der Rapper Bad Bunny bei einem Konzert.
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Stimme der hispanischen Community in den USA: der Rapper Bad Bunny.
Bildrechte: picture alliance / Chris Pizzello/Invision/AP | Chris Pizzello
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Rapper Bad Bunny: So politisch wird der Liveact beim Super Bowl

Rapper Bad Bunny: So politisch wird der Liveact beim Super Bowl

Eine Woche nach seinem Grammy-Erfolg tritt Rapper Bad Bunny in der Halbzeitshow des Super Bowl auf, was der US-Präsident für eine "fürchterliche Wahl" hält. Wer nun eine explizite Anti-Trump-Show erwartet, dürfe wohl enttäuscht werden.

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Nur eine Woche, nachdem der Musiker bei den Grammys abgeräumt hat, tritt der 31-jährige Benito Antonio Martínez Ocasio, besser bekannt als Bad Bunny, in der Halbzeitpause des Super Bowl am Sonntagabend auf. Viele im rechten Trump-Lager rufen deshalb zum Boykott auf. Der US-Präsident selbst bezeichnete die Entscheidung für Bad Bunny und den zweiten Showact, die auch nicht für ihre Trump-Sympathie bekannte Band Green Day, als "fürchterliche Wahl". Beide Acts würden "nur Hass säen". Er werde der Veranstaltung nicht beiwohnen, allerdings nicht aufgrund der Showacts, der Super Bowl sei einfach "zu weit weg".

"Wir sind keine Tiere"

Bad Bunny steht dabei für vieles, was das Trump-Lager verachtet. Als Puerto Ricaner ist er zwar US-Staatsbürger, singt aber auf Spanisch. Sein Grammy-veredeltes Album "Debí tirar más fotos" ist eine Hommage an seine Heimat Puerto Rico, es geht um Themen wie kulturelle Identität und Kolonialismus. Puerto Rico gehört erst sei 1898 zu den USA. Die dortigen Einwohner besitzen zwar die US-Staatsbürgerschaft – wählen dürfen sie in den USA aber nicht.

Bei der Grammy-Gala in der vergangenen Woche machte der Musiker keinen Hehl daraus, dass er Trumps Abschiebepolitik und die brutalen Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE verachtet: "ICE raus", forderte er. "Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Fremden: Wir sind Menschen und wir sind Amerikaner", sagte er mit Bezug auf US-Amerikaner mit hispanischem Hintergrund.

Entdeckt auf SoundCloud

Auch über Gerüchte, dass Bad Bunny womöglich in einem Kleid auftreten könnte, gab es in den vergangenen Tagen große Aufregung im Trump-freundlichen Netz. Außerdem stellten einige rechtsextreme Accounts die Staatsbürgerschaft des Rappers infrage – obwohl in der Vergangenheit bereits oft Künstler in der Superbowl-Halbzeit aufgetreten waren, die im Gegensatz zu Bad Bunny keine US-Amerikaner waren.

Bad Bunny wurde am 10. März 1994 als Sohn einer Lehrerin und eines Lkw-Fahrers geboren und wuchs in Vega Baja nahe der puerto-ricanischen Hauptstadt San Juan auf. Als Kind sang er im Kirchenchor, bevor er als Jugendlicher Beats am PC bastelte. Entdeckt wurde der Rapper 2016, als ein Musikproduzent auf seine Songs im Online-Netzwerk Soundcloud aufmerksam wurde. Nach knapp zehn Jahren hat er - gemessen an Abrufzahlen auf Spotify - inzwischen große Namen wie Taylor Swift und Drake überholt.

Befürchtete ICE-Festnahmen um den Superbowl 

Politisch äußert sich Bad Bunny vor allem seit den brutalen ICE-Einsätzen: In einem Interview im September verteidigte der Rapper seine Entscheidung, bei seiner Welttournee auf Konzerte in den USA zu verzichten. "Verdammte ICE-Leute könnten draußen stehen", sagte er dem "i-D"-Magazin. 

Derlei Befürchtungen haben auch viele beim Superbowl: Anfang Oktober erklärte Corey Lewandowski, Berater der Heimatschutzministerin, es gebe keinen Ort, an dem man Menschen, die sich "illegal in diesem Land aufhielten", einen sicheren Zufluchtsort bieten könne - nicht beim Super Bowl und auch nirgends sonst. "Wir werden sie finden. Wir werden sie festnehmen. Wir werden sie in eine Haftanstalt bringen. Und wir werden sie abschieben", so Lewandowski.

Deutliche politische Botschaften nicht erwünscht

Mit Blick auf den Super Bowl beschwichtigten die Veranstalter: Im und rund um das Stadion seien laut NFL keine ICE-Einsätze geplant. Außerdem stellte man sich gegen die Kritiker: Bad Bunny sei "einer der großartigsten Künstler der Welt", sagte NFL-Chef Roger Goodell. Der Super Bowl bringe "Menschen zusammen", dafür stehe auch Bad Bunny.

Wer nun eine große Anti-Trump-Show erwartet, dürfte enttäuscht werden. Allzu deutliche Polit-Statements sind von NFL-Seite nicht erwünscht. Jedes Element der Show, bis hin zu den Songtexten, ist vorab abgesprochen. Wer dagegen verstößt, bekommt Probleme: Die Sängerin MIA streckte 2012 unabgesprochen den Mittelfinger in die Kamera, woraufhin die NFL sie auf einen Schadensersatz in Millionenhöhe verklagen wollte.

Mit Informationen von dpa

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