Alec mit einer Porno-Darstellerin. Szene Aus "Truly Naked"
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"Truly Naked": Vom Unterschied zwischen Porno und Sexualität

"Truly Naked": Vom Unterschied zwischen Porno und Sexualität

Junge Menschen sind heute oft noch keine 14 Jahre alt, wenn sie das erste Mal mit Pornographie in Berührung kommen. Doch was macht das ihnen? Der Film "Truly Naked" erzählt von einem Jugendlichen, der in der Pornoszene groß geworden ist.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Morgen am .

Im Kino läuft heute ein Spielfilm an, der das Thema Pornographie auf sehr eigenwillige Art und Weise angeht: "Truly Naked" heißt der Film, über den bei seiner Weltpremiere auf der Berlinale im Februar viel diskutiert wurde. Die in den Niederlanden aufgewachsene Regisseurin Muriel d’Ansembourg, erzählt in "Truly Naked" von einem Teenager, der mit Pornographie groß geworden ist.

Alec ist introvertiert, klug, freundlich und zuvorkommend. Gerade ist er mit seinem Vater von London in eine Kleinstadt gezogen, hier hofft er auf einen Neustart: Die neuen Mitschüler sollen nicht wissen, womit der Vater sein Geld verdient: als Heimpornoproduzent mit sich selbst in der Hauptrolle. Und Alec ist stets dabei: als Kameramann und Cutter der Pornos trägt er zum Einkommen bei, trotzdem wachsen dem Vater die Rechnungen langsam über den Kopf: Das Geschäft bringt nicht genug ein.

Ein Jugendlicher beim Porno-Dreh: als Kameramann

Seinen Sohn lobt er immer wieder: Als Kameramann ist Alec richtig gut, er weiß, worauf es in den Videos ankommt, er macht das seit Jahren, die Darstellerinnen sind wie große Schwestern für ihn, er behandelt sie respektvoll. Doch dann ist da dieses Schulprojekt: Alec soll sich mit Porno-Sucht beschäftigen und weil die Lehrerin auch die weibliche Perspektive abgebildet haben will, arbeitet er schon bald mit der feministisch erzogenen Nina an dem Projekt. Beide sprechen ziemlich offen über das Thema: "Schon mal was von frauenfreundlichen Pornos gehört? – Ja. Guckst du sowas? – Nicht wirklich. Die würde es doch gar nicht geben, wenn normale Pornos nicht so krank wären. – Ich will es selbst rausfinden."

"Truly Naked" ist der erste Langfilm der Regisseurin Muriel d’Ansembourg und sie will viel: eine Coming-of-Age-Geschichte inmitten einer Heimpornoszene, dazu eine Vater-Sohn-Beziehung und auch noch ein Sozialdrama. Das wirkt etwas unentschieden, andererseits: Das wahre Leben beschränkt sich auch nicht auf ein Genre. Auch die Figuren sind komplex, der Vater liebevoll, aber auch übergriffig, – gespielt übrigens von Hangover- und Transformer-Star Andrew Howard – die Darstellerinnen voller Illusionen, dass sie an diesem Ort akzeptiert würden, wie sie sind, in Wahrheit geraten auch sie in Situationen, die sie überhaupt nicht wollen, etwa als beim Dreh ein riesiger Oktopus ins Spiel kommt.

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Caolán O'Gorman als Alec in "Truly Naked"

Natürlich weiß bald die ganze Schule Bescheid und natürlich kommen sich Alec und Nina schnell näher. Die feinfühlig inszenierten Intimszenen zwischen den beiden stehen in hartem Kontrast zu den Pornodrehs im Film, denn genau darum geht es ja, den Unterschied zwischen Porno und Sexualität klarzumachen. Am Ende stellen Alec und Nina fest, dass echte Intimität überhaupt nicht glamourös aussieht und dass Sex von außen betrachtet, ganz anders aussieht als er sich anfühlt.

"Nur die Blinden erkennen die Wahrheit über Sex und Schönheit", zitiert Alec seine verstorbene Mutter – dabei war auch sie Porno-Darstellerin. Aber natürlich hat gerade Alec in seinem jungen Leben schon viel zu viel gesehen, er war gerade fünf, als er seine Eltern das erste mal bei einem Pornodreh beobachtet hat. Natürlich hat das Aufwachsen inmitten der Pornowelt bei ihm Spuren hinterlassen. Alec muss lernen, nicht nur den Körper zu sehen, sondern den Menschen.

Ein Film für den Ethik-Unterricht?

Ja, der Film hat seine Schwächen: Er ist romantisch, hart, tiefsinnig, direkt, zart und poetisch: die Regisseurin zieht alle Register, zeigt was sie kann – und sie kann was –, aber es fehlt die klare Linie. Die Story ist alles in allem ziemlich erwartbar und der didaktische Unterton etwas zu laut – in gewisser Hinsicht wäre der Film perfekt für den Ethik-Unterricht.

Und trotzdem funktioniert "Truly Naked" erstaunlich gut. Newcomer Caolán O'Gorman und Safiya Benaddi verleihen der Verliebtheit ihren Figuren einen unbändigen Entdeckungsdrang, man spürt regelrecht, wie sie Neuland betreten.

Absolut sehenswert – ab 16: Denn natürlich kann man keinen Film über die Pornoszene machen ohne Sexszenen zu zeigen, auch wenn der intimste Intimbereich sehr geschickt ausgespart bleibt.

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