmonischen Umfeld seinen Platz finden."

Einer der anonymen russischen Publizisten meinte sarkastisch [externer Link]: "Es ist überraschend, dass die russische Kulturpolitik der letzten Jahre das Publikum darauf konditioniert hat, den Kampf gegen den Nationalsozialismus als zentralen Wert zu betrachten, und nun hat sie offenbar nichts gegen Amerikas exzentrischsten Hitler-Verehrer einzuwenden. Die Erklärung dafür ist vermutlich recht einfach: Ideologie eignet sich gut als außenpolitisches Instrument, aber viel weniger als Leitfaden für Konsumverhalten. Wenn es um das Konzert eines populären Künstlers geht, verlieren moralische Standards plötzlich an Bedeutung."

"Eine Art kulturelles Plebiszit"

Militärblogger Roman Aljechin (118.000 Fans) unterstellte seinen Landsleuten eine Abstimmung mit den Füßen [externer Link]: "Ich behaupte nicht, dass jeder Ticketkäufer damit gegen die Sowjetunion stimmt oder die amerikanische Politik unterstützt. Aber sie stimmen mit ihrer Aufmerksamkeit, ihrer Zeit und ihrem Geld ganz sicher für ein bestimmtes Kulturprodukt. Es ist eine Art kulturelles Plebiszit. Man kann so viel über die Konfrontation mit dem Westen, Souveränität, traditionelle Werte und unsere eigene Zivilisation reden, wie man will. Doch dann taucht ein amerikanischer Superstar auf – und Zehntausende unserer Landsleute sind bereit, viel Geld auszugeben, nur um mit ihm im selben Stadion zu sein."

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Polemisch heißt es in einem weiteren viel zitierten russischen Polit-Blog von Kommentator Pawel Kuckmirow [externer Link]: "Er ist also ein Nazi. Und trotzdem lassen sie ihn in ein Land, das 20 Millionen Menschen durch die Aggression derer verloren hat, die diese Symbole trugen. Sie lassen ihn nur deshalb rein, weil er zugestimmt hat, zu kommen."

"Geschmäcker sind verschieden"

Dagegen sagte die Ex-Schauspielerin Elena Drapeko, jetzt stellvertretende Vorsitzende im Kulturausschuss des russischen Parlaments [externer Link]: "Ich hoffe, er hat seine Meinung geändert und seine Haltung gegenüber Hitler und Russland korrigiert. Dass er uns besucht, ist eigentlich ein gutes Zeichen."

Propagandist Andrei Medwedew (185.000 Fans) wagte ebenfalls einen ideologischen Spagat [externer Link]: "Nun ja, Geschmäcker sind verschieden. Noch weniger mag ich den Hype um ein Verbot und die aufgeblasenen, hyperaktiven Verfechter des Guten. Mit solchen Leuten braucht man keine Feinde mehr. Nehmen wir also an, das Konzert würde verboten. Die Folge? Die russische Jugend wird sich wieder einmal fragen: 'Was kann der Staat denn noch alles verbieten?' Und sie wird anfangen, darüber nachzudenken, wohin sie gehen soll."

Der Konzert-Veranstalter in St. Petersburg behielt sich übrigens ausdrücklich vor, statt Kanye West andere Künstler auftreten zu lassen. Das nährte Spekulationen, ob der US-Rapper nicht doch kurzfristig wieder ausgeladen wird.

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