Schiedsrichter Joao Pinheiro und Vincent Kompany
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Aus gegen PSG: Warum Bayern trotz Schiri-Frust selbst schuld ist

Aus gegen PSG: Warum Bayern trotz Schiri-Frust selbst schuld ist

Der FC Bayern war gegen PSG phasenweise die bessere Mannschaft, scheiterte aber an der eigenen Effizienz. Die Diskussionen um den Schiedsrichter greifen deshalb zu kurz, auch wenn der Ärger nachvollziehbar ist. Die Champions-League-Analyse.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Es sollte einer jener Champions-League-Abende werden, von denen man in München noch Jahre später spricht. Die Allianz Arena laut, elektrisiert, hoffnungsvoll. Der FC Bayern mutig, aggressiv, dominant. Am Ende stand trotz einiger umstrittener Schiedsrichter-Entscheidungen nur ein 1:1 – und das Halbfinal-Aus gegen Paris Saint-Germain. Doch bei aller Diskussion über den Schiri muss sich der FC Bayern auch selbst fragen, warum diese große Europapokal-Nacht nicht reichte.

Große Champions-League-Nacht - nur das Ergebnis fehlt

Vincent Kompanys Team setzte die Gäste nach dem Nackenschlag durch das frühe Gegentor unter Druck, kontrollierte lange Phasen des Spiels und zwang den französischen Meister immer wieder zu Fehlern.

Bayern gewann die wichtigen Zweikämpfe im Mittelfeld, presste hoch und hielt das Tempo konstant hoch. Es war ein Auftritt, der Kompanys Handschrift zeigte. Und trotzdem fehlte am Ende das Entscheidende: die Tore.

Kapitän Manuel Neuer brachte das nach Abpfiff ungewöhnlich deutlich auf den Punkt: "Wir waren heute keine Killer", sagte der Bayern-Kapitän. Vor allem "vorne in der Box von PSG" habe die nötige Konsequenz gefehlt.

Video: Stimmen zum Champions-League-Rückspiel

Manuel Neuer
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PSG nutzt die Momente, Bayern nicht

Genau darin lag letztlich der Unterschied zwischen beiden Teams. Bayern spielte phasenweise wie die bessere Mannschaft. PSG aber wie die reifere. Kompany selbst sprach von einer "schmerzhaften Niederlage". Seine Mannschaft habe vieles richtig gemacht, hätte in den entscheidenden Momenten aber "entschlossener" auftreten müssen.

Was er damit meinte: Die Münchner investierten enorm viel, kamen immer wieder in gefährliche Räume, spielten ihre Angriffe aber zu selten sauber zu Ende. Mal fehlte die Präzision beim entscheidenden Pass, mal die Konsequenz im Abschluss, mal die Ruhe im entscheidenden Moment.

Laimer, Kimmich und ein "schlampiger" Auftritt

Rechtsverteidiger Konrad Laimer, wie immer ein Wirbler auf der Außenbahn, sagte nach dem Spiel: "Wir waren ein bisschen zu schlampig. Nicht so genau, wie wir es sein können." Auch Joshua Kimmich zeigte sich selbstkritisch: "Wir haben zu viele Fehler in den entscheidenden Momenten gemacht." Genau dort habe PSG Vorteile gehabt.

PSG zeigt Bayerns größtes Problem

Paris brauchte deutlich weniger Aktionen, um gefährlich zu werden. Genau diese Kaltschnäuzigkeit zeichnet europäische Topteams in den K.o.-Spielen der Champions League aus. Bayern dominierte viele Phasen des Spiels – PSG aber dominierte die entscheidenden Momente.

Das Ausscheiden ändert wenig daran, dass die Entwicklung unter Vincent Kompany deutlich sichtbar ist. Bayern ist wieder eine Mannschaft mit einer klaren Idee - mit Intensität, Mut und Struktur.

Gegen PSG war sichtbar, dass Bayern wieder auf Augenhöhe mit Europas Elite spielen kann. Umso mehr dürfte die Niederlage intern besonders schmerzen. Denn sie zeigte auch, wie schmal der Grat zwischen Kontrolle und Titelreife ist. Kompanys Bayern spielten wie ein Spitzenteam. PSG aber wie eine Mannschaft, die solche Spiele schon mehrfach gewonnen hat.

Bayern-Ärger über Schiedsrichter nach PSG-Spiel

Natürlich gab es die Szenen, über die nach Abpfiff gesprochen wurde. Vor allem eine mögliche Handspiel-Situation im PSG-Strafraum sorgte bei Spielern, Fans und Experten für Diskussionen. Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe sprach in den sozialen Medien sogar von einem "100-prozentigen Elfmeter".

Ganz so eindeutig war die Lage allerdings nicht. Laut der aktuellen IFAB-Regelauslegung reicht ein Ballkontakt am Arm allein nicht automatisch für einen Strafstoß aus – insbesondere dann nicht, wenn ein Spieler aus kurzer Distanz vom eigenen Mitspieler angeschossen wird.

Der Frust der Bayern war dennoch nachvollziehbar. "Ob es vom eigenen Spieler ist oder nicht, das ist bisschen Quatsch", sagte Kompany.

Laimer-Szene sorgt für neuen Bayern-Frust

Wenige Minuten zuvor war ein Bayern-Angriff wegen eines vermeintlichen Handspiels von Konrad Laimer abgepfiffen worden. Danach sprang der Ball an die Hand des bereits verwarnten PSG-Spielers Nuno Mendes – statt einer möglichen Gelb-Roten Karte gab es Freistoß für Paris. "Ich habe kein einziges Bild gesehen, wo Konrad Laimer den Ball mit der Hand berührt", sagte Kompany.

Zur Wahrheit dieses Abends gehört allerdings auch: Der FC Bayern hatte genug Möglichkeiten, das Spiel unabhängig von solchen Entscheidungen für sich zu entscheiden. Oder, wie Neuer es formulierte: "Wir waren heute keine Killer."