Das war es also. Das Kapitel Alexander Nübel beim FC Bayern München ist beendet. Der Torhüter wechselt zu Besiktas Istanbul. Das haben sowohl der FCB sowie der türkische Verein am Mittwochabend bekanntgegeben.
Rund sechseinhalb Jahre nachdem der deutsche Rekordmeister im Januar 2020 die Verpflichtung des damaligen Schalkers zum 1. Juli 2020 bekannt gegeben hatte, wechselt dieser nun in die Süper Lig.
FCB kassiert sieben Millionen Euro
Die Münchner kassieren wohl bis zu sieben Millionen Euro Ablöse, durch Boni könnten weitere fünf Millionen hinzukommen. Allerdings soll Nübel von den Bayern eine millionenschwere Abfindung erhalten, heißt es. Sein hoch dotierter Vertrag beim Rekordmeister, von rund elf Millionen Euro Jahresgehalt war immer die Rede gewesen, wäre noch bis 2029 gelaufen.
Als Nübel 2020 an die Isar gekommen war, schwärmte dieser: "Die ersten Eindrücke sind sehr, sehr gut. Mein Ziel ist es, mich stetig weiterzuentwickeln und mit dem FC Bayern viele Erfolge zu feiern."
Und auch Hasan Salihamidžić - damals Sportvorstand des FCB - freute sich über den ablösefreien Transfer: "Wir sind froh, dass Alexander jetzt bei uns ist. Er hat sich entschlossen, den Schritt zum FC Bayern zu machen, und wir sind sicher, dass wir an ihm viel Freude haben werden. Alexander Nübel ist eines der größten Torwart-Talente, er wird sich beim FC Bayern weiterentwickeln und seinen Weg machen. Dabei bekommt er von uns jede Unterstützung." So rosig wie das anfangs klang, verlief Nübels Zeit beim deutschen Rekordmeister aber nicht.
Nübel kam als Neuer-Erbe
Seit Januar 2020 ist viel passiert auf der Welt, im Fußball, beim FC Bayern aber auch bei Nübel selbst. Eigentlich ist nichts mehr so, wie es 2020 war, als Angela Merkel noch deutsche Bundeskanzlerin war und die deutsche WM-Blamage von 2018 noch als Ausrutscher galt.
Tatsächlich hat es seitdem jeweils vier verschiedene Bundes- und Bayerntrainer gegeben, also die insgesamt doppelte Menge an Partien, die Nübel in Rot und Weiß absolviert hat. Das ist tatsächlich keine Anspielung auf die ständige Kritik an den Münchner Trikotfarben, sondern ein Fakt.
Nübel, einst als Erbe von Manuel Neuer gekommen, hat in sechs Jahren, in denen er in der bayerischen Landeshauptstadt unter Vertrag stand, gerade einmal vier Pflichtspieleinsätze absolviert. Statt in die Fußstapfen von Neuer zu wachsen, mutierte Nübel zum Dauer-Leihspieler: erst zwei Jahre bei der AS Monaco, dann sogar drei Jahre beim VfB Stuttgart.
Nübel-Kritik an FCB-Torwarttrainer mit Folgen
Zwischenmenschlich soll es zwischen den Bayern und Nübel nicht gefunkt haben: Zwei Jahre spielte Nübel in Monaco, da beschwerte er sich im ZDF über den mangelnden Austausch mit FCB-Torwarttrainer Toni Tapalovic. "Es war nicht viel Kontakt vorhanden. Davor hatten wir ein normales Verhältnis", so der damals 26-Jährige. "Ich glaube schon, dass man sich ab und zu hätte austauschen können über die Situation, wie es läuft, aber das war nicht der Fall."
Salihamidžić kündigte eine interne Aufarbeitung an, wenig später trennte sich der Verein von dem Torwarttrainer. Eine Personalentscheidung, die Wellen schlug und die Neuer als "Schlag ins Gesicht" bezeichnete.
Neuer-Berater: "Warum alles in der Öffentlichkeit?"
Auf die Beziehung zwischen Neuer und Nübel dürfte sich die Episode kaum positiv ausgewirkt haben: "Warum ruft Alexander Nübel eigentlich nicht bei Manuel oder Toni Tapalovic an und bespricht die Sachlage in aller Ruhe? Warum alles über die Öffentlichkeit?", beschwerte sich Neuers Berater Thomas Kroth gegenüber Bild. "Die beiden kennen sich doch und außerdem waren es Tapalovic und Manuel, die frühzeitig dem FC Bayern die Empfehlung gaben, Nübel zu verpflichten."
Doch Nübels Zeit beim FCB stand schon zum Start und weit vor dem Eklat unter einem schlechten Stern: Angeblich war dem Keeper eine Zusage für Einsatzzeiten gegeben worden - zum Unmut des damaligen Trainers Hansi Flick, der dies als Einmischung in seine Aufstellung interpretierte.
Urbig hat Nübel als Thronfolger abgelöst
Nübel konnte trotz der Strapazen und Unruhen solide Leistungen zeigen - sowohl in Monaco als auch am Neckar. Mit seinem Berater entschied er jedoch, nur dann nach München zurückzukehren, wenn die Aussicht auf einen Stammplatz bestünde.
Eine Rechnung, die nicht aufgegangen ist. Mittlerweile hat ihn Jonas Urbig als Neuer-Thronfolger abgelöst. Urbig und Neuer wird ein enges Verhältnis nachgesagt. Dem 22-Jährigen wurden in der neuen Spielzeit weitere Einsätze garantiert, um in die Rolle als dauerhafter Neuer-Nachfolger hineinzuwachsen.
Nübel hingegen verlässt den FCB nun endgültig und wechselt in die Süper Lig. Die Hoffnungen, die beide Seiten hatten, wurden nicht erfüllt.
