Neuschwanstein ist Unesco-Weltkulturerbe und eine Touristenattraktion. Doch das Schloss, so wie es sich der legendäre "Märchenkönig" Ludwig II. erträumt hatte, ist nie ganz fertig geworden. In einigen Räumen des Schlosses sind nur blanke Steinwände zu sehen. Die Münchner Firma VR-Dynamix, die unter anderem schon für das Deutsche Museum und die Bayerische Schlösserverwaltung gearbeitet hat, hat jetzt eine Software veröffentlicht, mit deren Hilfe man die Räume so sehen und virtuell betreten kann, wie sie Ludwig II. gerne gehabt hätte.
Ritterbad und Maurischer Saal rekonstruiert
"Es gibt zwei wichtige Räume, die nicht realisiert worden sind. Das ist das Ritterbad und der maurische Saal, zwei kleine Säle im westlichen Palas", sagt Jürgen Dudowits von VR-Dynamix. Das Münchner Softwareunternehmen hat sich auf die virtuelle Rekonstruktion von historischen Orten und Gegebenheiten spezialisiert. Anhand historischer Pläne und wissenschaftlich fundiert kann man die Räume unter anderem mittels VR-Brille virtuell betreten. Neben der passenden Musik von Richard Wagner, den Ludwig II. enorm förderte, weil er dessen Musik liebte, gibt es in allen Räumen Informationen zu Gemälden und Einrichtung oder Einblicke in den Ausbau des Schlosses. Denn Neuschwanstein hätte nach Ludwigs Plänen anders ausgesehen.
Bergfried und Ritter-Terrasse wurden nie gebaut
"Das Schloss von außen ist in seiner Form, wie man es heute kennt, nicht vollendet worden", erklärt Dudowits. "Da gibt es einen großen Turm, den Bergfried, und auch eine Terrasse. Die äußerlichen Merkmale wären deutlich anders, als wir es jetzt kennen." In der Software kann man um das virtuelle Schloss herumfliegen und die Veränderungen ein- und ausblenden. So bekommt man einen geschichtsträchtigen Einblick in die Gedankenwelt des Märchenkönigs.
VR-Dynamix: v.l. Sebastian Franz, Jürgen Dudowits, Tobias Höche mit einem Modell von Schloss Falkenstein und Maximilian Kemmerer
Planungen für weitere Ludwig-Bauten
Neuschwanstein soll dabei erst der Anfang sein. Das Münchner Unternehmen will weitere Projekte Ludwigs II. virtuell erlebbar machen. Derzeit arbeitet das kleine Team um Jürgen Dudowits an einer Umsetzung des Schlosses Linderhof. Auf diese Art können Besucher künftig zum Beispiel eines der ersten Kraftwerke der Welt besuchen, dessen Energie die Beleuchtung der "Venusgrotte" im Schloss verwendet wurde, oder barrierefrei das abseits gelegene Schachenhaus besuchen.
Chinesischer Sommerpalast und Burg Falkenstein
Aber auch andere Projekte, die der König geplant hatte, die aber nie zustande kamen, wollen die Programmierer virtuell erschaffen. Zum Beispiel einen chinesischen Sommerpalast, der wohl am Plansee in Tirol entstehen hätte sollen, oder einen Palast im byzantinischen Stil im Graswangtal. Und auch Ludwigs Traumschloss Falkenstein, das nicht mehr realisiert wurde, wollen die Münchner virtuell erlebbar machen.
Klassisch für den Bildschirm oder die VR-Brille
Auch die Neuschwanstein-Software soll mit der Rekonstruktion weiterer Räume, die es nur in den Gedanken des Märchenkönigs gab, erweitert werden. Die App ist für Android-Smartphones und über Steam für PC oder Laptop erschienen. Dort gibt es sie klassisch für den Bildschirm, aber auch für die Nutzung mit einer VR-Brille.
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