Auf der Münchner Sicherheitskonferenz am 13. Februar 2026
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Empört Putins Politblogger: Wang Yi (rechts) traf sich mit ukrainischem Amtskollegen Andrij Sybiha
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Empört Putins Politblogger: Wang Yi (rechts) traf sich mit ukrainischem Amtskollegen Andrij Sybiha

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"Nicht verlässlich": So beschimpfen Putins Propagandisten China

"Nicht verlässlich": So beschimpfen Putins Propagandisten China

Weil sich der chinesische und der ukrainische Außenminister auf der Münchner Sicherheitskonferenz trafen, sind russische Beobachter empört. Sie unterstellen Peking eine "kurzsichtige Strategie". Sogar eine "schleichende Annexion" wird befürchtet.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Mastodon am .

"Chinas Verhalten als 'Verbündeter' ist, gelinde gesagt, etwas merkwürdig", murrte der russische Polit-Blogger Andrei Medwedew (180.000 Fans, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen russischen Ex-Präsidenten). Nicht nur er zeigte sich sehr irritiert [externer Link], nachdem sich der chinesische Außenminister Wang Yi auf der Münchner Sicherheitskonferenz mit seinem ukrainischen Amtskollegen Andrij Sybiha getroffen und ihm "neue humanitäre Hilfe" in Aussicht gestellt hatte. Dazu Medwedew: "Auch wenn emotionale Untertöne hier sicherlich unangebracht sind, ist Chinas Kurs deutlich geworden: den Krieg länger am Köcheln zu halten, basierend auf den eigenen wirtschaftlichen Interessen."

Medwedew kritisierte Peking für eine angeblich "ziemlich kurzsichtige Strategie" und schlussfolgerte, Russland habe im Fernen Osten "keine verlässliche Unterstützung". Außerdem verbreitete der Kommentator die skurrile Verschwörungstheorie, China und Großbritannien hätten sich insgeheim gegen Moskau und Washington verbündet: "Dann sieht die Realität ganz anders aus als von den meisten Kommentatoren dargestellt."

Ähnlich grimmig äußerte sich der russische TV-Propagandist Sergei Mardan [externer Link]: "Chinesische Unternehmen sind die größten Lieferanten von Batterien und Generatoren in die Ukraine." Peking verfolge offensichtlich seine eigenen Ziele, und die seien "keinesfalls prorussisch", urteilte ein anonymer Kommentator mit 500.000 Followern [externer Link]. Idealismus sei fehl am Platz: "Unsere sonstigen Partner brauchen wir erst gar nicht zu erwähnen."

"China nicht sonderlich erfreut"

Weniger aufgebracht reagierte der russische Publizist Juri Barantschik [externer Link]: "Die chinesische Diplomatie strebt im Globalen Süden ein Gleichgewicht an, indem sie die Bereitschaft zum Dialog mit allen Parteien demonstriert und eine direkte Beteiligung am Konflikt [in der Ukraine] vermeidet. Das ist schlichtweg ein pragmatischer Ansatz seitens unserer chinesischen Partner, und nichts anderes war von ihnen zu erwarten."

Dmitri Drise, der Kolumnist des Wirtschaftsblatts "Kommersant", fragte sich und seine Leser [externer Link], ob Putin aus Chinas Sicht womöglich allzu aufdringlich um die Gunst von Donald Trump buhle: "Es scheint, als sei unser 'Freund und strategischer Partner' nicht sonderlich erfreut über Moskaus Versuche, sich mit Trump anzufreunden. Zugegebenermaßen hat die 'Wiederherstellung der Beziehungen' [zwischen Moskau und Washington] bisher nicht wirklich funktioniert. Dennoch ist die Absicht eindeutig vorhanden. Allerdings ist es durchaus möglich, dass Genosse Xi Jinping die besseren Chancen hat, als Erster die Wogen mit Amerika zu glätten."

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Ein weiterer viel zitierter russischer Polit-Blogger beneidete Europa mit Blick auf die Münchner Sicherheitskonferenz für dessen "zahlreiche Optionen" und den "stabilen Zustand", der bereits seit Jahrzehnten anhalte, was für Moskau nicht gelte [externer Link]: "Niemand denkt in Europa daran, lautstark eine 'Wende nach Westen' oder 'nach Osten' zu verkünden, denn eine solche Erklärung würde bedeuten, freiwillig auf die Hälfte der Entwicklungschancen und den Schutz von Interessen zu verzichten. Wenn doch bei uns nur jemand die richtigen Schlüsse ziehen würde."

"Schleichende Annexion der Äußeren Mandschurei"

Der kremlkritische Politologe Andrei Kalitin spekulierte [externer Link], Putin habe durch die wirtschaftliche Abhängigkeit von China längst seine politische Bewegungsfreiheit eingebüßt: "Chinas wirtschaftliche Expansion folgt einer strengen Logik. Peking setzt alles daran, Moskau nicht aus seinem Einflussbereich zu verlieren." Konservative politische Kreise in China erinnerten bereits "zunehmend an Gebietsansprüche gegen Russland im Fernen Osten". Gemeint sei damit die "Äußere Mandschurei", die aus Sicht Pekings im 19. Jahrhundert durch "ungerechte Verträge" an Russland abgetreten werden musste.

Das für Moskau sehr heikle Thema hatte Experte Filip Čápek in der asiatischen Fachzeitschrift "The Diplomat" aufgegriffen [externer Link]. Dort hieß es, eine gewaltsame Rückeroberung der umstrittenen Gebiete durch China sei zwar unwahrscheinlich, doch Pekings wirtschaftlicher und kultureller Einfluss in dieser südsibirischen Region habe deutlich zugenommen. Čápek spricht von einer "schleichenden Annexion": "Angesichts der zunehmend ungleichen Beziehungen zwischen Peking und Moskau könnte sich die Partnerschaft so entwickeln, dass China in der Äußeren Mandschurei noch mehr Handlungsspielraum erhält. Solange Putin und Xi ihre Partnerschaft durchhalten, muss Peking keine formale Souveränität über den russischen Fernen Osten ausüben, um voll davon zu profitieren."

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