Der russische Präsident am Schreibtisch (13. Juli 2026)
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Wladimir Putin: Ideologische Defizite?
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Wladimir Putin: Ideologische Defizite?

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"Krieg als Safari": Befindet sich Putin in ideologischer Krise?

"Krieg als Safari": Befindet sich Putin in ideologischer Krise?

Die offiziellen Kriegsziele des Kremls werden immer nebulöser, was vor allem nationalistische Ultra-Patrioten zunehmend verunsichert. Während sich die einen nach mehr ideologischem "Kampfgeist" sehnen, wollen andere zurück zur (alten) Normalität.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Mastodon am .

"Unsere Stärke liegt darin, dass wir alle Schwierigkeiten und Ängste überwinden, das hat uns stark gemacht. Und genau deshalb schreiten wir natürlich immer weiter voran", versuchte der russische Präsident Wladimir Putin seinen Landsleuten Mut zu machen [externer Link]: "Unsere Truppen werden ihre Aufgabe erfüllen und alles tun, um die Ziele der speziellen Militäroperation zu erreichen." Dabei definiert er neuerdings die Eroberung des ostukrainischen Donbass-Gebiets als "Hauptaufgabe" des Krieges.

"Karthago muss zerstört werden"

Gerade deshalb kommen selbst bei russischen "Ultra-Patrioten" ideologische Zweifel auf. Sie sind über die schwammigen Kriegsziele mehr und mehr verunsichert. So vermisste einer der mit 300.000 Fans wichtigsten anonymen russischen Militärblogger eine griffige "Erfolgsformel" in der Argumentation des Kremls [externer Link]: "Es bedarf einer konkreten ideologischen Motivation, die der Bevölkerung und der Armee genau vermittelt, wofür dieser blutige Krieg geführt wird. Für jeden Menschen steht das persönliche Wohlergehen an erster Stelle. Wenn man den Menschen vergängliche, unerreichbare Ziele in Aussicht stellt, wird man sie kaum dazu bewegen, Entbehrungen zu ertragen und unaufhörlich zu kämpfen."

Der Kommentator erinnerte gleichnishaft an den langjährigen Krieg zwischen Rom und Karthago in der Antike. Damals habe Rom sein Kriegsziel auf das später berühmt gewordene Propaganda-Schlagwort verdichtet: "Karthago muss zerstört werden." Fazit: "Die Menschheit hat sich seither kein bisschen verändert."

"Nicht zu gewinnen, ist absurd"

Diese Ansicht teilt der rechtsextreme "Philosoph" und Propagandist Alexander Dugin [externer Link]: "Es braucht ein Ziel. Die Option, nicht zu gewinnen, ist absurd. Deshalb muss der Krieg ins öffentliche Bewusstsein dringen. Wir begreifen die Tiefe und Unumkehrbarkeit unseres Bruchs mit dem Westen noch nicht vollständig. Der Sieg findet zuerst in Kampfgeist und -willen statt, erst danach im Äußeren."

Der in London lehrende Politologe Wladimir Pastuchow schreibt über die russischen Selbstzweifel [externer Link]: "Die gegenwärtige Krise ist weniger militärischer, wirtschaftlicher oder logistischer Natur als vielmehr ideologischer und psychologischer. Die Gesellschaft, die den Krieg entfesselt hat (oder der Minderheit, die ihn entfesseln wollte, passiv nachgegeben hat), erwies sich als unvorbereitet auf eben diesen Krieg. Als sie ihm gegenüberstand, erkannte sie ihn nicht."

Daher sei es für Putin eine Frage des politischen Überlebens, die Russen auf einen "normalen Krieg" einzustellen: "Putins Regime erlebt keinen militärischen Zusammenbruch, sondern den Zusammenbruch seiner seltsamen und etwas verklärten Vorstellungen von Krieg als Safari."

"Mental in den Kriegsmodus wechseln"

Im russischen Fachblatt "Global Affairs" forderte Ex-Agent und Propagandist Andrei Besrukow ebenfalls die ideologische Aufrüstung [externer Link]: "Sieg oder Niederlage wird davon abhängen, wer mehr Menschen für sich gewinnen kann, vor allem talentierte und fähige Menschen, sowohl aus dem eigenen Land als auch von außen. Wer sie besser zu Geduld und Hingabe motiviert."

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Besrukow verlangte von seinen Landsleuten, den Krieg als "neue Normalität" zu akzeptieren: "Zu erwarten, dass alles bald ein Ende hat und wir zu unserem alten Leben zurückkehren können, bedeutet, uns selbst zu täuschen. Nach viereinhalb Jahren Ukraine-Konflikt ist es an der Zeit, organisatorisch und vor allem mental in den Kriegsmodus zu wechseln."

"Erschöpfung, Angst, Frustration"

Im scharfen Kontrast dazu argumentiert Politologe Ilja Graschtschenkow [externer Link]: "Die Gesellschaft kann nicht auf Dauer im Ausnahmezustand leben. Mobilisierungsrhetorik mag die Menschen vorübergehend dazu zwingen, persönliche Pläne auf Eis zu legen und Einschränkungen zu erdulden. Doch dann machen sich Erschöpfung, Angst und Frustration breit. Statt sich fortzuentwickeln, beginnt der Staat zu kontrollieren, statt Probleme zu lösen, sucht er nach Schuldigen, und statt eines Ideenwettbewerbs entsteht ein Wettbewerb des Radikalismus."

Graschtschenkow warnt ausdrücklich vor einer "neuen" Normalität und sehnt sich nach der alten: "Ein starker Staat ist nicht einer, der seine Bürger ständig in Angst und Schrecken versetzt. Ein starker Staat ist in der Lage, die Souveränität zu schützen und gleichzeitig ein normales Leben im Land zu gewährleisten."

Einer der anonymen Militärblogger (144.000 Fans) stellte den "Verfall der Moral" in Armee und Gesellschaft fest und warnte davor, allein auf (altrömische) Zerstörungswut zu setzen [externer Link]: "Es bedarf auch einer positiven Dimension: Frieden, Sicherheit, Entwicklung, Gerechtigkeit – etwas, wofür es sich zu leben lohnt, nicht nur zu sterben."

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