Der Blick auf den Warenkorb sorgt derzeit bei vielen PC-Nutzern für Unglauben. Wer plant, seinen heimischen Rechner fit für die Zukunft zu machen oder ein neues Notebook zu kaufen, sieht sich mit Preisschildern konfrontiert, die an die schlimmsten Zeiten der Lieferkettenkrisen erinnern.
Arbeitsspeicher, das digitale Kurzzeitgedächtnis eines jeden Computers, wird zunehmend zum Luxusgut. Für hochleistungsfähige Speicherkits müssen Kunden inzwischen Summen auf den Tisch legen, für die mancherorts bereits eine komplette Spielekonsole über den Ladentisch geht. Selbst ältere Standards, die noch vor kurzem als Schnäppchen galten, haben sich im Preis vervielfacht (externer Link; möglicherweise Bezahl-Inhalt).
Arbeitsspeicher: Vom Überfluss zum Mangel
Um den rasanten Preisanstieg (externer Link; möglicherweise Bezahl-Inhalt) zu verstehen, lohnt ein Blick in die jüngste Vergangenheit. Während der Corona-Pandemie erlebte die IT-Branche durch Home-Office und Homeschooling einen beispiellosen Boom, der die Nachfrage nach Speicherchips in die Höhe trieb. Als dieser Trend abflachte, saßen die Hersteller in den Jahren 2023 und 2024 plötzlich auf riesigen Lagerbeständen. Um einen Preisverfall durch dieses Überangebot zu stoppen und Verluste zu begrenzen, fuhren die großen Chip-Produzenten ihre Fertigung massiv herunter.
Diese Strategie hat nur dramatische Folgen: Die einst vollen Lager, die als Puffer für Preisschwankungen dienten, sind weitgehend leergefegt. Branchenberichte deuten darauf hin, dass die Bestände bei Händlern von ehemals mehreren Monaten auf nur noch wenige Wochen zusammengeschmolzen sind. Da die Hersteller zögern, die Produktion für Standard-Speicher sofort wieder hochzufahren, trifft die nun wieder steigende Nachfrage auf ein kaum vorhandenes Angebot.
KI-Boom verdrängt den Heimcomputer
Verschärft wird diese hausgemachte Verknappung durch einen externen Schock: den weltweiten Boom der Künstlichen Intelligenz. Technologiekonzerne bauen riesige Rechenzentren, die unersättlich nach Rechenleistung verlangen. Diese Server benötigen jedoch keinen herkömmlichen Arbeitsspeicher, wie er in privaten PCs steckt, sondern spezialisierten Hochleistungsspeicher.
Da die Produktionskapazitäten für die benötigten Siliziumscheiben – die sogenannten Wafer – weltweit begrenzt sind, priorisieren die Hersteller in der Produktion jetzt diese lukrativen KI-Chips. Produktionslinien, die früher Module für Laptops und Desktop-PCs fertigten, werden umgerüstet. Das ohnehin knappe Angebot für den Massenmarkt wird so weiter ausgedünnt, da die Fertigungskapazitäten fast vollständig vom KI-Sektor absorbiert werden.
Großkunden kaufen den Arbeitsspeicher-Markt leer
Die Situation wird zusätzlich dadurch belastet, dass große Laptop- und PC-Hersteller die drohende Knappheit erkannt haben. Um ihre eigenen Produktlinien für die kommenden Jahre zu sichern, schließen Firmen wie HP, Dell oder Lenovo langfristige Verträge ab und kaufen verfügbare Kapazitäten im großen Stil auf.
Für den freien Handel und den Endverbraucher bleibt kaum noch Ware übrig. Einige Speicherhersteller ziehen sich offenbar sogar fast vollständig aus dem Direktgeschäft mit Endkunden zurück, um sich auf diese strategischen Großpartner zu konzentrieren.
Keine Entspannung in Sicht
Wer auf kurzfristig sinkende Preise hofft, dürfte enttäuscht werden. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Versorgungsengpässe noch bis weit ins Jahr 2026 oder gar 2027 anhalten werden. Und: Diese strukturellen Probleme treffen nicht nur PC-Nutzer. Auch der Start der nächsten Konsolengeneration von Sony und Microsoft könnte sich verzögern (externer Link; möglicherweise Bezahl-Inhalt), da die hohen Speicherkosten eine wettbewerbsfähige Preisgestaltung derzeit gefährden.
Fachleute raten Verbrauchern, die zwingend auf neue Hardware angewiesen sind, nicht auf bessere Zeiten zu spekulieren. Wer warten kann, sollte geplante Neuanschaffungen hingegen verschieben, bis neue Fabriken irgendwann für Entlastung sorgen könnten.
🎧 Wie verändert KI unser Leben? Und welche KI-Programme sind in meinem Alltag wirklich wichtig? Antworten auf diese und weitere Fragen diskutieren Gregor Schmalzried, Marie Kilg und Fritz Espenlaub jede Woche in "Der KI-Podcast" – dem Podcast von BR24 und SWR.
Dieser Artikel ist erstmals am 30.12.2025 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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