(Symbolbild) Ein umfallender Bücherstapel.
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(Symbolbild) Zerstören Tech-Firmen wirklich wertvolle Bücher für KI-Training?
Bildrechte: picture alliance / imageBROKER | Oleksandr Latkun
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(Symbolbild) Zerstören Tech-Firmen wirklich wertvolle Bücher für KI-Training?

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Zerstören Tech-Firmen wirklich wertvolle Bücher für KI-Training?

Zerstören Tech-Firmen wirklich wertvolle Bücher für KI-Training?

KI-Firmen sollen weltweit alte Bücher aufkaufen, aufschneiden, scannen und wegwerfen. Im Netz ist deshalb von einer neuen Bücherverbrennung die Rede. Aber geht hier wirklich ein Kulturschatz verloren? Die Antwort: Eher nicht.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Die Aufregung in den sozialen Medien ist groß: Amazon, Anthropic und andere KI-Firmen sollen weltweit gebrauchte und seltene Bücher aufkaufen, den Buchrücken entfernen, die Seiten einscannen und anschließend entsorgen. Alles, um Trainingsdaten für KI-Sprachmodelle wie ChatGPT und Claude zu erhalten.

Entsprechend heftig fallen die Reaktionen aus. Manche Nutzer vergleichen das Vorgehen mit Ray Bradburys "Fahrenheit 451" oder gar den Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten. Typisch aufgeheizte Stimmung auf Social Media – aber was ist wirklich dran an dem Vorwurf?

Was passiert mit den Büchern?

Dass KI-Unternehmen wie OpenAI, Anthropic und Google Bücher einscannen und anschließend entsorgen, ist grundsätzlich schon länger bekannt. Bereits vergangenes Jahr beschrieb ein US-Bundesgericht in einem Verfahren gegen die KI-Firma Anthropic, dass der KI-Konzern bereits Millionen überwiegend gebrauchte Bücher eingekauft, eingescannt und anschließend entsorgt habe.

Dass aktuell wieder darüber diskutiert wird, hat vor allem mit einer Recherche des Magazins 404 Media zu tun. Die Recherche berichtet von einem Buchhändler, bei dem eine anonyme Bestellung über etwa eintausend Bücher eingegangen war. In der Lieferung versteckte er einen AirTag. Der Apple-Tracker führte quer durch die USA zu einer Amazon-Halle in Las Vegas. Beschäftigte dieses Standorts berichteten, dass dort immer wieder große Buchlieferungen eintreffen. Diese Bücher werden anschließend eingescannt und vernichtet.

Warum werden die Bücher vernichtet?

Der ruppige Umgang mit den Büchern hat wohl zweierlei Gründe: Erstens lassen sich lose Blätter deutlich schneller und einfacher einscannen als ein gebundenes Buch.

Zweitens könnte es auch rechtliche Vorteile haben. Vergangenes Jahr urteilte ein Gericht in den USA, dass das Digitalisieren von gekauften Büchern nicht als Urheberrechtsverstoß gilt, wenn das Original anschließend vernichtet wird. Der Grund: So entsteht keine verbotene Kopie.

🎧 Wie verändert KI unser Leben? Und welche KI-Programme sind in meinem Alltag wirklich wichtig? Antworten auf diese und weitere Fragen diskutieren Gregor Schmalzried, Marie Kilg und Fritz Espenlaub jede Woche in "Der KI-Podcast" – dem Podcast von BR24 und SWR.

Verdächtige Buchbestellungen auch in Bayern?

Wie BR-Recherchen zeigen, erhalten auch Antiquariate in Bayern immer wieder eigenartige Großbestellungen, hinter denen möglicherweise KI-Unternehmen stecken könnten. Bestellt werden keine besonders interessanten Titel, sondern vor allem Ladenhüter, das aber in großen Mengen von anonymen Firmen. Ob hinter jeder Bestellung dieser Art tatsächlich die Trainingsmaschine von ChatGPT, Claude & Co. steckt, lässt sich nur vermuten. Plausibel ist allemal – auch da die großen KI-Unternehmen die Bestellungen in der Regel nicht kommentieren.

Welche Bücher werden bestellt?

Doch wie haltbar ist der Vorwurf, es handle sich um die Vernichtung von wichtigem Kulturgut?

Tatsächlich handelt es sich wohl bei fast allen Büchern, die auf diese Art bestellt werden, nicht um seltene oder künstlerisch besonders relevante Titel. Im Gegenteil: Berichte der entsprechenden Buchhändler sprechen eher von Fachliteratur, wissenschaftlicher Massenware und Sachbüchern. Meist stehen die Bücher seit vielen Jahren im Regal. Für Antiquariate ist das alles andere als schlecht: Sie werden in kurzer Zeit haufenweise Titel los, die sonst wohl für immer Ladenhüter geblieben wären.

"Wenn ich irgendwann mal aufhöre oder wenn ich umziehen muss, dann hätte ich die Bücher eh entsorgt", sagt auch Antiquar Bernhard Kitzinger im Gespräch mit dem BR. "Das sind ja keine kostbaren Handschriften. Also, dass hier irgendwelche Werte zerstört würden, das ist nicht der Fall."

Wie problematisch ist das Ganze?

Bei der schieren Masse an gekauften Büchern ist eines klar: Sicher sind unter den Titeln auch vereinzelte seltene Exemplare oder Bücher mit persönlichen Widmungen. Die überwiegende Mehrheit der zerstörten Titel ist aber alles andere als selten.

Dazu kommt die unangenehme Wahrheit, dass auch ohne KI ständig Bücher auf anderem Wege zerstört werden. Schätzungen der amerikanischen Umweltschutzbehörde zufolge (externer Link) landen allein in den USA jedes Jahr hunderttausende Tonnen Bücher im Müll – weggeworfen von Großhändlern, Verlagen, öffentlichen und privaten Einrichtungen oder Haushalten.

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