Die beiden Persönlichkeiten bei einer Pressekonferenz am 18. April 2025
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Geldgeber Hans Peter Haselsteiner (links) und sein "Erl-König" Jonas Kaufmann
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Geldgeber Hans Peter Haselsteiner (links) und sein "Erl-König" Jonas Kaufmann

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Jonas Kaufmann: Jetzt begeistert er seine Fans als "Erl-König"

Jonas Kaufmann: Jetzt begeistert er seine Fans als "Erl-König"

Der Star-Tenor leitet seit Ende 2024 die Tiroler Festspiele in Erl bei Kufstein. Die jetzt zu Ende gehende Wintersaison war zu 97 Prozent ausgebucht, die Begeisterung von Publikum und Geldgebern ist groß: "Vielleicht machen wir ihn noch zum Kaiser."

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"Jetzt müssen wir ja gar nicht mehr nach Wien fahren", so eine begeisterte Zuschauerin bei den Tiroler Festspielen in Erl bei Kufstein. Ihre Begründung: Die Stimmen seien so gut wie in der Staatsoper der österreichischen Hauptstadt und das Parken sehr viel bequemer. Tatsächlich ließ der österreichische Industrielle Hans Peter Haselsteiner, ehemals Vorstandschef des Baukonzerns Strabag und gleichzeitig Präsident der Festspiele im Inntal, eine beeindruckende Infrastruktur errichten. Das mehrstöckige Parkhaus ist für die Nutzer kostenlos, ebenso wie der Bus-Shuttle.

Die Künstler bekamen in Sichtweite des Kaisergebirges eine eigene, sehr großzügige Herberge spendiert. Kein Wunder, dass der Geldgeber und Opernmäzen Haselsteiner nur von positiven Reaktionen zu berichten weiß: "Was Erl ausmacht, ist, glaube ich, diese Einmaligkeit, in einem so geschlossenen und doch wunderbar naturverbundenen Raum arbeiten zu können, und meine größte Freude ist immer, dass die Künstler, die das erste Mal herkommen, alle oder zumindest alle, die ich kenne und gehört habe, den Wunsch geäußert haben, wiederzukommen."

"Rundherum glücklicher Präsident"

Gerade ging in Erl die Wintersaison mit Gaetano Donizettis düsterer schottischer Hochland-Romanze "Lucia di Lammermoor" zu Ende. Die Produktion war dreimal ausverkauft, die Begeisterung groß, vor allem wegen der Sängerstars, aber wohl auch wegen einer vergleichsweise konventionellen Inszenierung, die es nicht darauf anlegte, das Publikum zu provozieren oder zu verstören.

In Erl ist die Musik weit wichtiger als ihre aktuell-politische Interpretation. Künstler und Publikum wissen es zu schätzen, so Hans Peter Haselsteiner: "Ich habe mit Jonas Kaufmann einen Erl-König wiedergefunden, der den Namen verdient. Vielleicht können wir ihn auch noch zum Kaiser machen, aber auf jeden Fall nimmt er diese Rolle und diese Aufgabe in einer wunderbaren und großartigen Art und Weise wahr, so dass ich rundherum ein glücklicher Präsident bin."

"Kaufmann strahlt Begeisterung aus"

Star-Tenor Jonas Kaufmann als Festspielintendant? Das befremdete anfangs nicht wenige. Sie fragten sich, ob der vielbeschäftigte Sänger genug Zeit und Lust haben würde für Verwaltungsaufgaben oder doch womöglich nur eine Art Markenbotschafter sein würde.

Dabei sind die ersten Spielpläne von Jonas Kaufmann keineswegs ausschließlich populär ausgerichtet. Über die Jahreswende stand neben der erwähnten Belcanto-Oper "Lucia di Lammermoor" auch "La Sonnambula" von Vincenzo Bellini auf dem Spielplan, also eher Werke für Opern-Kenner und die Liebhaber italienischer Stimmakrobatik.

Geschäftsführer Andreas Leisner rühmt gleichwohl die Zusammenarbeit mit Jonas Kaufmann: "Ich glaube, dass Jonas Kaufmann sowohl intern als auch extern mit seinem Charisma, mit seiner Begeisterungsfähigkeit, eine Begeisterung für seine Arbeit ausstrahlt und mit dieser Hingabe, mit dieser zielsicheren Nase für Qualität, für das Außergewöhnliche, das Publikum überzeugt. Ich glaube, es ist nicht nur sein großer, verdienter Ruhm, sondern eben auch seine Begeisterung und seine Kompetenz."

"Das bleibt einem dann"

In den vergangenen Jahren haben die Tiroler Festspiele Erl durchaus auch Negativschlagzeilen gemacht. Insofern scheinen jetzt alle aufzuatmen, dass mit Jonas Kaufmann ruhigere Zeiten anbrechen, in denen die Kunst im Mittelpunkt steht.

Als Ex-Bauindustriellem war Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner die Opernleidenschaft übrigens nicht in die Wiege gelegt – umso verdienstvoller, wie nimmermüde sich der in Wörgl geborene Mäzen für den Standort Erl einsetzt: "Ich bin ja ein Tiroler, war aber weit weg oder verhältnismäßig weit weg vom Musiktheater, weil das Landestheater Innsbruck, das ja ein Dreisparten-Theater ist, für mich schwer erreichbar war, weil ich in Lienz im Internat war. Aber insgesamt war es so, dass ich frühzeitig das Privileg hatte, Musik und Oper kennenzulernen. Und das bleibt einem dann."

Schon über die Osterfeiertage geht es in Erl mit Wagners "Parsifal" weiter. Im Sommer wird der "Fliegende Holländer" Premiere haben, sowie sehr selten zu erlebende "lyrische Szenen" über die letzten Minuten im Leben der ägyptischen Königin Kleopatra, vertont von Hector Berlioz. Die Tiroler Festspiele bleiben somit ein Ziel für Neugierige und Kenner, und davon gibt es in der Region erstaunlich viele.

Dieser Artikel ist erstmals am 5. Januar auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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