Protestbanner in der Gelben Wand bei den Fans auf der Tribüne gegen die Polizei Schikane und Verfolgung von Fans bei Auswärtsspielen.
Protestbanner in der Gelben Wand bei den Fans auf der Tribüne gegen die Polizei Schikane und Verfolgung von Fans bei Auswärtsspielen.
Bild
Protestbanner in der Gelben Wand bei den Fans auf der Tribüne gegen die Polizei Schikane und Verfolgung von Fans bei Auswärtsspielen.
Bildrechte: picture alliance / Maximilian Koch | Maximilian Koch
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / Maximilian Koch | Maximilian Koch
Audiobeitrag

Protestbanner in der Gelben Wand bei den Fans auf der Tribüne gegen die Polizei Schikane und Verfolgung von Fans bei Auswärtsspielen.

Aktualisiert am
Audiobeitrag
Erschien zuerst am
> Sport >

Ausschreitungen in Dortmund: Fanforscher warnt vor Konflikt

Ausschreitungen in Dortmund: Fanforscher warnt vor Konflikt

Im Rahmen des Topspiels zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern gab es Ausschreitungen zwischen Auswärtsfans und Polizei. Fanforscher Harald Lange sieht aktuell eine immer "härtere Rhetorik" und warnt: "Es besteht wirklich Handlungsbedarf."

Über dieses Thema berichtet: BR24Sport im Radio am .

Aus sportlicher Sicht ist die Bilanz des Topspiels der Fußballbundesliga zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund recht übersichtlich zusammenzufassen: Die Favoriten aus München gewannen eine umkämpfte Partie mit 3:2 und stellen damit die Weichen für die nächste Deutsche Meisterschaft.

Die juristische Einordnung der Vorfälle in Dortmund dürfte da deutlich komplizierter werden. Knochenbrüche, Gesichtsverletzungen, Reizungen der Augen und Atemwege gäbe es nach einem Polizeieinsatz in den Reihen der FC-Bayern-Fans, berichtet die Fanorganisation "Südkurve München" in einer Stellungnahme und schreibt von "schweren gewalttätigen Übergriffen der eingesetzten Polizeieinheit gegen Fans des FC Bayern."

"Angriffe auf Polizeibeamte" - Polizei Dortmund erklärt Vorgehen

Die Polizei Dortmund schildert die Szenen wie folgt. Teile der Gästefans hätten versucht, "die Einlasskontrolle zu durchbrechen. Dabei kam es zu einem körperlichen Angriff gegen mehrere Mitarbeiter des Ordnungsdienstes des Veranstalters. Deshalb schritten die Einsatzkräfte der Polizei ein. (...) Im Zuge der Personalienfeststellung kam es zu Solidarisierungshandlungen weiterer Gästefans und zu tätlichen Angriffen auf Polizeibeamte. Die Beamten setzten daher Pfefferspray und den Einsatzmehrzweckstock ein." Die Bilanz aus Sicht der Polizei: ein verletzter Ordner, fünf verletzte Einsatzkräfte, mehrere Anzeigen.

"Willkürlich" - Fanorganisation kritisiert Polizei

Auch die Fanorganisation berichtet von einem "Handgemenge" zwischen einigen Fans und Ordnern. Die Verletzungen der Fans seien allerdings zu einem späteren Zeitpunkt entstanden: "Unter dem Vorwand, weitere Personalien feststellen zu wollen, ging die Polizei im Anschluss zum wiederholten Male unnötigerweise auf breiter Front gegen im Umlauf wartende, unbeteiligte Fans vor und setzte dabei willkürlich Schlagstöcke und Reizgas ein."

Diese Darstellung kritisierte die Polizei Dortmund. Strafbare Handlungen würden auch Maßnahmen der Polizei nach sich ziehen, heißt es in einer weiteren Stellungnahme.

"Härtere Rhetorik" - Konflikt zwischen Polizei und Fans verhärtet sich

So unterschiedlich die Darstellungen der beiden Konfliktparteien sind, so erwartbar waren die gegenseitigen Schuldzuweisungen für Fanforscher Professor Dr. Harald Lange, Leitung der Fan- und Fußballforschung an der Universität Würzburg. Er sagt: Seit Jahren fände auf verbaler Ebene eine Eskalation statt: "Wir haben eine härtere Rhetorik. Sowohl seitens der Polizei als auch seitens der Fanbündnisse und Ultras."

So würden sich die Seiten immer weiter voneinander wegbewegen: "Den Vorschlag, den ich da machen würde, wäre ein Abrüsten auf der verbalen Ebene. Es wäre wohltuend, wenn man in den Pressemitteilungen einen Satz des Bedauerns lesen würde. So wohl auf Fanseite, als auch auf Polizeiseite", so Lange.

Lange: Fans in Deutschland "in der Regel fair behandelt"

Eine Eskalation der Gewalt in deutschen Fußballstadien gibt es aber nicht, das belegt auch die Bilanz im Jahresbericht der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) 2025 die von der nordrhein-westfälischen Polizei veröffentlich wurde. Obwohl die Besucherzahlen von der Saison 23/24 zur Saison 24/25 um knapp eine Million gestiegen sind, gab es 221 Verletzte weniger (11,07 Verletzte) (Link auf sportschau.de).

Seitens der Polizei gäbe es in der Regel keine übermäßige Gewalt, so Lange: "Das ist noch eine Stärke des deutschen Fußballs, dass dort Fans in der Regel sehr fair behandelt werden, dass es nicht zu Polizeigewalt in dem Sinne kommt. Aus internationalen Zusammenhängen kennen wir das schon."

Auch die FC Bayern Fans haben damit unschöne Erfahrungen gemacht. 2017, im Estadio Santiago Bernabeu in Madrid, stürmten spanische Polizeibeamte den Auswärtsblock. Knochenbrüche, Hundebisse, Gesichtsverletzungen die Folge. Der Fall beschäftigte den deutschen Botschafter, den Bundestag und spanische Gerichte. An diese Szenen fühlt sich "Südkurve München" laut der Mitteilung erinnert.

Um weitere Eskalation zu vermeiden: "Es besteht wirklich Handlungsbedarf"

Generell sieht Lange diese Stufe in deutschen Stadien noch nicht erreicht. Doch, so der Forscher, häufen sich seit einigen Jahren Berichte von Fans über Polizeigewalt. In den Augen von Lange ein Trend, den man im Auge behalten muss: "In Deutschland ist das etwas besonderes. Aber auch etwas, wo wir jetzt ganz genau hinschauen müssen, damit wir nicht solche internationalen Verhältnisse in Deutschland etablieren."

Auf der anderen Seite würden sich unterschiedliche Ultra-Gruppierungen sich mittlerweile deutlich schneller und intensiver miteinander gegen die Polizei solidarisieren - so wurde am Samstag in Dortmund binnen kürzester Zeit das Banner "Freiheit für Auswärtsfans" in der BVB-Fankurve gehisst. Daneben Schriftzüge wie "Bullenterror stoppen". Lange drängt darauf, dass sich beide Seiten wieder annähern müssen: "Wenn man alle Indizien zusammennimmt, kann man wirklich attestieren, dass im kitten dieses Verhältnisses wirklich Handlungsbedarf besteht."

Tabellenführung und Abstiegskampf, aktuelle Spielpaarungen, Ergebnisse und Liveticker, Torjägerlisten, Laufleistung- sowie Zweikampfstatistiken und noch viel mehr: Fußball im Ergebniscenter von BR24Sport.