Green-Lantern ist ein Superheld, der die Welt beschützt: Ein weißer Mann mit einer Laterne als Retter der Galaxie. So wurde die Geschichte bisher erzählt. Die HBO-Serie "Lanterns" macht es anders. Alles andere wäre auch scheinheilig, das wird klar, wenn man 300 Jahre zurückschaut: ins New York des Jahres 1713.
Warum man "Green Lantern" so heute nicht mehr erzählen kann
Damals führt die Stadt die sogenannten Lantern-Laws (auf Deutsch etwa: Laternen-Vorschriften) ein. Diese verpflichten Schwarze und Indigene, nachts eine brennende Kerze oder Laterne zu tragen, wann immer sie das Haus verlassen. So kann die Stadtwache sie jederzeit im Auge behalten – und Versammlungen oder Aufstände sofort unterbinden. Bei Missachtung drohen Festnahme und Peitschenhiebe. Wer die Lantern-Laws kennt, die es wirklich gab, kann keine Superheldenstory über einen weißen US-Amerikaner mit Laterne erzählen. Was die Serie "Lanterns" auch nicht tut.
Darum geht es in "Lanterns"
"Lanterns" ist ein Genre-Crossover: ein Provinz-Krimi, gemixt mit Neowestern, Science-Fiction und Superhelden-Elementen. Im Zentrum steht ein so unterhaltsames wie gegensätzliches Ermittler-Duo: der alte weiße Mann Hal Jordan – er ist der Superheld "Green Lantern" – und sein neuer Azubi: der junge schwarze Mann John Stewart. Die beiden so ungleichen Männer müssen eine Schießerei in einem lokalen Footballstadion in Nebraska aufklären. Bald wird klar, dass eine außerirdische Gefahr dahinterstehen könnte.
Rassismus-Debatte über die Hauptfiguren
Spätestens seit der dritten Folge "Lanterns" diskutieren die Serienfans im Netz jedoch über etwas anderes: über die Aufarbeitung von Rassismus in der Serie. Die Fragen sind unterschiedlich: In Fan-Foren und auf der Plattform Reddit geht es vor allem darum, ob Weiße wirklich so viele Privilegien haben wie in der Serie dargestellt, und, wie sich strukturelle Diskriminierung auf das Leben Schwarzer auswirkt. Kein Wunder: Die Serie verhandelt fast schon tiefenpsychologisch, wie die koloniale und rassistische Vergangenheit die Gesellschaft bis heute prägt.
Zur Debatte steht vor allem die Vergangenheit von John Stewart, dem Green-Lantern-Azubi. Eigentlich hätte sein Vater in den 90er-Jahren der "Green Lantern" werden sollen. Doch als ihm die galaktischen Prüfer die berühmte Frage "Hast du Angst?" stellen, antwortet der Schwarze Mann, geplagt vom Rassismus der USA, mit "Ja". Also bekommt Hal Jordan, der weiße, furchtlose und privilegierte Mann, den Job.
Was verrät die Figur John Stewart über Kolonialismus?
Der junge John Stewart und seine Eltern verfolgen nun das Ziel, es besser zu machen als der Vater. Also wird John gedrillt: Zum Beispiel, indem seine Mutter und sein Vater ihm als Kind - das sehen wir in Flashbacks - jeden Abend im Wilhelm-Tell-Style mit einer Pistole einen Apfel vom Kopf schießen, damit er furchtloser wird als alle anderen. Von Kindheit an wird John eingetrichtert: Er muss härter, disziplinierter und besser vorbereitet sein in einer Welt, in der Weiße so viele Vorteile haben – sonst hat er keine Chance.
Postkoloniale Aufarbeitung steckt bei "Lanterns" also schon in den Figuren, aber auch die Geschichte greift das Thema auf: Im Zentrum des Kriminalfalls, den die Space-Cops aufklären müssen, steht ein superreicher Großgrundbesitzer. Der könnte ein unbeschwertes Leben führen, doch nach einer Schießerei in seiner Heimatstadt ruft er die Lanterns, weil er sich davor fürchtet, dass sein Land von Aliens kolonialisiert werden könnte.
Der mächtigste Mann des Landstrichs, der selbst vom Kolonialismus profitiert hat, sieht sich hier also als potenziell Kolonisierter. Was hier kein gutes Ende nimmt. In "Lanterns" sehen wir also keine Superwesen, die über alles erhaben sind, sondern Leidtragende einer Gesellschaft, die ihre koloniale Vergangenheit nicht aufarbeitet.
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