Zum Schaden kam für die Politikerinnen Julia Klöckner, Karin Prien oder Verena Hubertz schnell auch der Spott. In den sozialen Medien gab es gehässige Kommentare über die Technik-Kompetenz von Bundestagspräsidentin und Ministerinnen.
Meredith Whittaker, Präsidentin der Non-Profit-Stiftung, die Signal betreibt, hat dies nun ausdrücklich kritisiert. In einem Spiegel-Interview sprach sie von Arroganz in Teilen der Tech-Szene. Gleichzeitig hat das Unternehmen angekündigt, nun doch technisch zu reagieren.
Signal will jetzt gegensteuern
Während vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und vom Bundesamt für Verfassungsschutz schon im Februar Warnungen vor Angriffen auf Signal kamen, war von der Signal-Foundation erst mal relativ wenig zu hören. Ende April gab es dann eine etwas ausführlichere Stellungnahme, die das Unternehmen auf dem Kurznachrichtendienst X veröffentlichte.
Jetzt reagiert Signal auch mit einer konkreten Gegenmaßnahme. Wenn jemand zum ersten Mal eine Nachricht von einer unbekannten Nummer erhält, soll es künftig einen extra Warnhinweis geben. Man kann also unbekannte Kontakte bei Signal nicht mehr mit einem einzigen Klick akzeptieren. Der Sicherheitsexperte Christopher Kunz vom Fachblatt Heise Security glaubt, dass das wirklich helfen könnte, wenn man nochmal kurz zum Innehalten und Nachdenken aufgefordert wird.
Warum Signal nichts ausfiltert
Whittaker kündigt zudem an, man werde noch weitere Ideen prüfen und dazu bald mehr bekanntgeben. Was das genau sein könnte, ist jedoch fraglich. Tatsächlich kann der Messengerdienst wahrscheinlich gar nicht mehr allzu viel an zusätzlichen Mechanismen einbauen, wie Christopher Kunz erklärt. Grund: Die gesamte Kommunikation ist verschlüsselt. Das heißt: "Die können auch nicht in die Nachrichten reinschauen, um zu schauen, wird da eine E-Mail-Adresse verlangt oder wird da eine Telefonnummer abgefragt oder wird jemandem ein gefährlicher Link geschickt."
Tatsächlich ist ein hohes Maß an Datenschutz die Besonderheit von Signal. Der Messenger wird gerade deshalb von vielen Politikern, Menschrechtsaktivisten oder Journalisten genutzt, weil die Kommunikation gut Ende-zu-Ende verschlüsselt ist. Auch Signal selbst weiß nicht, was in den Nachrichten steht.
Regierungen hätten gerne Einblicke bei Signal
Könnte man aber nicht wenigstens verdächtige Profilnamen blockieren? Dass sich die Angreifer einfach "Signal Support" nennen konnten, hat viele User immerhin erst dazu verleitet, den Angreifern ihr Passwort zu geben. Signal-Chefin Whittaker sagt dazu im Interview, ein automatisches Blockieren bestimmter Profilnamen komme nicht infrage, denn das könne zwar womöglich ein Problem beheben, würde aber erheblich größere neue Probleme auslösen; gemeint ist das Aushöhlen der Privatsphäre. Whittaker zufolge steht Signal schon jetzt unter massivem Druck bestimmter Regierungen, die gerne wissen würden, wer was an wen verschickt.
Wird die Angriffswelle bei Signal bald abebben?
Kurz gesagt, nein. Ein Ende der Attacken ist nicht in Sicht. Der Verfassungsschutz hat deshalb gerade einen ausführlichen Leitfaden veröffentlicht, in dem noch einmal genau erklärt wird, wie Angriffe ablaufen und was User tun sollen. Auch Sicherheitsexperte Kunz kann sich nicht vorstellen, dass die mutmaßlich russischen Angreifer sich jetzt damit zufriedengeben, dass sie ein paar deutsche Top-Politiker erwischt haben, sondern "die haben wahrgenommen, viele hochrangige Politiker oder andere Leute mit Einfluss kommunizieren über Signal und nehmen sich der Sache jetzt an, indem sie eben mehr konzertierte Angriffskampagnen gegen Signal-Nutzer fahren."
Wer sich outet bremst die Welle
Solche Attacken kann man sich auch ein wenig wie ein Schneeballsystem vorstellen. Jeder Account ist mit zig, wenn nicht hunderten anderen Usern verbunden. Dort können sich die Hacker nun etwa als Julia Klöckner, Karin Prien oder Verena Hubertz präsentieren. Und genau deshalb ist übrigens Häme gegenüber den attackierten Personen besonders problematisch. Sie verhindert, dass sich Betroffene nach einem Angriff outen und andere warnen – und so die Welle eindämmen.
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