12.09.2026, Italien, Venedig: Yuval Abraham (l) und Rachel Szor nehmen im Rahmen der Abschlusszeremonie der 83. Ausgabe der Filmfestspiele von Venedig den Sonderpreis der Jury für den Film „Naza“ entgegen.
12.09.2026, Italien, Venedig: Yuval Abraham (l) und Rachel Szor nehmen im Rahmen der Abschlusszeremonie der 83. Ausgabe der Filmfestspiele von Venedig den Sonderpreis der Jury für den Film „Naza“ entgegen.
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Die beiden "NAZA"-Regisseure Yuval Abraham und Rachel Szor bei den Filmfestspielen in Venedig.
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Die beiden "NAZA"-Regisseure Yuval Abraham und Rachel Szor bei den Filmfestspielen in Venedig.

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"NAZA": Das ist der Film, der Israels Politik aufbringt

"NAZA": Das ist der Film, der Israels Politik aufbringt

Der Film "NAZA", der bei den Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet wurde, sorgt für Gesprächsstoff. Die israelische Regierung kritisiert den Film, der von israelischen Bombardements auf Gaza und palästinensischen Zivilsten handelt, scharf.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Bei den Filmfestspielen in Venedig hat der Film, der dort im Wettbewerb lief, über 25 Minuten Standing Ovations erhalten - "NAZA" von den israelischen Regisseuren Yuval Abraham und Rachel Szor. Er wurde mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet.

Yuval Abraham, der aus einer Familie von Holocaustüberlebenden stammt, nutzte die Bühne, um mit bewegenden Worten darauf hinzuweisen, dass auch während der elf Tage der Filmfestspiele zahlreiche Kinder in Gaza Opfer des andauernden israelischen Bombardements geworden seien. Er forderte namentlich von den Ländern Italien und Deutschland ein Ende der militärischen Unterstützung Israels. Aus Tel Aviv folgt eine rasche Antwort.

Reaktionen aus der israelischen Politik

Der israelische Kulturminister Miki Zohar will den beiden Filmemachern die Staatsbürgerschaft entziehen, "da sie bereit seien, ihrem Heimatland zu schaden, um Beifall von Antisemiten auf der ganzen Welt zu erhalten." Der rechtextreme Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir bezeichnete Abraham und Szor als "Schande für das gesamte israelische Volk" und forderte die beiden auf, "zu verschwinden." Dabei haben Zohar und sein Kollege - wie auch die israelische Öffentlichkeit - den Film noch gar nicht gesehen, der nun vor den bevorstehenden Wahlen in Israel für heftige Diskussionen sorgen wird.

Dokumentarfilm über israelische Bombardements in Gaza

Abraham und Szor zeigen in ihrem aufwühlenden Dokumentarfilm, der von "The Zone of Interest"-Regisseur Jonathan Glazer koproduziert wurde, den militärischen Alltag des Tötens, bei dem zivile Opfer kaltblütig und mit Berechnung in Kauf genommen werden. 24 israelische Soldaten und Geheimdienstmitarbeiter sprechen als Whistleblower, unkenntlich gemacht und verfremdet, in Interviews auf einem nächtlichen Hausdach in Tel Aviv über ihre Jobs in den elektronisch hochgerüsteten Einsatzzentralen. Es sind Berichte vom Einsatz hochmodernen Technologien, über KI generierte Software mit der Bezeichnung "Lavender", die das Töten von Zivilisten und das Verwüsten Gazas zum Bürojob per Mausklick pervertieren.

Interviews als Zeugnis einer Entmenschlichung

Der Film zeigt, dass hinter der Bombardierung der Hochhäuser Gazas und der zielgerichteten Tötung von Menschen System steckt. Es werden tausende Handys abgehört, um Hamas Mitglieder in ihren Privatwohnungen aufzuspüren. Und wenn man der Annahme ist, das "target", das Ziel, identifiziert zu haben, wird bombardiert - oftmals auf Verdacht und ohne Rücksicht darauf, wer sich noch schlafend in den Räumlichkeiten befindet.

Ein Interviewter berichtet von den Schreien dabei verbrannter Kinder, die er live abhören konnte. Einer sagt, dass sie die Kinder absichtlich töten. Die angebotene psychologische Betreuung brauche man nicht, man erfülle seine Mission. Ein weiterer meint, das tägliche Töten wie in einem Videospiel habe ihn nie belastet, er könne abends ruhig nach Haus gehen.

Man wird bei den Interviews Zeuge von Entmenschlichung, erfährt wie ein Interviewter die Frage knapp bejaht, ob er an einem Genozid beteiligt gewesen sei, erfährt wie die "Fabrik aus Zielen" “ mittels hochkomplexer Software arbeitet.

Zivilisten werden zu Naza-Werten

Jedem potenziellen Hamas-Ziel sei in der Software ein Naza-Wert zugeordnet. Alles unter 20 - also 20 zivile Opfer - bedürften keiner besonderen Erlaubnis. Ein Soldat erzählt, dass er einmal eine Freigabe für ein Ziel mit dem Wert 500 bekommen habe. Mehrere sagen aus, dass die zivilen Opfer, die man als "Naza" bezeichnet, nicht nur in Kauf genommen werden, sondern es politisch darum gehe, so viele Palästinenser wie möglich zu töten.

"NAZA" ist ein aufrüttelndes Dokument, das einen bestürzt, verzweifelt und zugleich wütend zurücklässt. Es ist ein konsequent aufgebauter Film jenseits von Manipulation und einseitiger Propaganda – vorausgesetzt die Aussagen der Mitwirkenden sind so zutreffend. Nur zweimal unterbrechen die Filmemacher ihren ruhigen Rhythmus der Interviews durch eingeflochtene Montagesequenzen. Einmal sieht man die Cinematheque Tel Aviv, in der eine Retrospektive der Werke des "Shoah"-Regisseurs Claude Lanzmann läuft und einen Ausschnitt aus der berühmten Holocaust-Doku, bei der eine Dampflok Richtung Treblinka fährt. Am Ende des Films steht eine Aufnahme aus Gaza, in der ein verzweifelter Vater weinend unter den Betontrümmern eines Hauses seine Kinder sucht.

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