Dreieinhalb Jahre ist das letzte Harry-Styles-Album "Harry's House" schon alt, die Fans mussten lange auf neue Musik von ihm warten. Heute Nacht war es dann so weit: Harry Styles hat sein viertes Studioalbum "Kiss All the Time. Disco, Occasionally." veröffentlicht.
Aber Harry Styles war schon immer extrem gut darin, seine Person und seine Musik in ein Geheimnis zu hüllen und seine Fans bei der Stange zu halten. Anfang des Jahres hat er ein mysteriöses Video veröffentlicht, das die Gerüchte um ein Comeback angeheizt hat. Plötzlich gab es Partys in ausgewählten Städten, bei denen Fans in eine Single reinhören durften. Diesen neuen Song, "Aperture", hat er am vergangenen Wochenende bei der Verleihung der Brit Awards in Manchester dann zum ersten Mal performt.
Rückschau auf eine intensive Zeit
Seit sich seine Boyband One Direction aufgelöst hat, hat Harry Styles zweifellos die spannendste Solokarriere der fünf Ex-Bandkollegen hingelegt, ist in glitzernden, bunten Outfits aufgetreten und hat mit Geschlechterklischees gebrochen. Er ist der männliche Popstar der Stunde, auch ein männliches Sexsymbol. Und seine Fans vereint – ähnlich wie bei Taylor Swift – ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl.
In den dreieinhalb Jahren seit dem letzten Album ist auch viel passiert. Sein One-Direction-Bandkollege Liam Payne ist 2024 verstorben: ein schlimmer Sturz von einem Hotelbalkon in Buenos Aires. Das hat Harry Styles extrem mitgenommen, wie er zuletzt in einem Interview mit Zane Lowe von Apple Music [externer Link] erzählt hat: "Es ist total schwer, einen Freund zu verlieren, der einem so ähnlich ist, in so vielerlei Hinsicht. Das war ein wirklich wichtiger Moment für mich, um einmal auf mein Leben zu schauen und zu mir selbst zu sagen: Okay, was möchte ich mit meinem Leben eigentlich anfangen? Und ich glaube, die beste Art, verstorbene Freunde zu ehren, ist, sein Leben in vollen Zügen zu leben."
Nachdenklich und trotzdem tanzbar
Das hat er auch gemacht: Harry hat eine Zeit lang in Italien gelebt, wurde bei der Papstwahl auf dem Petersplatz in Rom gesichtet. Und dann immer öfter in Berlin, wo er auch den Marathon in unter drei Stunden gelaufen ist. In Berlin hat er dann auch wieder angefangen, an neuer Musik zu arbeiten.
Rausgekommen ist dabei mit "Kiss All The Time. Disco, Occasionally." ein nachdenklicheres Album, ein Stück weit weg vom Sunshine-Pop. Was aber nicht heißt, dass es keine tanzbaren Songs auf dem Album gibt. Zum Track "Ready, Steady, Go!" zum Beispiel muss man sich einfach bewegen. Viele knackige Drums und satte Basslinien.
Allein im Berghain
Und trotzdem schwebt eine Grundmelancholie über dem Album. Harry Styles ist in Berlin auch im Berghain feiern gegangen, teilweise auch alleine – auch, wenn er gerade nicht weiterschreiben konnte im Studio. Und dort, im Club zwischen lauter Fremden, hat er zu sich gefunden, sagt er: "Ich erinnere mich daran, wie ich zum ersten Mal in Berlin ausgegangen bin und mitten auf der Tanzfläche stand: Da habe ich mich so unglaublich frei und sicher gefühlt. Ich hatte meine Hände in die Luft gestreckt, meine Augen geschlossen und spürte, wie mir die Tränen über das Gesicht liefen. Und ich fühlte mich so lebendig in diesem Moment."
So fühlt sich auch das Album an: Wie eine Nacht allein im Club, wo in einem Moment der Beat einen zum Tanzen bringt, und man im nächsten Moment melancholisch wird, weil man sich vielleicht in jemanden auf der anderen Seite der Tanzfläche verguckt.
Bei "Coming Up Roses" arbeitet Styles mit einem dicken Streichersound, was fast schon filmmusikreif klingt. Mitunter macht er es einem aber auch nicht einfach. Sein neuer Sound ist manchmal etwas sperrig, ungewohnt, aber es lauert trotzdem in jedem Song ein Hinhörer.
"Kiss All the Time. Disco, Occasionally." von Harry Styles ist am 06. März bei Columbia International (Sony Music) erschienen.
Kiss All The Time Disco Occasionally Cover
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